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13.08.2020 — Schweiz / Welt

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 7) Zu Pfingsten 1793 erfanden die wohlhabenden Frühromantiker Wackenroder und Tieck die fränkische Schweiz. Zu der Zeit beritten die beiden in Berlin geborenen aber in Erlangen immatrikulierten Studenten ganz im Zeitgeist der Romantik die Landschaften und versuchten, sich und Gott in ihr zu finden. Ihre poetischen Texte über die kleinen Städte, Landstraßen, Ruinen, die religiös enthusiastischen Katholiken und die Frauen zwischen Bayreuth und Bamberg zirkulierten bald darauf in der Großstadt Berlin, wo sich Reisegruppen in die Fränkische Schweiz bildeten und der Tourismus sich erfand. Bevor Studenten die Landschaft bereisten waren höchstens einmal interessierte Hobby-Speleologen in die schönen Höhlen der Höhen des Muckendorfer Gebirges vorgedrungen. Damals waren die Menschen natürlich zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Fuhrwagen unterwegs, was überhaupt nur bei gutem Wetter funktionierte. In dieser Welt aus Schlamm, Stein und Wildnis erfand übrigens der Metzger Johann Georg Lahner das Wiener Würstchen! Am letzten Tag ihrer Pfingstreise besuchten Wackenroder und Tieck nach einer Bayreuth-Steppvisite die Rosenmüllerhöhle mit ihren riesigen Stalagtiten, Stalagmiten und Stalagmaten, die seit den 1960er Jahren mehrheitlich Tropfsteinräubern zum Opfer gefallen sind. Aus den romantischen Leidenschaftsreisen ist heute eine Aktivurlaub-Industrie geworden, die aus Bootstouren, Kanuverleih, Kletterkursen, Golfplätzen, einer Sommerrodelbahn und Fahrradverleih bestehen. Ausgewiesene Kletterrouten gibt es seit ca. 100 Jahren. Die Tourismusregion kommt trotz des ein oder anderen Staus auf den Landstraßen nicht an ihre Belastungsgrenzen, sondern muss sogar in den harten Konkurrenzkampf mit den anderen Regionen Bayerns und der Welt treten. Die Wirtshäuser, die schon Wackenroder und Tieck für ihre Forellen feierten gelten neben dem Outdoor-Argument als weiterer Grund für die Fränkische Schweiz. Zudem wurden in dieser Region einige traditionelle Prozessionen bewahren, an denen man interessante kulturgeschichtliche Besonderheiten ablesen kann, wie das ausgeprägte Wallfahrtswesen, aus dem noch heute Ehen entstehen.

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07.08.2020 — Europa / Welt / Schweden

