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21.09.2020 — Brasilien / Mexiko / Peru

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Eine noch höhere Summe hat die Deutsche Bank zu verantworten: 1,5 Billionen $ (zum Vergleich: das ist 1/3 des deutschen BIPs) hat sie gewaschen. Der größte Korruptionsskandal Lateinamerikas ist der Odebrecht-Skandal, der seit Dezember 2016 öffentlich ist. Die Odebrecht-Group ist ein Konzern aus Brasilien, der im Ingenieurswesen und der Bauwirtschaft tätig ist. Er hat mehreren lateinamerikanischen Regierungen Geld bezahlt, um im Gegenzug Bauaufträge zu erhalten. 788 Millionen $ Bestechungsgelder sind dabei geflossen, und Odebrecht hat 3 Milliarden $ verdient. In 12 Ländern (u.a. Mexiko, Brasilien, Peru, Argentinien, Venezuela) sind in Folge dessen Regierungen zurückgetreten und ehemalige Minister und Staatschefs verfolgt worden. Die Deutsche Bank hat gut 337 Millionen $ der Odebrecht-Group gewaschen, die Standard Chartered Bank weitere 187 Millionen $. Im Jahr 2015 stimmte Deutschlands größte Bank einer Geldstrafe von 258 Millionen US-Dollar für die Verletzung von US-Sanktionen zu – weil sie zwischen 1999 und 2006 im Namen iranischer, libyscher, syrischer, burmesischer und sudanesischer Kunden insgesamt fast elf Milliarden Dollar transferiert hatte. Doch auch nach 2015 hat die Deutsche Bank verdächtiges Geld gewaschen, das von durch Sanktionen illegalem Goldhandel des Irans stammt. Und auch von illegalen Öl- und Gasgeschäften in Turkmenistan profitierte die Deutsche Bank durch Geldwäsche.

Die Standard Chartered Bank aus London hatte seit 2002 einer jordanischen Arab Bank geholfen, 250 Milliarden $ zu waschen, das iranischen Terroristen aus Korruption, Waffen- und Drogenhandel illegal erwirtschaftet hatten, wodurch sich die Sicherheitslage im gesamten Nahen Osten verschlechterte. Dieser Betrug wurde 2012 aufgedeckt und mit hohen Strafen geahndet, doch auch danach gingen verdächtige Geschäfte mit der Arab Bank weiter, sodass die Standard Chartered Bank unterm Strich wohl keine Verluste gemacht haben dürfte. Durch die Geschäfte seit 2012 finanzierte die Standard Chartered Terrorismus im Nahen Osten weiter.

Die HSBC aus London hat 881 Millionen $ für amerikanische Drogenkartelle gewaschen. Doch auch nachdem das 2012 der Öffentlichkeit bekannt wurde, hat sie weiterhin Geld aus Russland gewaschen und hat sich in vielen Ländern an mehreren Schneeballbetrugssystemen beteiligt. Darüber hinaus wäscht sie Geld aus dem Sudan, Iran, Libyen und Myanmar. Welch riesige Ausmaße Steuerhinterziehungen haben, wird deutlich, da 20% der geleakten SARs Adressen enthalten, die in Steuerparadiesen zu finden sind, wie den Britischen Jungferninseln.

Meinung dazu: Ohne die Banken würde es nicht eine Geldwäsche in solch großem Stil geben und die Kriminellen wären nicht so mächtig. Sie profitieren von ihr und tragen maßgeblich dazu bei, dass sie stattfindet. Durch die Rolle der Banken werden kriminelle Gangs gestärkt, die Wirtschaftseliten der betroffenen Länder darin gestärkt, ihre Bevölkerung auszubeuten und die Staaten weltweit werden dadurch geschwächt und müssen sich dem übermächtigen Finanzkapital unterordnen. Das alles war uns vage bekannt – jetzt haben wir es konkreter!

tl;dr: Die FinCEN-Files sind geleakte Dokumente, die zeigen, wie die größten Banken der Welt wohl von den kriminellen Machenschaften profitieren, die 170 Länder der Welt betreffen und einige davon in den Ruin getrieben haben. Die Deutsche Bank alleine hat wohl 1.500.000.000.000$ aus illegalen Geschäften gewaschen.

