Seite wird geladen …
NACHRICHTENvon Gestern und Heute
Land / Territorium

Kaukasus

35Nachrichten

Nachrichten zu Kaukasus

In Recherche öffnen

01.10.2020 — USA / Libyen / Jemen

Meldung

Ihre Hoffnung ging auf: Unter Einfluss des ostlibyschen Generals Khalifa Haftar einigten sich Stammesrat, Ost- und West-Libyen darauf, die Erdölförderung wiederaufzunehmen, den Erlös aber für die Versorgung der Bevölkerung zu verwenden. Das hat drei Dinge zur Folge: 1. Weniger Geld für Krieg, 2. mehr Macht für die Zivilgesellschaft mit Hilfe des Stammesrats, und 3. das Versprechen beider Regierungen, für das Wohl der Libyer zu sorgen. Wir sollten jedoch keine großen Sprünge erwarten und auch nicht anheizen.

Auch im Bürgerkriegsland Jemen scheint, wie in Libyen die Zivilgesellschaft aus der Taubheit durch andauernden Krieg zu erwachen und für ein besseres Leben zu protestieren (28.9), ohne sich von einer der Kriegsparteien für ihre Interessen vereinnehmen zu lassen. Es gibt Gespräche zum Gefangenenaustausch (18.9). Der Weg zu libyschen Verhältnissen ist aber noch lang, zumal die UN viele jemenitische Gesundheitszentren nicht mehr finanzieren kann (23.9).

Auch Afghanistan geht einen nachvollziehbaren Weg: Es verhandelt direkt (12.9) mit der verhandlungsunwilligen und brutal staatszersetzenden (9.9,21.9) Taliban, aber auch mit einem der wichtigsten Unterstützer der Taliban, nämlich dem Nachbarland Pakistan (28.9,29.9). Jetzt sollten sich die USA auch weiterhin heraushalten und die internationale Gemeinschaft jedes dieser Abkommen wert schätzen und bei der Einhaltung helfen. Das ist utopisch, weil die USA sich wahrscheinlich nicht heraushalten werden und möglicherweise die russische Mafia oder andere internationale kriminelle Organisationen weiterhin ihr Geld mit der Taliban verdienen will.

Hatte der August für Israel und dem Gaza-Streifen noch im Hagel aus Granaten geendet, einigten sich Israel und die Hamas schon Anfang September (1.9) auf einen Waffenstillstand. Grund dafür ist wohl, dass sowohl Israels Ministerpräsident Netanjahu, alsauch die Hamas innenpolitisch schwer angeschlagen sind. Internationale Beobachter fordern einen kompletten Neustart der Zwei-Staaten-Lösung (24.9). Nach den Vereingten Arabischen Emiraten will hat nun auch Bahrain (13.9) diplomatische Beziehungen zu Israel aufgebaut. Auch der Sudan (21.9) hat Interesse an engeren Beziehungen zu Israel bezeugt, was allerdings innenpolitische Turbulenzen ausgelöst hatte. Katar (23.9) und Palästina lehnen jede Beziehung zu Israel weiter ab (15.9) und kritisieren die Arabische Liga (22.9).

In welche Richtung sich die Proteste in Belarus entwickeln, ist unklar. Manche bekennen sich zur NATO (6.9), manche bekennen sich zu Russland (6.9), das z.Z. großen Einfluss auf das Land nimmt (14.9) und manche bekennen sich zur Souveränität eines demokratischen Belarus‘ (20.9). Klar ist, dass die Antwort auf die Proteste mit Entführungen (7.9,9.9) und Festnahmen zumindest nicht besser sind, als in den USA. USA, UK, Kanada (24.9), und die EU, und zahlreiche ihrer Mitgliedsstaaten erkennen Lukaschenko nicht mehr als legitimen Präsidenten an (15.9,18.9). Vor Sanktionen konnte sich das Land bisher retten, weil Zypern (21.9) dagegen stimmte. Zypern fordert gleichzeitige Sanktionen gegen Belarus und die Türkei, die die Souveränität Zyperns durch ihre neue aggressive Außenpolitik bedroht.