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 1) Die Geschichte der Würzburger Universitätsbibliothek im unterfränkischen Teil Bayerns ist von drei geopolitischen Einschnitten geprägt, wie bei einigen vergleichbaren Institutionen in Europa und der Welt. Ihr Zentralbau von 1982 befindet sich auf dem Unicampus hoch über der Stadt. 17 Teilfakultäten haben in der Altstadt ihre eigenen Bibliotheken, in Teilen in den alten Universitätsgebäuden. Ihre erste zentrale Büchersammlung bekam die 1582 gegründete Universität erst 1617. Die Einrichtung bestand zunächst aus 13 Bücherkisten mit 5000 Bänden, 3 langen Tischen, Pulten, Stühle und 2 Leitern. Die ersten Bücher stammten aus dem Nachlass von Gelehrten aus Eichstätt und Augsburg und umfassten Geschichte, Theologie und Kirchenrecht. Es handelte sich allerdings um keine Bibliothek für Studenten, sondern für Professoren, die in den Vorlesungen aus den Büchern vorlasen und kommentierten. Heute müssen die Studenten nicht mehr abschreiben, sondern dürfen sich tagtäglich in die Schlange stellen, um in überfüllten Lesesälen zu lernen, die Ausleihfrequenzen wachsen. 1631 war es in den Sälen leer, als der Dreißigjährige Krieg nach Würzburg kam. Es war leer von Menschen, aber auch von Büchern, die von den Schweden als Kriegsbeute gestohlen wurden. 400 Jahre später finden sich diese Bücher noch in Uppsala, Oxford und Cambridge. Inzwischen ist die UB wieder auf 3,5 Millionen Medien angewachsen - es wird eng. Zehntausende Bücher kamen zu Beginn den 19. Jahrhunderts hinzu, als der Kirchenbesitz in Bayern verstaatlicht wurde. Die Bibliothek bekam damals zum ersten Mal einen staatlichen Sammelauftrag, einen Kulturauftrag, da sie das Erbe einer Jahrtausenden alter Buchkultur wurde. Damals wird das erste Regelwerk für den studentische Entleih vom ersten hauptberuflichen Universitätsbibliothekar Deutschlands Ruhland entworfen. 1945 fielen Brandbomben auf die Residenzstadt und 80% der Bücher ihnen zum Opfer. Sie ist nach dem Krieg die am schlechtesten aufgestellte UB Deutschlands. Das war der zweite tiefe Einschnitt der UB seit der Schwedenplünderung. Der dritte tiefe Einschnitt ist im Kontrast zu den ersten beiden die digitale Verfügbarkeit der Bücherschätze, die im Digitalisierungszentrum entsteht. Abgeschottet vom Tageslicht machen Medientechniker Seite für Seite die Bücher zur öffentlichen Sache. Nach 400 Jahren analoger Medienpolitik wird die UB von der Stadtpolitik hoch gelobt für ihre Initiative, doch zusätzliches Geld fließt dafür nicht. So kommt es, dass die Digitalisierung nur sehr schleppend vorankommt. Neben dieser finanziellen Herausforderung stehen auch noch die Sanierung der Zentralbibliothek, die Pflege der analogen Sammlung und neues geschultes Personal im Raum. Der Etat der UB stagniert seit über 10 Jahren, während die Preise steigen und der Wechsel vom Analogen zum Digitalen eines der teuersten Unterfangen der UB ist. Erstmals kann die Universität nicht auf private Spenden von Bürgern der Stadt zurückgreifen, wie zu den letzten Einschnitten, sondern muss sich für die verkaufen, wodurch sie leider Unabhängigkeit verliert. Die Studenten in den überfüllten Lesesälen würden es der Politik danken, wenn die Digitalisierung des Bestandes ihre Lernsituation entlasten würde.

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02.08.2020 — Welt / Deutschland

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Schöne Illusion Als zu Beginn der Krise die Regierungen der Welt zu Solidarität aufriefen, meinten sie keine Nachbarschaftshilfe. Sie meinten die Solidarität des Bürgers zum Staat als Volkszusammenfassung, auch wenn der Bürger durch die kommende Wirtschaftskrise Geld verliert. Die richtige Antwort auf die kommende (2020? 2021? 2022?) Wirtschaftskrise in Deutschland wäre der Solidarstaat. Bei der letzten Wirtschaftskrise in den 1930ern war die Lösung eine andere. Die Starken Schultern unseres Landes müssen den Lastenausgleich schaffen, sodass nicht die Schwächsten der Gesellschaft am stärksten von der Krise betroffen werden. Dazu braucht es solidarische Schultern und mutige Politiker, die dies fordern. Sollte das nicht geschehen, wird das Vertrauen der Bürger in den Staat zerbröseln und die Existenz der Bundesrepublik steht - durch die Radikalisierung der Mitte - auf dem Spiel... und die Geschichte wiederholt sich.