4 Quellen

21.09.2020 — Südostasien / Lateinamerika / Malaysia

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Die FinCEN-Files (Kurzfassung unten) Gestern um 19h00 haben viele Zeitungen und Fernsehsender weltweit Berichte über die sogenannten FinCEN-Files gebracht. Bei diesen aus dem US-Finanzministerium illegal geleakten Daten handelt es sich um 2100 sogenannte SARs. Die SARs sind „Suspicious Activity Reports“, also Berichte von Banken selbst, in denen sie verdächtige Transaktionen melden. Bei diesen verdächtigen Transaktionen handelt es sich um Geldwäsche. Geld muss gewaschen werden, wenn es von kriminellen Organisationen, wie Oligarchen-Netzwerken und Terrorgruppen auf illegale Weise, etwa durch Drogen-, Waffen-, Menschenhandel, Korruption, Steuerhinterziehung oder Raub erwirtschaftet wurde. Da sie das Geld nicht auf legalem Wege bekommen haben, müssen sie es rein waschen, indem sie es z.B. als Bargeld in Wertgegenstände anlegen, oder eben komplexe Finanzsysteme dazu ausnutzen. Es sind dann die Banken, die das Geld waschen. Die Banken verdienen daran, weil sich für die Transaktionen Gebühren verlangen und die SARs erst nach den Transaktionen den Finanzbehörden weiterreichen. Allein 2019 gingen dem US-Finanzministerium auf diesem Weg zwei Millionen Verdachtsmeldungen ein. Die geleakten Dokumente machen 0,02% der SARs aus, die beim US-Finanzministerium eingegangen sind. Die zuständigen Behörden gehen den SARs in den seltensten der Fälle nach, da sie chronisch unterfinanziert wurden und möglicherweise selbst in die Geldwäschegeschäfte involviert sein könnten. Allein die fünf größten Banken JPMorgan Chase, HSBC, Deutsche Bank, Standard Chartered Bank und die Bank of New York Mellon haben so von 1999 bis 2017 Geld im Wert von zwei Billionen Dollar aus 170 Ländern gewaschen – Geld, an dem Blut klebt. Jährlich werden 2,4 Billionen $ gewaschen, die geleakten Daten geben also nur einen kleinen Einblick mit verheerenden Folgen.

Einige der Daten erklären die Hintergründe von Skandalen, über die in den letzten Jahren in den Nachrichten berichtet wurde. Die größten Korruptionsskandale aller Zeiten in Südostasien, Lateinamerika und Südwestafrika gehören dazu. JPMorgan wusch beispielsweise Geld, das aus dem Entwicklungsfond von Malaysia veruntreut wurde. Der 1MDB wurde ab 2009 mit 6 Milliarden $ gespeist, das wiederum das Bankhaus Goldman Sachs beschafft und dafür 600 Millionen $ Gebühren kassiert hatte. Von den 6 Milliarden $ wurden 4,5 Milliarden vom damaligen malaysischen Premierminister Najib veruntreut, von denen wiederum eine gewaltige Menge an die Strippenzieher des Deals geflossen sind. Die Strippenzieher sind Familienangehörige Najibs, Mitarbeiter von Goldman Sachs, sowie der Finanzhai Jho Low, der seit November 2019 Bürger des EU-Mitglieds Zypern ist (siehe „Cyprus-Papers“). Wie aus den FinCEN-Files ersichtlich wird, hat JPMorgan 1 Milliarde $ des veruntreuten Geldes für diese Kriminellen gewaschen. Und nicht nur in Malaysia, sondern auch in Venezuela und der Ukraine hat JPMorgen illegal entwendetes Geld aus öffentlichen Fonds gewaschen. In Venezuela handelt es sich um Beihilfe JPMorgans zum Diebstahl von 2 Millionen $ von der Regierung, sowie zum Auslösen von landesweiten Stromausfällen, die die venezolanische Regierung diskreditierten. Dadurch und durch weitere Geldwäschegeschäfte mit der Regierung trägt JPMorgan an einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt in Venezuela eine Mitschuld. In Russland beherrscht die Mafia den großen Markt für Waffen, Drogen, Erpressung und Auftragsmorde. Mehr als 1 Milliarde $ hat JPMorgan für den russischen „Boss der Mafiabosse“ Semion Mogilevich gewaschen. Auch im Falle der reichsten Frau Afrikas, Isabel Dos Santos aus Angola (siehe „Luanda-Leaks“), die mit dem Geld, das ihr Vater in 30jähriger Diktatur dem Land entzogen hatte, weiter Korruption betrieben hatte, hat JPMorgan viel Geld gewaschen. JPMorgan hat laut den FinCEN-Files wohl 514 Milliarden $ gewaschen.