Türkei und Griechenland scheinen nach einigem Hick-Hack (4.9,5.9) und Aufrüstungsgehabe (13.9) wieder auf Kurs zu gehen und die Waffen niederzulegen, den Konflikt bis auf weiteres ungelöst einfrieren zu lassen. Die Türkei kümmerte sich stattdessen um die Beseitigung innenpolitischer Gegner (8.9,23.9,25.9). Vor Sanktionen durch die EU konnte sich das Land jedoch bisher retten.

In den letzten Tagen des Septembers eskalierten die Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan, die bereits jetzt Ausmaße eines Krieges (27.9) angenommen haben. Unterstützt wird Aserbaidschan von der Türkei und syrischen Milizen (28.9). War der Kaukasus-Konflikt in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten vom Nahen Osten vergleichsweise eher abgesondert, droht nun eine Geopolitisierung des Konflikt (29.9) im Dreieck zwischen Russland, Türkei, Iran (und USA). Weiterführendes: https://martinsonneborn.de/notizen-zu-bergkarabach/.

1 Quellen

20.07.2020 — Kaukasus / Deutschland / Georgien

Meldung

Nicht vergessen! Derzeit befinden sich die fünf höchsten Wolkenkratzer Europas in den russischen Megacitys Sankt Petersburg und Moskau. 2021 wird sich mit dem Achmat-Tower (435m) ein weiterer Wolkenkratzer aus der südrussischen Republik Tschetschenien in diese Top-Liste einreihen. Die tschetschnische Stadt Grosny wird somit eine der wenigen Städte mit einem Wolkenkratzer sein, die unter einer Millionen Einwohner hat. Die Stadt im Süden Russlands wurde 1818 als Festung gegründet und hatte etwa 100 Jahre später 100.000 Einwohner. Doch während der Zaren-Herrschaft lebten fast ausschließlich Russen und Ukrainer in der Stadt. Tschetschenen machten nur 2% der Stadtbevölkerung aus und besiedelten das Umland bis hoch in den Kaukasus. Während der Sowjetunion stieg bis 1989 der Anteil der Tschetschenen auf 30% und der der Russen fiel auf 50%. Während des Zweiten Weltkriegs hatte die muslimische Minderheit der Tschetschenen in Teilen mit Nazi-Deutschland kollaboriert. Stalin wendete Kollektivbestrafung an und deportierte sie daraufhin zusammen mit Russlanddeutschen in kasachische Gulags. Erst nach 1956 konnten die Tschetschenen zurückkehren. Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 erklärte Tschetschenien die Unabhängigkeit seines Landes, wie es auch Georgien, Armenien und Aserbaidschan im Südkaukasus getan hatten. 1994 intervernierte Russland und der Erste Tschetschenien-Krieg brach aus. An ihm waren viele Nationalitäten beteiligt und viele Intentionen geknüpft: Ukrainische Rechtsextreme kämpften auf der selben Seite mit arabischen Dschihadisten und Neonazis gegen russische Freischärler. Durch den tagelangen Artillerie-Beschuss und die Luftangriffe auf die Hauptstadt Grosny über zwei Monate hinweg starben 25.000 Menschen und die Stadt wurde zerstört. Die Einwohnerzahl halbierte sich auf 200.000, viele Nicht-Tschetschenen zogen ab. 1995 endete der Krieg durch eine prominente Geiselnahme zugunsten Tschetscheniens. 1996 wurde der Krieg fortgeführt mit schweren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nach drei Jahren indirekter Kriegsführung wurde der offene Krieg 1999 wieder aufgenommen. Damals hatten Tschetschnische Milizen das Nachbarland Dagestan überfallen und Terrorgruppen in Westrussland wohl Anschläge verübt. Bis 2009 starben erneut 50.000-80.000 Menschen. 2002 waren 95% der Bewohner Grosnys ethnische Tschetschenen. Heute regiert in Grosny ein russlandfreundlicher Machthaber, der den geopolitischen Interessen Russlands in der Kaukasusregion militärisch, politisch und ideologisch Nachdruck verleiht. In beiden Kriegen wurde die Stadt sehr zerstört, sodass auf den Ruinen der alten Sowjet-Stadt eine moderne Metropole nach dem Vorbild der Zentren am Golf von Persien entstehen sollte. Zentral ist der sufistische Glaube in Tschetschenien, der Teil des Islams ist. In Grosny steht die große Achmat-Ramsan Kadyrow-Moschee, die nach dem Vater des aktuellen Machthabers benannt ist. Das entsprechende Geld wurde entsprechend beschafft. Neben besagter Korruption und politisch motivierter Fördergelder profitiert die machthabende Elite vom Erdölexport.

