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21.12.2019 — USA / Welt / Russland

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Die Zusammenarbeit zwischen Pepsi und der Sowjetunion begann 1972, als die USA den Pepsi-Sirup gegen Stolichnaya-Wodka tauschten. 1989 tauschte die SU 17 U-Boote und 3 Kriegsschiffe ihrer Marine gegen Pepsi Cola im Wert von 3Mrd$. Das Unternehmen hinter Pepsi Pepsico wurde so zeitweilig zur sechstgrößten Marine der Welt. Die Kooperation blieb bestehen und so wurde von der Sowjetischen MIR-Spacestation eine riesige Pepsi-Dose in den Äther katapultiert. 1990 kamen die ersten Fast-Food-Ketten ins Land, darunter McDonalds und Pizza Hut, das Teil der Pepsico ist. Mit dem Kollaps der SU 1991 begann ein relativ dunkles Zeitalter für Russland, das sich in wirtschaftlicher Misere und Bürgerkrieg im Süden des Landes kenntlich machte. 1993 kam es zu einem nur schwer abzuwendenden Putschversuch. Im Zuge dieser politischen Krise hatte der ehemalige Präsident Gorbatschow keinen Zugriff mehr auf sein Vermögen und seine monatliche Rente betrug wegen Inflation nur weniger als 2€. Bei der Präsidentschaftswahl 1996 bekam er nur 0,5% der Stimmen und musste 1997 seinen Bankrott erklären. Im selben Zeitraum hatte Pizza Hut von Pepsico eine Werbekampagne mit VIPs am laufen, wie Muhammad Ali, Dennis Rodman und Donald Trump (der in der Werbung nur die Pizzakruste isst). Während die Russen in Gorbatschow einen Verräter sahen, da er das Land in eine schwere Krise gestürzt hatte, war sein Bild im Westen überwiegend positiv und so bot er sich als Werbefigur an. Doch der bankrotte Ex-Präsident stellte einige Bedingungen: er würde volle Kontrolle über das Skript haben und er würde keine Pizza-Kruste essen. Der Rote Platz in Moskau wurde einzig für ihn und das Kamerateam für viele Stunden gesperrt. Und so ist dieser Pizza Hut Werbefilm entstanden, in dem ganz Moskau "Hail Gorbachev!" ruft: https://youtu.be/fgm14D1jHUw.

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16.12.2019 — Rumänien / Welt / Deutschland

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Was ein Mangel an emotionaler Zuwendung beim Menschen bewirken kann, sieht man besonders bei der Beobachtung von Kindern, die einen Teil ihres jungen Lebens in Kinderheimen verbringen mussten. Besonders aufsehenerregend war, als nach dem Ende der Ceauşescu-Diktatur in Rumänien 1989 Kinder aus Waisenhäusern befreit wurden. Vernachlässigung, Misshandlung und Verwahrlosung hatten aus den Kindern Schatten ihrer selbst gemacht. Bilder von sich apathisch hin- und herwiegenden hohläugigen Kindern, die teilnahmslos die gekachelte Wand anstarren gingen um die Welt. Das war ein Extremfall. Doch was in den 1980ern in Rumänien geschah geschieht auch heute noch nach dem selben Bauplan z.B. in Deutschland, wenn Kinder vom frühesten Alter bis in die Volljährigkeit von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weitergereicht werden. So häufige Wechsel von Bezugspersonen führen zu einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Gehirn, vergleichbar mit einem untrainierten Muskel. So konnte auch für die rumänischen Waisenkinder, die inzwischen Anfang 30 sind, nachvollzogen werden, dass sie zwar kognitiv, aber nicht emotional aufholen konnten. Die Defizite bleiben unverändert, es bleibt eine emotionale Sprachlosigkeit. Je früher die Vernachlässigung angefangen hat und je länger sie stattfand, desto verheerender sind die Folgen. Man kann nicht pauschal sagen - und das ist sehr wichtig - dass Kinder, die zu einer Bindungsperson eine unsichere Bindung haben, ein weniger leistungsstarkes Gehirn haben. Das anzunehmen wäre fatal, denn die Qualität der Bindungen sind in Wahrheit immer und bei jedem dynamisch.