7 Quellen

14.09.2020 — USA / Welt

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Nicht nur national löst diese Geldschöpfungspolitik Krisen aus, sondern auch international. Die Finanzkrise 2008 geschah, weil das viertgrößte Investment-Bankhaus der Welt „Lehman Brothers“ bankrott ging. Es war das Opfer der Immobilienblase 2007, als die Preise für Immobilien in den USA durch Spekulation immer mehr zunahmen, bis schließlich so hohe Summen erreicht wurden, dass der reale Wert der Immobilien um ein vielfaches überboten und daher zu teuer wurde. Der Blase vorangegangen war ein enormer Anstieg von Krediten weltweit, vor allem aber in den USA. Etliche Milliarden gingen an Geringverdiener, die sich damit ein Haus kauften. Ein Großteil der neu geschaffenen Gelder floss auch in spekulative Immobilien. Viele Investoren, die damals zu spät verkauft haben, verloren viel Geld. Darunter besagte Bank „Lehman Brothers“. Ihre Investitionen waren kreditfinanziert, also zu Lasten der Anleger. Als die Blase geplatzt war, hatte die Bank kaum noch Eigenkapital und ging pleite. Alle Anleger verloren ihr Geld. Da sich die Bank mit geliehenem Geld verzockt hatte, verendete nicht nur sie, sondern auch jene, die ihnen ihr Geld geliehen hatten, darunter sehr viele Kleinanleger. Der Schock traf die Finanzmärkte so hart, dass die Aktienkurse einbrachen. Hätte die Bank einen Gegenwert zu ihrem angelegten Geld gehabt, wäre das nicht so ausgeprägt passiert. Auf die Finanzkrise 2008 folgte die Eurokrise 2009, zahlreiche Bankenkrisen, Staatsschuldenkrisen und Hungerkrisen – und auch die Corona-Krise von 2020 wird von ihr maßgeblich verstärkt. Auch jetzt wieder steigen Immobilienpreise weiter, obwohl die realwirtschaftliche Nachfrage sinkt. Geschäftsbanken profitieren von ihrer eigenen Geldschöpfung. In komplizierten Systemen aus Unterbanken und Bank-Unternehmen verleihen sie sich selbst Kredite und da sie das Geld dafür einfach erschaffen dürfen, bekommen sie selbst ihr eigenes Geld und wachsen dadurch ohne realwirtschaftliche Grundlage. So kam es zu der extrem hohen Verschuldung weltweit. Doch das Finanzsystem der meisten Länder, mit Ausnahme derer, wo es schief ging, wie in, ist der Politik und den Bürgern unbekannt. Da das Finanzsystem so kompliziert ist, werden Verbrechen nicht aufgedeckt, die einer hohen Strafe würdig wären.

tl;dr: Unser liebes Geld 85% des Geldes wird von Geschäftsbanken aus dem Nichts geschaffen und haben keinen Gegenwert. Die Geschäftsbanken produzieren dadurch Krisen, wie die Finanzkrise 2008, die einen Auftakt zum heutigen Zeitalter der Krisen darstellt.

Wenn ihr Geld habt und es anlegen wollt… bin ich bereit es zu nehmen. Jeden Tag stecke ich viel Arbeit in diese Texte und Nachrichtenzusammenfassungen und inzwischen finde ich nach langer Überlegung, kann diese entlohnt werden. Falls ihr das auch so seht, könnt ihr mich (@Nahuek) anschreiben. Dann schreibe ich euch meine Bank-Info (ich hebe das Geld auch sicher ab und investiere es in reale Bedürfnisbefriedigung) oder meine Adresse (Geld per Post ist fast gebührenfrei) - alles freiwillig.

