02.06.2022 — Uganda / Ukraine / Russland
Meldung
Erneut rund 700 Menschen aus senegalesischer Region Casamance nach Gambia vertrieben, mit Militär seit März (18.3) gegen Separatisten vorgeht.
Erneut rund 700 Menschen aus senegalesischer Region Casamance nach Gambia vertrieben, mit Militär seit März (18.3) gegen Separatisten vorgeht.
6000 fliehen aus Casamance nach Gambia.
Russisch-ukrainischer Sonntag, 20. März 2022.
Zahl der durch senegalesische Militäroperation in Region Casamance Vertriebenen steigt auf 2000.
2 Der Bürgerkrieg bis 2014 In Casamance kämpft seit 1982 die Mouvement des forces démocratiques de Casamance (Bewegung der demokratischen Kräfte der Casamance) MFDC für ihre Unabhängigkeit. Dabei handelte es sich immer wieder um einen recht inaktiven Konflikt. In den 1990ern stand die Casamance im regen Austausch mit der erfolgreichen Rebellion im benachbarten Guinea-Bissau und profitierte auch nach der Machtübernahme mutmaßlich von dem neuen internationalen Partner. Auch in Gambia fand die MFDC in Präsident Yahya Jammeh einen strategischen Verbündeten. In diesem Zeitraum bis 2001 starben tausende Menschen im direkten Kampf oder als Folge von Kriegsverbrechen. Gut 60.000 wurden vertrieben. Seitdem forderte der Konflikt nicht mehr so viele Opfer. In dieser Zeit begann die Zersplitterung der MFDC, die bis heute anhält. Heute tritt die MFDC also nicht mehr geschlossen auf. 2014, sieben Jahre nach dem Tod des MFDC-Anführers schlossen die MFDC-Gruppen Frieden und erklärten einen einseitigen Waffenstillstand. Seitdem galt der Casamance-Konflikt als schlafender Konflikt. Weil in dem Krieg zuvor auch Landminen zum Einsatz kamen, stieg die Zahl der Toten im Casamance-Konflikt trotz der Waffenruhe.
3 Die Entwicklung seit 2017 2017 brach in Gambia eine Staatskrise aus und die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS intervenierte militärisch. Einige MFDC-Gruppen kämpften dabei auf Seiten Jammehs, verloren aber. Seitdem hat sich Gambia als strategischer Partner der Zentralregierung im Senegal erwiesen. Die MFDC-Gruppen finanzieren sich mutmaßlich durch illegalen Holzhandel und rückten in den letzten Jahren durch die zunehmende Gewalt in diesem Geschäft in den Fokus senegalesischer und gambischer Sicherheitskräfte. Das Holz wird über Gambia vermutlich im großen Stil nach China exportiert, nachdem der gambische Präsident Jammeh seit seinem Amtsantritt 1996 den illegalen Holzhandel mitorganisiert hatte. Im März 2020 verkündete der senegalesische Präsident Macky Sall höhere Strafen für die „katastrophale“ illegale Rodung von Hölzern. 2018 tötete eine MFDC-Gruppe bei einem Überfall 13 Menschen in der Casamance. Im Januar 2021 startete die senegalesische Armee mit 2600 Streitkräften eine Militäroperation gegen zwei MFDC-Gruppen. Senegal wurde dabei von Guinea-Bissau unterstützt. Dabei wurde ein großes Waffenlager und ein Marihuana-Feld gefunden. Die Casamance gilt außerdem als Durchgangslager für den Kokain- und Waffenhandel und Menschenschlepperei. Das Nachbarland Guinea-Bissau gilt als Hotspot für den transatlantischen Drogenhandel – eine Verbindung der Casamance nach Guinea-Bissau ist also denkbar. Eine weitere Militäroperation erfolgte im Mai 2021. Beide fanden im Süden der Casmance statt. Im Januar 2022 geschah ein Vorfall, der die neueste, seit dieser Woche laufende Militäroperation auslöste. In Gambia wurden sieben senegalesische Streitkräfte der Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft-Militärmission von einer MFDC-Gruppe der Sadio-Fraktion entführt und vier getötet. Die Streitkräfte sollten in der Grenzregion Holzschmuggel aufdecken. Laut Sadio fanden die Kämpfe allerdings in der Casamance im Senegal statt. Ihm zufolge hatten die ECOWAS-Truppen seine Stellungen angegriffen. Im Februar 2022 wurden die sieben Streitkräfte wieder befreit. Am 13. März 2022 verkündete der Senegal eine dritte Militäroperation gegen MFDC-Kämpfer der Sadio-Fraktion an der Grenze zu Gambia, also in der nördlichen Casamance, aber auch im weiter südlicheren Sindian wird über Gefechte berichtet. Zwar versprach die senegalesische Armee die „Vernichtung“ dieser Gruppe, doch laut Abdo Latif Aidara vom Afrikanischen Zentrum für Strategische Intelligenz ist der Umfang der Operation recht gering und zielt auf demnächst stattfindende Verhandlungsgespräch ab, bei denen Senegal die Überhand behalten will.