Better Safe Than Sorry Doch es wäre fadenscheinig, die radikalisierende Reaktion allein mit dem Präventions-Paradox (Unverständnis gegenüber Maßnahmen) erklären zu wollen, die Rolle der Medien gilt es auch zu hinterfragen. Wie schon 2015 verhielten sich die Medien und das Internet (beide hier als Subjekte) wie eine Kopie des Bundes-Presseamts; sie hinterfragten sehr wenig. Weder die Bundesregierung, noch Herr Drosten als populärer Vertreter der Wissenschaft konnten jedoch mit Sicherheit sagen, welche Auswirkungen das Virus haben wird. Das ist zu Beginn der natürliche Zustand der Wissenschaft. Darauf basiert Wissenschaftskritik: Wissenschaft ist unabhängig und liegt im Verlauf der Forschung notgedrungen viel falsch. Die Wissenschaft als einzige Instanz hat die Politik entpolitisiert und das hat dazu geführt, dass keine Debatte entstehen konnte. Es war ein Missverständnis der Politik, der Medien und Bevölkerung, dass Wissenschaft exakte Verhaltensvorgaben geben könnte. Doch durch die unisone Berichterstattung dieser Kurzwahrheiten als Faktum vergrößerte sich der Druck auf die Bundesregierung und sie musste handeln. So sind zweifelhafte Kahlschläge in der Wirtschaft geschehen, radikale Maßnahmen für das soziale Miteinander, Panikschürung und etwa Diabolisierung von jenen Mitmenschen, die sich dem Maskentragen entziehen. Die Polarisierung (in „dem Virus schädlich“ und „das Virus nährend“) schlug deswegen fehl, weil sich die Pole ständig bewegten, gar um 180° und sie sich gegenseitig den Blick aufs Ganze verbauten. Die meisten von uns werden verwundert den Kopf geschüttelt haben, als unser Gegenpol Donald Trump seine Sorge zum Ausdruck brachte, der Kampf gegen den Virus könne mehr Schaden anrichten, als der Virus selbst. Inzwischen wird ersichtlich, dass dies gut der Fall sein könnte. Die Moral, die ich aus dem gestrigen Abschnitt „Aggression“, meinen Beobachtungen des „Widerstands 2020“ und der Medienkritik ziehe ist, dass Polarisierung in „richtig/gut“ und „böse/schlecht“, sowie eine Vereinfachung, Vereindeutigung und Entpolitisierung zu Entscheidungen mit weitreichenden Folgen führen. Diese Folgen scheinen weitergedacht entweder in totalitärer Kulturrevolution, totalitär-autoritärer Staatsordnung oder totalitärer Gleichschaltung der Medien zu münden.

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02.08.2020 — Deutschland / Welt

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Corona spaltet In den letzten Monaten habe ich die Folgen der Corona-Krise in den Monatsrückblicken vernachlässigt, da ich nichts mit ihnen anzufangen wusste. Inzwischen habe ich mir meine Meinung zumindest für Deutschland darauf gebildet, welchen Einfluss die Krise auf einen beträchtlichen Teil der Mitte der Gesellschaft hat. Und mir stellt sich die Frage: Werden wir Zeugen eines autoritären Systemwechsels? Leider ist mir bewusst, dass viele Menschen, die gestern in Berlin demonstrierten in einer anderen Sphäre denken und meine Sorgen als „kranken Blödsinn“ abtun.

„Widerstand 2020“ 2020 wird zu einem historischen Wendejahr heranwachsen. Es gab bei dem ersten Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 bereits ein so genanntes Wendejahr, und das sah sich durch den Brexit, Trump, den ExtremRechtsruck und die Militarisierung der Welt bis heute bestätigt. In diesem Zeitraum, insbesondere seit der Pandemie 2020 kamen neue gesellschaftliche Koalitionen zwischen Rechtsextremen und einer unpolitisierten Mitte zustande: Impfgegner, manche Anthroposophen, esoterische Wahrheitssuchende, gläubige (aber nicht bibeltreue) Christen und Nostalgiker demonstrieren heute gemeinsam mit apokalyptischen Preppern, Wutbürgern, Infokriegern und selbsterklärten Staatsfeinden. Ursprung dieser gemeinsamen Bewegung "Widerstand 2020" ist das Unverständnis darüber, dass Deutschland die Pandemie so gut überstanden habe, eben weil die Vorbeugung erfolgreich war. Stattdessen wird auf die Harmlosigkeit der Pandemie verwiesen und die vorbeugenden Maßnahmen werden unter den Generalverdacht gestellt, sie würden gezielt zu anderen Zwecken betrieben. Rechtsextreme Verschwörungsideologen sehen darin eine drohende Weltdiktatur (unter Bill Gates). Es ist also die radikale Rechte, die, wie 2015, ihr Mobilisierungsthema gefunden hat. Ein Teil der skeptischen Mittel- bis Oberschicht folgt dieser Ideologie, da sie einen alternativen Mainstream darzustellen scheint, radikalisiert sich allerdings wohl dadurch. 2020 liegt der Brennpunkt der Radikalisierung nicht in Ost-Deutschland, sondern im Südwesten, der traditionell anti-autoritär ist. Die von Rechtsextremen, wie Attila Hildmann und antisemitischen Extrem-Polemikern, wie Ken Jebsen angeleiteten anti-Corona-Bewegungen berufen sich auf Artikel 20 des Grundgesetzes, das Recht zum Widerstand - gegen den angeblich totalitären Hygienestaat. Der Widerstand richtet sich gegen Freiheitseinschränkungen, wobei dieser Begriff generalisiert wird, was zu der angesprochenen Radikalisierunng führt, wie ich befürchte. Diese Widerstands-Bewegung wird von Rechtsextremen angeleitet. Sie ist derzeit die lauteste Antwort auf die berechtigten sozialen und medizinischen Fragen, Sorgen und Existenzängste der Menschen während dieser Pandemie.