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04.09.2020 — Welt / Österreich / Ungarn

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 21) Nicht umsonst ist die Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft DDSG Vielen ein Begriff. 1829 gegründet war sie im 19. Jahrhundert die größte Binnenschifffahrtsgesellschaft der Welt und erstreckte sich von Budapest über Wien bis Regensburg. In den 1820ern kam das Projekt erstmals im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn (Deutsche, Ungarn, Italiener, Tschechen, Polen, Kroaten, Ukrainer, Rumänen, Serben, Slowaken und Slowenen) unter Kaiser Franz I. und Kanzler Metternich auf dem Plan. Wien wuchs damals unermesslich durch den Zuzug der Landbevölkerung aus dem gesamten Reich. Insbesondere im böhmischen Teil ging die Industrialisierung besonders schnell voran. Die vielen in Armut lebenden Arbeiter mussten möglichst billig mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Da es keine kostengünstigere Lösung gab, wurde die DDSG als Aktiengesellschaft gegründet. Damals waren in Nordamerika bereits 50 Dampfschiffe unterwegs und auch Rhein und Elbe wurden erstmals befahren. Die Donau war besonders herausfordernd, da sie nicht "gezähmt" war, viele gefährliche Stromschnellen barg und einen hohen und schnellen Pegelwechsel hatte. Durch britische Ingenieure wurden diese Herausforderungen gemeistert. Die DDSG hatte nicht nur finanzielle Vorteile zur Folge, sondern auch ein Näheraneinanderwachsen zwischen Österreich und Ungarn, dessen beide Hauptstädte (14h Fahrt stromabwärts, 48h stromaufwärts) miteinander verbunden wurden. Die Expansion erfolgte auch wegen geopolitischer Interessen Österreichs am Schwarzen Meer, wo Russland und das Osmanische Reich miteinander konkurrierten. 1840 erstreckt sich das Liniennetz der 5 Seedampfer im Schwarzen Meer und Mittelmeer von Rumänien über Konstantinopel (Istanbul) bis Smyrna (Izmir) und von Triest an der Adria aus bis nach Alexandria und Beirut. Doch eine kleine Wirtschaftskrise und Misswirtschaft ließ 1845 das Wiener Bankhaus Geymüller Bankrott gehen, das die DDSG finanziert hatte. Die DDSG wurde verstaatlicht und kurz darauf an den "Österreichischen Leut" verkauft, die schärfste Konkurrent der DDSG. Fortan konzentrierte sie sich wieder auf die Dampfschifffahrt ausschließlich auf der Donau. Damit einher kam auch exklusiverer Passagierverkehr: die Erste Klasse. 1880 werden auf 5500km zwei Millionen Passagiere befördert. Die 200 Dampfschiffe und 1000 Güterkähne haben solch einen Energiehunger, dass ein firmeneigenes Kohlerevier ausgebeutet wird. Die Arbeiter der Firma genossen einige Vorteile: Wohungen, zugängliche Krankenhäuser, eine Pension, unkündbare Arbeitsverhältnisse, Krankengeld und Leistungsprämie. 1914 bis 1918 agierten die Schiffe als Kriegstransporter und Lazarettschiffe im Donauraum, der zum Kriegsschauplatz wurde. Die Flotte der DDSG wurde 1918 auf die Nachfolgestaaten verteilt, darunter Österreich und Ungarn, wo staatliche Hilfen ihr Überleben sichern. 1938 übernimmt nach dem Anschluss Göring die DDSG und lässt sie in den Kriegsjahren zerbombt werden. 1945 sind 80% der Schiffe, Werften, Stationen, Bergwerke und Infrastruktur entschädigungslos zerstört. Als Österreich 1955 seine volle Souveränität zurückbekommt, wird die gesamte DDSG verstaatlicht, um sie konkurrenzfähig zu halten. 1991 wird die Firma wieder verkauft und aufgeteilt in eine Cargo- und eine Tagesfahrten-Gesellschaft rund um Wien.

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02.09.2020 — USA / Russland / Welt