0 Quellen

20.11.2019 — Kaukasus / Iran / Osteuropa

Meldung

Die Proto-Indoeuropäische Sprache entwickelte sich in kurzer Zeit zum Indoiranischen und zum Indogermanischen. Die Indo-Aryas wanderten über den Kaukasus in den Iran und von dort nach Nordindien. So sind erstaunliche Wortähnlichkeiten zwischen zeitgenössischen und toten Sprachen zu verzeichnen, wie bei _Mutter_, _Vater_, _Bruder_ und _Tochter_. Der Name Himalaya ist verwandt mit dem lateinischen _hiems_ (Winter), der des indischen Fünfstromlandes Pandschab erinnert ans griechische _pente_ (fünf) und im Wort Maharadscha stecken die Wurzeln von lateinisch _magnus_ (groß) und _rex_ (König). Die Übereinstimmungen sind je auffälliger desto älter der verglichene Wortschatz ist. Das Indogermanische ist nach wenigen Generationen in Osteuropa entstanden, in einem Raum, wo "Buchen" wachsen. Denn dieses Wort gibt es in allen indogermanischen Sprachen, wie im Deutschen als "Baum". Der Begriff für die Siedlungsgemeinschaft der patriarchalischen Großfamilien _teuta_ steckt in unserem Wort _deutsch_. Weitere Verwandtschaften gibt es im Tier-, Religions- und Dichtervokabular. Die ältesten Flussnamen Mitteleuropas enthalten indogermanische Wortstämme: Elbe ist verwandt mit _albus_ (lat. hell), Neckar mit _niger_ (lat. dunkel) und Weser mit dem deutschen _Wasser_.

0 Quellen

08.11.2019 — Italien / Deutschland / Frankreich

Meldung

Wein gilt heute als Spezialität vieler Länder auf allen Kontinenten: Italien, Deutschland und Frankreich, Südafrika, Argentinien und China. Doch der erste Wein stammt aus dem Kaukasus im heutigen Georgien. Dort reicht die Tradition des Weinbaus 8000 Jahre zurück, denn aus der Zeit stammen die ersten Spuren in Form von Tongefäßen mit Weinsäureresten. Des weiteren wurden über 4000 Jahre alte Traubenkerne, Werkzeuge und Gefäße an vier Fundstellen in Georgien geborgen. Die Krüge enthielten Kerne der weißen Sorte Rkaziteli, einer kultivierten Rebe. Ein mit Silber überzogenes kurzes Stück Rebenholz aus der Ortschaft Trialeti wird im Tiflisser National-Museum gezeigt. Es ist datiert auf die Zeit um 2500 v. Chr. Die griechische Argonautensage berichtet, dass die Argonauten unter Führung von Jason bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt Kolchis rankende Reben am Eingang des Königspalasts und einen Brunnen mit Wein im Schatten der Bäume vorgefunden hätten. Die Ursprünge der Sage reichen ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurück, als die Griechische Kolonisationdie Küste des Schwarzen Meeres erschloss. Vom westgeorgischen Staat Kolchis wird vermutet, dass dort seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. nicht nur Wein angebaut, sondern auch exportiert wurde. Enge ökonomische Verbindungen bestanden zu Griechenland und dem Perserreich.

0 Quellen