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01.08.2020 — Mali / Äthiopien / Ägypten

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Im krisengeschüttelten Mali wuchs die Demonstrations-Bewegung des Oppositionellen Imam Dicko an. Den gesamten Monat bis vor wenigen Tagen befürchtete ich eine Radikalisierung der Proteste (10.7), wie es mit den ebenfalls friedlich und mit guten Gründen begonnenen Boko-Haram-Protesten geschehen ist, die in den 2000er-Jahren als soziale Bewegung im Norden Nigerias von einem islamischen Preidger initiiert wurden. Es gibt drei Grundlegende Unterschiede, von denen der dritte der wichtigste ist: 1. Die Proteste in Mali finden in der Hauptstadt statt und nicht in der Peripherie, wo die Hemmnis für Staatsgewalt eher niedriger ist. 2. Als Vermittler zwischen den Demonstranten und der Regierung werden beinahe ausschließlich afrikanische Diplomaten (15.7) herangezogen, weiße Staaten mischen sich kaum ein. 3. Imam Dicko hat sich von seiner radikalen Forderung (20.7) distanziert (30.7), dass Präsident Keita unbedingt zurücktreten muss. Dieser hatte zuvor peinliche Versuche unternommen, seine Macht eigenständig zu bewahren (12.7,13.7). Zu Beginn des Monats erreichten uns traurige Todeszahlen der Proteste in Äthiopien, die nach dem Mord an dem Protestsänger Hachalu Hundessa (1.7) entflammten. Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat, dessen größte ethnische Gruppe, die Oromo, sich benachteiligt fühlen und daher einen eigenen Staat errichten wollen. Insbesondere bei den jungen Oromo kommt das Wirtschaftswachstum nicht an und sie spüren besonders die Privatisierungen (5.7). Die Reaktion des Premiers Abiy Ahmed, der 2019 noch den Friedensnobelpreis verliehen bekam, waren Schießbefehl und Internetsperre (15.7). Zudem wurden fünf Vorstandsmitglieder der Oromo-Partei von der Polizei oder Agenten festgehalten (6.7). Auch außenpolitisch überschreitet Äthiopien mit seinem Grand Ethiopian Renaissance Dam (Grand Ethiopian Renaissance Dam), den er Trotz berechtigter Kritik (22.7) der Anrainerstaaten Ägypten (28.7) und Sudan begonnen hat auszufüllen (16.7), Grenzen. Vermittlungsversuche scheiterten wie immer (21.7). Äthiopien will mit dem Staudamm am Nil eine autonome Energieversorgung sichern. Flussaufwärts liegt der Sudan, der nach der Sezession des christlich dominierten Südsudans überwiegend muslimisch ist und zu der arabischen Welt zählt. Schwarze sind hier in der Minderheit und tragen übersetzt den Namen „Sklave“. Sie leben mehrheitlich im dörren Südwesten des Landes, in der Region Darfur. Hier kam es in letzter Zeit immer wieder zu Massakern an der Zivilbevölkerung (1.10.19,31.1,11.5,27.7), was zu Demonstrationen gegen diese Milizen geführt hat (7.7). Gegen die Proteste, nicht gegen die Milizen wurde der Notstand ausgerufen (14.7). Premierminister Hamdok versucht sein Gesicht zu bewahren, indem er längst überfällige Reformen ankündigte (12.7,25.7).

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24.07.2020 — Guyana / Belgien / Welt