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Die Zwickmühle Lukaschenkos wirkt unlösbar: Aus Furcht vor einer Annexion durch Russland förderte er den Nationalismus, der nun seine Absetzung fordert. Im Zuge dessen überschätzte er sich und verzichtete auf russische Öl-Subventionen, durch die die Staatseinnahmen einbrachen. Zwei Wochen lang im August hoffte Lukaschenko hilflos auf ein Ende der Proteste, erhöhte aus Furcht vor NATO-Intervention die Truppenpräsenz an den Grenzen und wollte Gewalt einsetzen. So ganz ohne Bündnispartner in der Welt fürchtete Lukaschenko vielleicht, ein neues Nordkorea oder Libyen zu werden und tat das, was seine Präsidentschaft vielleicht retten wird: Er wandte sich an seinen „Großen Bruder“ mit der Bitte um Sicherheitspolitische Unterstützung, mit der sich Belarus wohl wieder in eine Abhängigkeit zu Russland begeben wird (27.8). Falls Russland durch seinen Einfluss Lukaschenko im Amt halten kann, oder statt seiner einen russland-freundlicheren Machthaber einsetzt, gehören Russland und China zu den Gewinnern. Sollte dies nicht glücken und der Nationalismus siegt, profitieren davon die NATO, die EU, sowie namentlich Polen und die USA. (Der Name „Belarus“, der in vielen Medien gerade „Weißrussland“ ersetzt hat ist auch ein Kampfbegriff der Nationalisten, die nicht mit Russland verwechselt werden wollen. Nachdem mir vorgeworfen wurde, ich würde das weißrussische Volk und die Demokratiebewegung in ihr beleidigen, wenn ich sie weiterhin so und nicht belarussisch nenne, übernahm auch ich „Belarus“.)

Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland schwelt seit 100 Jahren, als das Osmanische Reich, der Vorgängerstaat der Türkei, sich erfolgreich gegen eine Eroberung der gesamten Ägäis und Istanbuls durch Griechenland wehrte. Seit Jahrtausenden besteht ein reger Austausch zwischen dem griechischen Festland, den Inseln der Ägäis und Anatolien. Der Großraum Ägäis war ethnisch bunt durchmischt von Griechen, Türken, Armeniern, Italienern, Ägyptern, usw. 1923 jedoch wurde dieser Kulturraum mit einem erzwungenen Bevölkerungsaustausch zerschlagen: 1,2 Millionen Griechen mussten die Türkei verlassen und 400.000 Muslime aus Griechenland ausreisen. Damit wurden Griechenland und die Türkei neben politischen Rivalen auch zu religiösen und gar ethnischen. Mit dem Zypern-Konflikt und der Besetzung Nordzyperns durch die Türkei 1973 begannen Streitigkeiten um die Gebiete vor der zypriotischen Küste, wo in den 2010er Jahren mehrere Erdgasfelder gefunden wurden. Die türkische Außenpolitik scheint seit dem missglückten Putsch-Versuch 2017 neo-osmanisch ausgerichtet zu sein. Neo-Osmanismus ist eine aggressive Politik der Einmischung in der gesamten Region um die Türkei herum, in der arabischen Welt, sowie in Nordafrika. Der Ausbau der Türkei von einer wichtigen Regionalmacht zur Weltmacht begeht Erdogan u.a. mit Energie-Souveränität durch Wasserkraft und eben Ausbeutung landeseigener Gasfelder (auch im Schwarzen Meer: 21.8). Nun will die Türkei Gasfelder vor der türkisch-zypriotischen Küste und den griechischen Inseln anzapfen. Griechenland hingegen, das mit seiner neuen Regierung sehr EU-freundlich geworden ist, vertritt die außenpolitischen Interessen der EU. Das beinhaltet neben Grenzschutz vor Flüchtenden auch Energiepolitik, sowie eine anti-türkische Haltung insbesondere durch Frankreich (13.8). Kriegsrhetorik und Kriegsschacherei geht derzeit von beiden Seiten aus. Da Griechenland die Inseln Ro und Kastelorizo militarisiert, was gegen ein Abkommen von 1932 verstößt, droht ihr Türkei mit einem kriegerischen Konflikt. Laut diesem Abkommen war nur der Hafen von Kastelorizo italienisch (dann deutsch, dann britisch, dann erst griechisch) und nicht die Landschaft um ihn herum. Auf diesen Vertrag bezieht sich die Türkei, wenn sie die erdgasreichen Gewässer um die Insel für sich beansprucht.