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14.12.2019 — Welt

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Der möglicherweise berühmtesten Mumie der Welt und sicher dem berühmteste bronzezeitlichen Menschen haben wir den Namen Ötzi gegeben. Denn er wurde in den Ötztaler Alpen im italiensichen Südtirol gefunden. Er wurde in einem Frühjahr zwischen 3359 v.Chr. und 3105 v.Chr. im hohen Alter von 45-46 Jahren auf 3208m Höhe getötet. Seine Gletschermumie ist eine der am besten untersuchten Toten der Welt, wofür Anthropologen, Forensiker und Pathologen seit 30 Jahren an ihr forschen. Ötzi litt an Bandscheibenverschleiß, wobei der Abnutzungsgrad seiner Gelenke für das Lebensalter als verhältnismäßig gering eingestuft wird, was auf eine herausgehobene soziale Stellung schießen lässt. Der Schädel weist im Bereich des rechten Augenrandes eine Fraktur der Schädelnaht zwischen Jochbein und Stirnbein auf, wodurch Ötzi ein Schädel-Hirn-Trauma erlebt hat. Seine Zähne sind stark abgenutzt, was auf den Verzehr von Getreide mit den darin enthaltenen Partikeln von Mahlsteinen zurückzuführen ist. Dem Mineralienstatus der Zähne nach zu schließen kam er aus dem Eisacktal. Im Jahr 2011 wurden verschiedene Zahnerkrankungen wie Karies und leichte Parodontose diagnostiziert. Auffallend ist weiterhin das Diastema (die Zahnlücke zwischen den beiden oberen mittleren Schneidezähnen). Ötzi litt unter Arterienverkalkung. Seine Gallensteine deuten auf einen erhöhten Cholesterinspiegel, wodurch seine Arteriosklerose erklärt werden könnte. Ötzi litt unter akuten Magenbeschwerden durch schädliche Bakterien und einen in ihm lebenden Wurm. Ötzi hat 61 Einzeltätowierungen, die die ältesten der Welt sind; sie formen einfache Muster. Seiner Genom-Analyse nach hatte er braune Augen, war laktose-intolerant und ist mit nur einem geringen Prozentteil der heutigen Tiroler verwandt. Er ist der älteste Fall nachgewiesener Borreliose. Ötzi hat in den letzten Tagen seines Lebens 800 Höhenmeter zurückgelegt und seine letzte Mahlzeit war wenige Stunden vor seinem Tod das Fleisch eines Alpensteinbocks, der wahrscheinlich vor ihm selbst starb. Etwa einen Tag vor der tödlichen Pfeilattacke war Ötzi in einen Nahkampf vermittelt. Man kann vermuten, dass Gegner und Mörder die selbe Person waren. Diese war möglicherweise hinter dem wertvollen Bernstein her, den Ötzi bei sich trug. Ötzi war als er starb in einer wärmenden Ziegenfelljacke und einer Hose aus Schaffell, die durch einen Kalbsledergürtel an ihrem Platz gehalten wurde einhekleidet. Seine Schuhe bestanden aus Birkenrinde, Rinderleder und Bärenfell. Seine Mütze war aus dem Fell eines Braunbären. Neben eines Kupferbeils trug er Pfeil und Bogen mit Klingen aus Feuerstein, sowie einen Feuerstein-Dolch. In seiner Gürteltasche fand man einen Klingenkratzer, einen Bohrer, sowie Zunder und Pyrit, Bestandteile eines damals üblichen Feuerzeugs. Ötzi die Gletschermumie ist ein wertvolles Zeugnis der Bronzezeit und verrät uns viel über die damalige Lebensweise. Wir wissen mehr über den Zustand seines Körpers, als die meisten lebenden Menschen über ihren eigenen wissen.

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13.12.2019 — Welt

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Jede menschliche Emotion hat ein Äquivalent auf der gesellschaftlichen Ebene. Auch Prokrastination, das Aufschieben von Dingen gehört dazu. Prokrastination findet in jedem Menschen statt: so wird beispielsweise Arbeit aufgeschoben, oder genauer meine Chemie-Zusatzübungsaufgaben, Fristen verstreichen (Rückmeldung fürs nächste Semester) oder Zeit mit der Familie wird auf die sowieso überlastete Weihnachtszeit verschoben. Je höher die Ebene ist, auf der prokrastiniert wird, desto erheblicher sind die Konsequenzen. Wenn man sich minimal für Klimawandel, Atomenergie, Überdüngung, Biodiversität oder Antibiotika interessiert, dann hört man regelmäßig Regierungen weltweit sagen, dass diese Probleme auf jeden Fall angegangen werden. Umweltfragen sind von allgemeiner Prokrastination betroffen, weil die Gefahr nicht unmittelbar ist. Statt jetzt zu handeln, werden Fristen bis 2022, 2025, 2030, 2050 gesetzt, bis wohin "etwas" gemacht werden muss. Wenn man Profiteur der umweltschädigenden Industrien ist, kommt noch hinzu, dass man die Probleme relativiert oder sogar komplett leugnet. Und so geschieht es, dass es Politikern widerstrebt, notwendige Mittel als unverhandelbar hinzunehmen. Und die Klausurenphase ist ja auch noch in weiter Ferne. Wenn ich nicht lerne, habe ich auch mehr Freizeit. Ach wie schön, dass ich mich mal mit der Autoindustrie oder so identifizieren kann. Da mache ich lieber meine Chemie-Zusatzübungsaufgaben nicht, als nicht die Welt zu retten. Was für ein Anspruch!