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Nicht vergessen! Die gelb eingezeichneten Gebiete auf dieser Karte stellen es Kolonialambitionen Belgiens in Amerika dar. Belgien ist für europäische Verhältnisse ein vergleichbar junges Land, da es seine Unabhänigkeit von den Niederlanden erst 1830 erhielt und noch ein weiteres Jahrzehnt dafür kämpfen musste. Der erste belgische König Leopold I. hielt das Erwerben von Kolonien in Übersee für einen guten Weg, der Welt zu beweisen, dass Belgien ein Existenzrecht hat. Einige der Gebiete, die er vorhatte zu beanspruchen lagen in der Ägäis, in Indien, China und den Philippinen, doch an keinem Kontinent war er so interessiert, wie am Amerikanisachen Doppelkontinent. Die beschriebenen Territorien sind auf der Karte verzeichnet und die Rosinenpickerei spiegelt die Traumwelt wieder, in der Leopold I. lebte: Pennsylvania, Florida, Texas, Hispaniola, Zentralamerika, Kolumbien, die Guyana s, Patagonien und Buenos Aires. Die Art von Kolonie, die Belgien dann auch wirklich tatkräftig beanspruchte waren keine Siedlungskolonien, sondern fast reine Handels- und Imperiumskolonien. Der erste Anlaufpunkt der Belgier war Texas, das in den 1830er Jahren als unabhängige Nation bestand und gegen seine ehemalige Zentralregierung in Mexiko Stadt noch immer ankämpfte. In diesen angespannten Zeiten suchte Texas nach internationalen Verbündeten und stieß dabei auf Belgien. Die belgische Regierung versprach Texas Kredite und wirtschaftliche Hilfe „im Gegenzug für Land“. Belgien ging von einem Hoheitsgebiet in Texas aus, einem kolonialen Gebiet. Doch Texas meinte Siedlungsland für belgische Immigranten. Erst 1842 wurde die diplomatische Unstimmigkeit beigelegt und Belgien ließ seinen Anspruch fallen. Die einzige erfolgreiche Kolonie hatte Belgien am karaibischen Hafen von Santo Tomás in Guatemala. Diese Stadt wurde von der Belgischen Kolonialbehörde verwaltet, ähnlich wie britsche Kolonialbehörden Indien und Nigeria verwalteten. Doch diese Kolonie war nur von 1843 bis 1854 unter belgischer Kontrolle, da die Belgier reihenweise am Gelbfieber erkrankten. Guatemala war ohnehin davon ausgegangen, dass Santo Tomás noch immer unter guatemaltekischer Hoheit stünde. Auch dieser diplomatische Zwist erübrigte sich. Zuletzt zeigte Belgien Interesse am Kauf Hawaiis, der aber durch den Bankrott seines Kooperationspartners unmöglich wurde. Belgien sollte trotz seiner groß angelegten Ambitionen in Amerika nie Fuß fassen. Stattdessen wandte es sich unter seinem berüchtigtem Nachfolger Leopold II. nach Afrika, namentlich dem Kongo.

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14.07.2020 — Welt / Türkei / Europa

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Nicht vergessen! Hasankeyf ist in diesem Jahr dem Ilısu-Stausee zum Opfer gefallen und somit die jüngste untergegangene Stadt der Welt. Insgesamt mussten 78.000 Menschen aus dem Tigris-Tal im kurdischen Südosten der Türkei umgesiedelt werden. So endete die bewegte Geschichte Hasankeyfs mit der Energiewende hin zur regenerativen Wasserkraft. Begonnen haben soll sie vor 12.000 Jahren, durch Quellen belegt wird sie allerdings erst am dem 1. Jahrhundert n.Chr. Kulturell im nordmesopotamischen Raum gelegen war es umkämpft zwischen Römern und persischen Sassaniden. 638 kamen im Zuge der islamischen Expansion Araber in die Region, die daraufhin zum Ummayaden- und zum Abbasiden-Reich gehörte, deren Zentren Mekka, Bagdad und Damaskus waren. Mit dem Beginn der ersten kurdischen Dynastie der Marwan wurde Hasankeyf selbst-bestimmt kurdisch. Doch erst unter den turkischen Ortoqiden wurde die Ortschaft zum Machtzentrum ausgebaut, etwa mit der Brücke über dem Tigris, die noch in Teilen existierte. 1232 fiel die Stadt an die Ayyubiden. 1260 und 1301 wurde die Stadt von den Mongolen überrannt. Viele Bauwerke stammten aus der Zeit des Wiederaufbaus, wie die große Moschee, die Rizq Moschee und das Zeynel-Bey-Mausoleum. 1515 schließlich unterwarfen die Osmanen die Kurden und Hasankeyf schrumpfte in seiner Macht und Einwohnerzahl. Für Kurden blieb die Stadt ein bedeutungsvoller Ort. Bis in die 1980er Jahre lebten christliche Assyrer und Araber in den Höhlen, für die Hasankeyf berühmt war. Damals eskalierte der Krieg zwischen der Türkei und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei Kurdische Arbeiterpartei, sodass die meisten Nicht-Kurden nach Europa emigrierten. Die meisten Überreste der neun Zivilisationen, wie die Brücke, viele Moscheen, Kirchen und natürlich die Höhlen sind nun untergegangen. Acht historische Monumente wurden in einen archäologischen Park gebracht und wiederaufgebaut. Die Bewohner der Stadt bekamen eine Abfindung für ihren Verlust und konnten in die neu errichtete Stadt Neu-Hasankeyf ziehen, wo eine Wohneinheit doppelt so viel kostete, wie die Abfindung, die sie erhalten hatten. Durch den verminderten Wasserfluss des Tigris ist das Austrocknen der paradiesischen „Mesopotamischen Sümpfe“ im Irak gesichert. Mit dem Ilısu-Staudamm erreicht die Türkei eine gewisse Energie-Souveränität. Um ihrer angestrebte Hegemonialstellung im Mittleren Osten näherzukommen, hat die Türkei nun die Hoheit über die Fließmenge des Euphrat und des Tigris – die Lebensadern Syriens und des Iraks. Die Folgen für die Bewohner der Region sind fatal und der Verdacht liegt nahe, dass die türkische Regierung das Projekt nicht aus Liebe gegenüber den Kurden zu radikal vollzogen hat.

