18.04.2022 — USA / Schweden / Kanada
Meldung
Völkermord gestern und heute (6/12) 1.2.3 Kirchlich-soziale Hilfslieferungen Die Wirkung biafranischer Propaganda wurde von Beginn an kritisch aufgearbeitet, aber sie entfaltete dennoch ihre volle Wirkung. Die Propaganda wirkte besonders bei Humanitären Organisationen. Gegen die Interessen ihrer Regierung begannen die britischen Wohltätigkeitsorganisationen Oxfam und Save the Children im Sommer 1968 die Versorgung Biafras mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern. Auch aus Schweden, den USA, Kanada, dem Vatikan und West-Deutschland kamen Hilfslieferungen. Diese zivilen Hilfslieferungen entstanden maßgeblich in Reaktion auf die bebilderte Presseberichterstattung aus Biafra. Kirchliche Hilfsorganisationen hatten bereits zuvor Hilfslieferungen initiiert und Organisationen, wie die Diakonie oder die Caritas spielten in West-Deutschland eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung von Informationen über und der Sammlung von Spenden für Biafra. Dabei waren zeitgleich widersprüchliche Informationen zu den Biafra-Kindern im Umlauf. Während das Rote Kreuz täglich 1000 verhungernde Kinder zählte, waren es bei der Caritas täglich 10.000. Heute kann nicht sicher gesagt werden, welche Zahl eher stimmt. Das kann auch damit zusammenhängen, dass es im Interesse biafranischer Propaganda war, möglichst hohe Todeszahlen zu verbreiten. Das ist meiner Meinung nach gelungen, da sowohl 1000, als auch 10.000 tägliche Todesopfer eine unerträglich hohe Zahl darstellen. Von 1968 bis 1970 sendete das evangelische Diakonische Werk Medikamente, Lebensmittel, Bekleidung, Zelte und Decken nach Nigeria, und deckte Personal- und Transportkosten. Die dafür eingesetzten Transportflugzeuge wurden vom Auswärtigen Amt finanziert. Sie kamen in 5000 Flügen zum Einsatz. Doch aus West-Deutschland kamen nicht nur solche relativ preiswert zu beschaffenden Hilfsmaßnahmen. Der west-deutsche römisch-katholische Caritas-Verband sendete von 1968 bis 1970 zusätzlich Kraftfahrzeuge, landwirtschaftliche Hilfen, finanzielle Hilfe, Starthilfen für Flüchtlinge und medizinische Personalhilfe. Auch die Involvierung der Caritas ging weit über diese Hilfen hinaus. Sie wurde zum 50. Jahrestag des Endes des Biafra-Krieges vom langjährigen stellvertretenden Leiter der Caritas International Jürgen Lieser aufgearbeitet. So stand der Generalsekretär der Caritas Internationalis und engagierter Aktivist der Biafra-Hilfen Carlo Bayer im Kontakt mit der biafranischen Führung und veranlasste in den Kriegsjahren sogar das Drucken von biafranischem Geld, da es in Biafra weder genug Papier, noch Gelddruckmaschinen gab. Durch dieses Geld, das nur in Biafra zum Einsatz kam, erhoffte sich die Caritas einen einfacheren Zugriff auf den biafranischen Lebensmittelmarkt, um dort Lebensmittel für die Lebensmittelhilfen in den Krisenregionen Biafras zu kaufen. Gleichzeitig verhinderte sie so eine stabilitätsgefährdende Deflation des biafranischen Pfunds. Diese Aktion führte angeblich zu einer Beschwerde des US-Präsidenten Richard Nixon bei Papst Paul VI..