Ein Blick nach Belize 2022 🇧🇿 Über das zentralamerikanische Land Belize findet in der deutschen Medienlandschaft, und auch hier im Kanal, sehr wenig Berichterstattung statt. Wenn überhaupt, wird Belize häufig in einer Aneinanderreihung zentralamerikanischer oder karibischer Länder genannt. In diesem Kanal beschränkte sich die Berichterstattung auf die Erwähnung der Parlamentswahlen, sowie auf die Erwähnung der internationalen Beziehungen zu den USA, Großbritannien und Taiwan. Das Land ist in etwa so große wie Mecklenburg-Vorpommern, hat aber mit 420.000 Einwohnern eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte, vergleichbar mit der Finnlands.
1 Belize – ein englischsprachiges Land in Lateinamerika? Das Land Belize gilt als einziges Land, das trotz seiner englischsprachigen Prägung zu Lateinamerika gezählt wird. Lateinamerika umfasst insbesondere spanischsprachig und portugiesischsprachig geprägte Länder, sowie – je nach Auslegung – französischsprachig geprägte Länder Nord- und Südamerikas. Aber der Begriff steht auch für ein grobes Bild von der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Verfassung eines Landes. Belize weist einige „lateinamerikanische Faktoren“ auf, die es eher in das grobe Bild Lateinamerikas, als in das Angloamerikas (USA und Kanada) einordnen lassen.
Der offensichtlichste Faktor ist die geographische Lage von Belize an der Karibikküste Zentralamerikas zwischen Mexiko und Guatemala, die beide eindeutig zu Lateinamerika zählen. Kulturell ist in Belize eine Mehrheit von 50% katholisch, wobei Pfingst- und Freikirchen seit vielen Jahren einen Aufschwung erleben. Ein ähnlicher Trend ist in anderen lateinamerikanischen Ländern zu beobachten. Die Belizier sind Nachkommen von afrikanischen Sklaven, indigenen Maya, von Europäern, sowie von Südasiaten, die während der britischen Kolonialzeit in die Karibik auswanderten. In der Bevölkerung wächst der spanischsprachige Anteil wegen der Zuwanderung zentralamerikanischer Flüchtlinge und Migranten, sodass inzwischen ½ der Bevölkerung spanischsprachig ist. Das und die hohe Geburtenrate führte zu einem Bevölkerungswachstum von 41% seit 2000 auf jetzt 420.000.
Die Wirtschaft des Landes basiert auf Rohstoffexport und Tourismus und ist durch eine hohe Staatsverschuldung von 85% in ihrer politischen Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. 1/3 der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Edelhölzer werden manchmal noch als der wichtigste Exportrohstoff genannt, aber tatsächlich ist es inzwischen Zucker - ein Wandel der sich auch in der belizischen Landschaft wiederspiegelt. Der Tourismus spezialisierte sich seit den 1990ern auf Öko-Tourismus, für die – alles andere als „öko“ - Korallenriffe zerstört wurden. Die umfassende Ausbreitung der Tourismusindustrie geschah zu einer Zeit, als Belize als wichtige Steueroase galt, die Investitionen für die Hotels von heute also nicht ausreichend versteuert wurden. Das ändert sich seit 2015 ein wenig, als Belize ein Steuerinformationsabkommen mit der Schweiz unterzeichnete. Aber seit 2019 befindet sich Belize wieder auf der EU-Liste der Steueroasen. Laut dem Tax Justice Network kam es so 2021 zu 82 Millionen US-Dollar an Steuerverlusten, was 18% der belizischen Steuereinnahmen entspricht.