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06.07.2020 — Welt

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Wo um alles in der Welt Ist eine Rätsel-Gruppe, in die Satelliten-Aufnahmen gepostet werden und du erraten kannst, wo sie aufgenommen wurden. Schwierigkeitsgrad "leicht" bis "anspruchsvoll". https://t.me/SatellitenQuiz.

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28.06.2020 — Welt / Griechenland / Irland

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Aus der Welt gefallen 14.

Geschichte der Blutsauger von Emma Paul (2068) Im Folgenden werde ich die Frage erörtern, in welcher Weise der moderne technische Fortschritt in der europäischen Geschichte abzuzeichnen war. Vampire und andere Ungestalten der europäischen Mythologie waren seit ihrer Entstehung Spiegelbild der Ängste, die die jeweiligen Bevölkerungen mit ihren Ideologien umhertrieben. Blutsaugende Dämonen sind seit der griechischen Antike bekannt, wo sich die sogenannten Lamien an den Kehlen von hübschen jungen Männern vergingen. Damals war die Gesellschaft darauf ausgerichtet, dem Schönen und Guten Arbeit zu leisten, da es für etwas "Höheres" gehalten wurden. So wurde auch Sklaverei in der Stadt und auf dem Land legitimiert. Daher war es besonders furchtbar, wenn gerade die von Vampiren ihrer Schönheit und Güte beraubt wurden. Der Mythos verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten auf dem gesamten Balkan und in ganz Westeuropa. Handelte es sich im antiken Griechenland noch um tierähnliche Wesen, mutierte der Vampir mit dem Aufkommen des Christentums mehr und mehr zum untoten Menschen. Im christlichen Mittelalter herrschte die Angst davor, am Tag des Jüngsten Gerichts nicht von Jesus Christus erlöst zu werden. Dies geschah entweder wegen begangener Sünden, oder wegen eines misslungenen Begräbnisses. Selbstmörder etwa wurden nicht in geweihter Erde begraben, sondern verscharrt und galten daher als irrende Seelen, wie auch Ertrunkene und Verschollene. Vampire stellten diejenigen Menschen dar, die von vornherein zu Unrecht in geweihter Erde begraben und daher wieder ausgespuckt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts betrat der Vampir in Irland die Bühne der Weltliteratur mit der Erfindung des Dracula. Bram Stoker schrieb seinen Roman über den rumänischen Dracula, der nach Schottland kommt in einer Zeit, in der die Bevölkerung der britischen Inseln traumatisiert war. Durch die Industrialisierung wurden sie nämlich aus ihren seit Jahrhunderten bestehenden Sozialstrukturen gerissen und in eine fremde Welt gebracht. Diese grundlegende Unsicherheit als Fremdling entwickelte sich zu einer Angst vor dem Fremden. Das geschah in einer Zeit, als Osteuropäer auf die britischen Inseln zum Arbeiten kamen, oder um von dort nach Amerika auszuwandern. Die Figur des rumänischen Dracula ist ein Spiegelbild der britischen Xenophobie. Die Darstellung von Vampiren entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einer homophoben. Vampire wurden als geschminkte Exzentriker, süffisante Säusler und lila-verliebte Anzugswestenträger dargestellt - eine vergleichbare Vorstellung herrschte von Homosexuellen. 1972 trat in der Sesamstraße erstmals Graf Zahl als aristokratischer Vampir auf, der für die Kinder die Angst vor den Zahlen widerspiegelte, und in der Twilight-Serie ab 2009 stand der Vampir für die Angst vor Romantik. Doch bis 2030 dominierte noch immer die Figur des latent homosexuellen Vampirs. Diese gesellschaftlichen Fehltritte haben wir inzwischen hinter uns gelassen. Als in den 2030ern immer größere Teile der Bevölkerung ein, zwei oder sogar bis zu sieben Mikrochips in ihre Körper gepflanzt bekamen, wandelte sich die Angst ein weiteres mal. Seitdem gelten Technologieverweigerer als die neuen mysteriösen Angstherde, die sich aus unerklärlichen Gründen den Vorzügen der Gemütlichkeit verweigern. Kinder heutzutage bekommen die Geschichten von Vampiren erzählt, die sich Nachts an ihren Unterarm klammern um den Chip daraus zu saugen. Auch die Darstellung der Vampire hat sich verändert. Ihnen ist nur der schwarze Umhang erhalten geblieben, erweitert durch Jeans, Brillen und Jacken, wie die Kinder es von den Jugendbildern ihrer Großeltern kennen. Durch diesen persönlichen Bezug wird der ewige Streit der Generationen noch weiter befeuert zwischen den machthabenden Alten, die zu Beginn unseres Jahrhunderts geboren wurden und beispielsweise gegen die Medizinwende sind, und unsere jungen Generationen, die endlich Gebrauch machen wollen von den Vorzügen ihrer selbst erarbeiteten Technologie.

