Nicht vergessen! (Bayern-Reise 11) Auf dem Weg von Nürnberg südwärts nach Ingolstadt verläuft die Grenze zwischen Franken und Bayern und dort verlief auch der Limes zwischen dem Römischen Reich und absoluter Barbarei. Zwinkersmiley. Orthogonal gekreuzt werden diese Grenzen heute von der berüchtigten A9, in deren Geschichte sich ein Blick zu werfen lohnt. Die Geschichte der A9 beginnt vor 3500 Jahren in der Bronzezeit! Damals hieß sie noch nicht A9, überhaupt hatte sie wahrscheinlich keinen Namen, aber das wissen wir nicht. Geprägt wurde die Nord-Süd-Achse damals vom Bernsteinhandel zwischen der Ostsee und der Ägäis und von dort zum Nil, war also eine internationale Fernhandelsroute. Sie verlief in Teilen in den selben Tälern, wie heute die A9, kann also tatsächlich als eine ihrer Vorfahren bezeichnet werden. Wie die A9 heute die Metropolen München und Berlin verbindet, verband die Bernsteinstraße die bronzezeitlichen Metropolen Mykene und Bernstorf im heutigen Landkreis Freising. Das burgähnliche Bernstorf soll auf einem Hügel befestigt 15ha Fläche umfasst haben und 200 Häuser, deren Herrscher und Bewohner durch den Handel mächtig geworden waren. Die Mauern der Stadt waren sechs Meter hoch und 2,5 Kilometer lang, 40.000 Eichen wurden für sie gefällt. Der ungeheure Reichtum Bernstorfs drückt sich auch in einem Goldschatz aus, der nach Analysen aus Ägypten stammen muss. Das erste Kronendiadem Mitteleuropas, mykenische Bernsteingesichter und weitere archäologische Sensationen wurden in den 1990ern und 2000ern dort gefunden. Haupthandelsgut waren in der Bronzezeit allerdings nicht solche Luxusgegenstände, sondern - neben Produkten der Landwirtschaft und der Jagd - Kupfer, Zinn und Bronze. Durch den Handel muss entlang der Handelsstrecken eine politische Elite entstanden sein, die in Bernstorf den Burgbau vorangetrieben hat. Der Handel selbst muss durch Laufboten oder die Händler stattgefunden haben. Das Reisen in der Bronzezeit muss relativ sicher gewesen sein, wenn nicht gerade Krieg war, oder Wetter und Klima, Krankheiten, die Wildnis oder Räuber zuschlugen. Seit der Jungsteinzeit sind Fernhändler wohl nicht mehr ausschließlich an Flüssen entlanggelaufen, sondern überquerten auch Berge, Gebirge, bald die Alpen. Doch die erste Meteopole an der A9 währte nicht lange. 30 oder 40 Jahre nach ihrer Errichtung wurde sie von unbekannten Feinden niedergebrannt. So war es damals - Macht bedeutete nicht Sicherheit.