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02.09.2020 — USA / Belarus / Russland

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In Belarus ist es passiert: Über Präsident Lukaschenko ist die Falle des Nationalismus zugeschnappt. Der Nationalismus, den er vor wenigen Monaten noch gefördert hatte säumte im August die Straßen, um gegen ihn zu protestieren (10.8,16.8,23.8). Getriggert wurden die Proteste durch die gefälschte Präsidentschaftswahl, Lukaschenkos autoritären Führungsstil und die misslingende Corona-Politik, doch es gibt einen sehr wichtigen Hintergrund. Belarus wird historisch als eine Fortsetzung von Russlands Interessen gen Westen angesehen und hat dementsprechend enge Beziehungen zu seinem „Großen Bruder“ in Militär-, Wirtschafts- und Identitätspolitik. 1. Die belarussische Wirtschaft basiert auf Energiewirtschaft und ist zutiefst von Russland abhängig. Russland exportiert Rohöl zu einem festgelegten Preis, der Belarus zugute kommt, und das trägt dann in den beiden Erdölraffinerien maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität des Landes bei. Seit Dezember 2019 exportierte Russland wegen eines Preisstreits kein Öl mehr nach Belarus, das Öl aus Norwegen und Aserbaidschan kaufen musste. Auch die USA sind seit Februar in den Energiemarkt eingetreten. Jenseits der Energiewirtschaft waren viele Wirtschaftszweige von russischen Subventionen abhängig. Wegen US-Sanktionen fielen diese Subventionen 2019 weg und an die Stelle Russlands trat China, das seinerseits nun die belarussische Wirtschaft mittels Subventionen von sich abhängig macht. Diese Öffnung des belarussischen Marktes für die Welt entspricht der Politik Lukaschenkos, um sich unabhängiger von Russland zu machen. 2. Seit dem Warschauer Vertrag 1955 sind russische Truppen in Belarus stationiert. Mit der NATO-Osterweiterung 1999 trat auch das Nachbarland Polen der NATO bei, das seit dem geplanten Abzug der US-Truppen aus Deutschland nach Polen und der geplanten Errichtung einer US-Militärbasis in Polen („Fort Trump“) eine militärische Bedrohung für Belarus darstellt. Historisch gehört die westliche Hälfte Belarus‘ zu Polen. Als Russland 2008 in Georgien intervenierte und 2014 die Krim mit der Begründung annektierte, die dort ansässigen ethnischen Russen wollten zu Russland gehören, befürchtete Lukaschenko zurecht russische Militäraktionen in Belarus, wo 8,3% der Bevölkerung ethnische Russen sind. Als Antwort darauf, ließ er keine weiteren russischen Truppenstationierungen zu. Wegen der Vorgeschichte war Lukaschenkos Reaktion auf die Anwesenheit russischer Söldner (07/20) in Belarus und NATO-Truppenbewegungen (18.8) so panisch. 3. Seit der Unabhängigkeit Belarus‘ von der Sowjetunion 1991 gibt es einen Nationalismus. Mit Amtsantritt Lukaschenkos zum Präsidenten 1994 begann eine Ära der „Russifizierung“. Die gesamte National-Identität des Landes war auf Russland ausgerichtet, belarussische Symbole wurden verboten und die Sprache nicht in den Schulen gelehrt. Der belarussische Nationalismus definierte sich in Opposition dazu als anti-russisch und anti-Lukaschenko. Unterstützt wird der Nationalismus von polnischen Zeitungen und NGOs. Nach dem Schock der Krim-Annexion 2014 erkannte Lukaschenko die Notwendigkeit, eine eigene, belarussische Identität zu bilden. In diesem Kontext ist die Öffnung der Wirtschaft zu verstehen und auch die Aufhebung der Verbote nationalistischer Symbole und die Förderung der belarussischen Sprache. Der Nationalismus profitierte davon. Jedoch nicht, wie Lukaschenko es sich vorgestellt hatte. Denn der nationalistische anti-Russismus ist aus historischen Gründen untrennbar mit anti-Lukaschenkismus verbunden.