("Aus der Welt gefallen" ist eine Mini-Serie von Kurzgeschich.

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25.06.2020 — Europa / Deutschland / Welt

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Nicht vergessen! Frankfurt am Main ist in mancherlei Hinsicht eine Stadt der Extreme. So stehen von den 15 Wolkenkratzern Deutschlands 14 in Frankfurt, doch auch neben der einzigen Skyline der Bundesrepublik hat die Stadt einiges zu bieten. Wie den meisten bekannt sein dürfte, befinden sich in den Türmen der Stadt Banken, Versicherungen, Handelsgesellschaften und Unternehmensberater. Nach London und Paris ist Frankfurt die größte Finanzmetropole Europas. Schon im Mittelalter gehörte Frankfurt durch seine zentrale Lage am Main, unweit des Rhein zu den urbanen Zentren Mitteleuropas. Im 12. Jahrhundert wird die Frankfurter Messe, auf der Händler Waren verkauften und Geschäftsbeziehungen eingingen, zum ersten Mal erwähnt. Außerdem war Frankfurt ab 1352 jahrhundertelang der Ort, an dem die Deutschen ihre Kaiser wählten und krönten. Davon profitierten auch lokale Wirtshäuser und Hotels, die Frankfurt zu einem Verkehrsknotenpunkt werden ließen (zu dem sich später Bahnhof und Flughafen gesellten). Kaufleute aus ganz Europa internationalisierten den Handel und ließen große Wechselstuben entstehen. Aus der Idee von festgeschriebenen Wechselkursen zu Zeiten der Messe entwickelte sich 1585 die Frankfurter Börse, an der ab 1820 Aktien gehandelt wurden. Im 19. Jahrhundert erlebten die jüdische Bankhäuser Rothschild, Bethmann und Mendelssohn ein enormes Wachstum und Frankfurt wurde zum kulturellen Zentrum für die Juden Westeuropas. Nach dem Krieg profitierte Frankfurt vom sogenannten Wirtschaftswunder in Deutschland. Das hing mit dem Sitz entsprechender Institutionen zusammen, aber auch damit, dass die in der Finanzwirtschaft aktiven Profiteure des Hitler-Regimes kaum strafrechtlich verfolgt wurden und so kein Neuanfang notwendig war, wie in anderen Branchen. Reichtum zieht Reichtum an, und daher ist Frankfurt auch voll von Ärzten, Juristen, Mäzenen und pensionierten Millionären. So entwickelte sich Frankfurt zur Stadt mit den fünftmeisten Vermögensmillionären der Welt hinter Tokio, New York, London und Paris. 217.000 Millionäre leben in Frankfurt! Das ist bei einer Einwohnerzahl von 750.000 jeder dritte Frankfurter.

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