Der Casamance-Konflikt Der Senegal im äußersten Westen Afrikas hat in zwei Ebenen eine besondere Form. Zum einen ist die Politik des Senegals relativ stabil und im Gegensatz zu den Nachbarstaaten gab es hier seit der Unabhängigkeit von Frankreich 1960 keinen Militärputsch. Das Land wird, neben Ghana, regelmäßig als „Vorzeigestaat“ Westafrikas hervorgehoben. Allerdings: Im März 2021 führte die Festnahme des aus Casamance stammenden Oppositionellen Ousmane Sonko wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs zu gewaltsamen Ausschreitungen, bei denen auch französische Unternehmen angegriffen wurden. Schon im November 2020 hatte es Proteste gegen französische Mohammed-Karikaturen gegeben, im Januar streikte die Post und im Mai gab es in der Casamance Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Einwohnern um Zugriff auf sauberes Wasser. Um solche Proteste künftig besser zu kontrollieren, wollte die Regierung mehr Kontrolle über Soziale Medien und verabschiedete ein Anti-Terror-Gesetz, das auch gegen Oppositionelle missbraucht werden könnte.
1 Einführung Casamance Etwa halb so groß wie Deutschland wird der Senegal zum anderen durch die ehemalige britische Kolonie Gambia entlang des Gambia-Flusses fast in zwei Teile geteilt. Durch diese Teilung des Landes definiert sich die senegalesische Region Casamance. Als ehemalige französische Kolonie ist Senegal zentralistisch organisiert und die Macht liegt eher nicht in den einzelnen Landesteilen, sondern in der Hauptstadt Dakar. Dass diese Staatsform gewaltsame Auseinandersetzungen hervorrufen kann, merkt auch der ehemalige Kolonialherr Frankreich zur Zeit in Korsika. Diese Konflike ähneln sich in ihrer Grundstruktur, nicht jedoch in ihren Details und ihrer Intensität. Im Senegal kommt der Casamance eine Sonderrolle zu, da die Region bis 1888 eine portugiesische Kolonie war und ihr ein eigener Staat versprochen wurde. Erst 1960 wurde die Casamance Teil Senegals. Nach der Unabhängigkeit 1960 verschärfte sich das Verhältnis schrittweise und um den Status der Casamance findet seit 1982 ein Bürgerkrieg statt. Die Casamance hat für den Senegal eine große Bedeutung, da hier in den 1940er die Unabhängigkeitsbewegung von den französischen Kolonialherren begann, und weil in dieser Region auch dann gut Landwirtschaft betrieben werden kann, während der Rest des Landes unter Dürre leidet. Da die Erdnuss als landwirtschaftliches Produkt der wichtigste Export des Senegals ist, ist dies von größter Bedeutung. Der Erdnussanbau in der Casamance wird jedoch nicht von ihren Einwohnern kontrolliert, sondern von islamischen Führern aus dem Norden des Senegals. Neben der wirtschaftlichen Marginalisierung der Casamance zeigt auch das überdurchschnittlich pro-oppositionelle Wahlverhalten ihrer Einwohner eine Unzufriedenheit. Die Region ist insbesondere durch eine Straße in den nördlichen Teil Senegals verbunden, die durch Gambia führt. Durch Gambia wurden auch die Streitkräfte und das Material der drei Militäroperationen 2021 und 2022 transportiert. Dies ist erst seit 2019 möglich, als die erste Brücke über den Gambia-Fluss eröffnete.
Der Casamance-Konflikt Anlässlich der jüngsten senegalesischen Militäroperation in der senegaleischen Region Casamance stelle ich hier den Konflikt anhand einer Karte und eines Begleittextes vor. In Dunkelgrün die Region Casamance, die Teil des hellgrünen Senegals ist. Guinea-Bissau und Gambia sind ebenfalls als wichtige Akteure hell-orange eingefärbt. Rechts unten findet ihr die Lage Senegals in Afrika, links oben ist die Legende. Die Morde sind nur exemplarisch verzeichnet. Die Quellen sind im Text verlinkt.
Gambier+ im niedrigen dreistelligen Bereich durch neueste senegalesische Militäroperation gegen Casamance (15.3) vertrieben.
Senegal beginnt Militäroperationen gegen südliche Separatistenregion Casamance; zuletzt dort 4 senegalesische Streitkräfte getötet (26.1).
7 kürzlich (2.2) in Gambia von senegalesischen Casamance-Separatisten entführte senegalesische Streitkräfte freigelassen.
2 senegalesische Streitkräfte der UN-Friedenstruppen in Gambia getötet; Kämpfe mit senegalesischen Casamance-Separatisten+ (12.2).