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10.12.2019 — Welt

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Die Büste der Nofretete ist für vielen bekannt und sicher auch für ihren Lidstrich. Die Gesichtskosmetik war schon vor der Zeit der Pharaonen im Niltal in der Negáde-Kultur von 4500 v.Chr. bis 3000 v.Chr. verbreitet, besonders als Teil zeremonieller Performances. Bei den Schminkpaletten handelt es sich Schieferplatten mit herrlichen Reliefs und einer napfförmigen Vertiefung, in der die Schminke angerührt wurde. Die Farbe wurde aus geriebenen Erzen in Tierfett hergestellt und möglicherweise nicht nur auf lebende menschliche Gesichter aufgetragen, sondern auch auf geopferte Tiere oder Reliefs. Am häufigsten wurden damit aber wohl die Tongefäße verziert. Diese Gefäße und die Schminkpaletten fanden sich nur in Gräbern der Elite. Unser Bild von Kulturen muss neu gezeichnet werden, wenn wir uns vor Augen führen, dass es sich bei der Kultur, die solche prächtigen Gegenstände hervorgebracht hat um halbnomadische Stämme handelt, die weder Schrift, noch Staat, noch eine Repräsentation im Gemeinschaftsgedächnis haben. Es gibt und gab viele Kulturen auf der Welt, auf die das zutrifft. Das Niltal hatte sicher große Vorteile in der Entwicklung der Strukturen, aber solche menschlichen Zeugnisse wie großartige Schminkpaletten kann man sicher in allen Kulturen finden.

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25.11.2019 — Ägypten / Indien / Pakistan

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Beile nehmen in der Menschheitsgeschichte eine exponierte Stellung ein. Das Werkzeug hat die Steinzeit erlebt, die Bronzezeit, die Eisenzeit und wird bis heute verwendet, um Holzpflöcke zu spalten. Bis zur Erfindung der Säge und der Motorsäge wurde der meiste Wald mit Beilen gerodet: vor 12.000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond und vor 70 Jahren im Amazonasbecken. Vor 5000 Jahren jedoch entschloss sich eine Siedlungsgemeinschaft bei Canterbury in England dazu, ein bestimmtes Beil nicht zu benutzen. Zu der Zeit blühten die ersten Hochkulturen in Ägypten, Mesopotamien, Indien und Pakistan. Die dort entwickelte Form von politischer Führung, ihre Architektur, ihre Schriftsysteme und die internationalen Handelsnetze sorgten dafür, dass dort neue Fertigkeiten entstanden und neue Materialien genutzt werden konnten. Abseits der Flusstäler lebten die meisten Menschen jedoch weiterhin in Agrargemeinschaften, die weder die Chancen noch Gefahren der Städte kannten. Doch sie konnten Gebrauch machen von der Lebenswelt der ausgeprägten Handelsketten. Es entstand eine Vorliebe für das Teure und das Exotische. Das Beil aus Canterbury ist noch heute in dem geschärften Zustand, in dem es dort angekommen ist, denn man kann es gar nicht als Beil gebrauchen! Das Beil war nie dazu gedacht, genutzt zu werden, es sollte Bewunderung erwecken. Das Beil war aus grüner Jade. Das Jadebeil ist perfekt tränenförmig geschliffen und poliert. Es ist nicht aus dem üblichen Stein der britischen Inseln und Jade kommt dort nicht vor. Archäologen zerbrachen sich jahrlelang den Kopf, wo die Quelle der Jade sein könnte: die einzigen beiden bekannten Möglichkeiten waren Zentralamerika und Ostasien. Erst 2003 fand man nach einer gezielten Suche Jadevorkommen in den italienischen Alpen auf 2600m Höhe, wo eindeutig ein prähistorischer Abbau zu erkennen war. Man fand sogar die Jade-Ader, aus der das Beil hergestellt war. Der Felsblock wurde in kleinen Teilen ins Tal gebracht und dort grob in Form gebracht, damit der Käufer es zu dem Werkzeug seines Wunsches machen konnte. Der Reiseweg unseres Beils führte es nach Nordfrankreich, wo es in die Form gebracht wurde, in der es heute ist. Von dort wurde es weiter nach England verkauft. Das Beil sollte nicht in der Landschaft Spuren hinterlassen, sondern in der Gesellschaft. (Richtig schöner Satz) Heute werden auf der Welt so viele Ressourcen und Materialien verschoben, dass es uns gleich erscheint, ob in den Geräten auf denen ihr das hier ließt und ich das hier schreibe, aus allen Regionen der Welt stammen.

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