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31.08.2020 — Welt

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 19) 4,5 Millionen Deutsche sahen 2009 den Film "Illuminati" im Kino. Der mächtige Orden, der die Fäden der Welt angeblich in den Händen halten soll ist auch in jüngster Zeit oft in Memes (Internet-Bildwitzkunst) und im Jugendsprachgebrauch aufgetaucht... Illuminati confirmed! Bei den Illuminaten handelt es sich jedoch zu aller erst um eine bayerische Sache. In Ingolstadt wurde der Orden am 01. Mai 1776 von Adam Weishaupt als ein Studentengeheimbund gegründet. Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter der Aufklärung hatten Geheimbünde Hochkonjunktur, wie etwa die Freimaurer mit ihren exklusiven Zeremonien. Die ingolstädter Universität war kein guter Schauplatz für aufgeklärtes Denken und für neue Gesellschaftsmodelle. Denn sie war in fester Hand des Ordens der seit Luther gegenreformatorischen Jesuiten. Das Lehrangebot war konservativ und beinhaltete weder Chemie, noch Botanik, wodurch immer weniger Studenten in die Donau-Stadt kamen und die Uni an Bedeutung verlor. Der Orden der Jesuiten war wegen verschwörerischer Tendenzen höchst umstritten und musste 1773 vom Papst Clemens XIV. verboten werden. In Ingolstadt änderte das gar nichts, das Personal blieb. Somit blieb Ingolstadt jesuitisch geprägt und der aufgeklärte Weishaupt Einzelgänger. In diesem Kontext wurde der Geheimorden der Illuminaten gegründet, um als Plattform für 5 (fünf!) aufgeklärte gleichgesinnte Studierte zu dienen. Der rationale Akademikerstammtisch wuchs zunächst nicht und übte ohne große Aufmerksamkeit seine geheimen Rituale aus. Das ist natürlich problematisch, weil der Zweck jeder Geheimgesellschaft ist, dass alle anderen wissen müssen, dass sie existieren - sonst wären sie uninteressant. Ein Grund für den anfänglichen Misserfolg der Illuminaten war der egozentrische Weishaupt selber. Grobe Kritik an seinen Mitbrüdern und eine diktatorische Selbstgefälligkeit schreckte viele Mitglieder ab. Doch der Orden war revolutionär und fand nach etwa vier Jahren ein immer größeres Publikum durch den Eintritt des berühmten Aufklärers Freiherr von Knigge. Besonders eine Idee punktete bei den jungen Studenten, die unser Bild des Ordens maßgeblich beeinflusst: die Herrschaft der fähigen Weisen über die Bevölkerung. Die Idee der Aristokratie ist bei weitem nicht neu und findet sich bereits bei Aristoteles als seine "beste" Staatsform. Ebenso wie Aristoteles lehnt Weishaupt Monarchie und Demokratie ab. Das sind jedoch ausdrücklich keine Herrschaftsfantasien, sondern theoretische Auseinandersetzungen mit den realen Umbrüchen ihrer Zeit. Diese Herrschaftsfantasien wird den Illuminaten heute unterstellt. Es gelang damals auch nicht, ein wirkliches Netzwerk aus Freidenkern zu errichten, da zu viele Adelige aus reiner Neugierde beitraten. 1784 war der Orden sehr schwach in Bayern und Thüringen vertreten. Damals griff der bayerische Kurfürst Karl Theodor durch und verbot die Illuminaten. Dadurch entstand der Mythos, der viel größer wurde, als die Illuminaten selbst es je gewesen waren. Angst vor Unterwanderung durch Geheimgesellschaften war ein zentrales Thema des späten 18. Jahrhunderts, insbesondere nach der französischen Revolution. Bis heute arbeiten Verschwörungstheoretiker mit diesem Thema. Es kann für diese Menschen eine Diagnose gestellt werden: fehlendes Geschichtsbewusstsein. Dass an vielen wichtigen Stellen der Aufklärung die selbe Symbolik vorkommt liegt am Trend der Zeit. Es liegt daran, dass diese Dinge gleichzeitig stattfanden und daher ähnlich sind. Es liegt nicht daran, dass ein langer Faden gesponnen wurde.

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15.08.2020 — Welt

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Nicht vergessen! (Bayern-Reise 9) Nürnberg war einmal eine der bedeutendsten Reichsstädte Deutschlands mit einer reichen, wechselvollen Geschichte mit einer Blüte um 1500. Handel und Handwerk machten die fränkische Stadt groß, im Dritten Reich wurde ihr noch mehr Bedeutung zuteil, was die kulturelle Identitätsfindung der Stadt nach Kriegsende nur noch erschwerte. Die Bedeutung Nürnbergs in der Renaissance wird trotz aller Brüche bis heute weitergetragen und macht einen prägenden Teil der Lebensqualität in der Innenstadt aus. Der Missbrauch durch die Nazis macht hingegen das Stigma aus, mit der Fremde die Stadt heute sehen. Die Bewältigung der jüngeren Vergangenheit ist in allen Nachkriegsjahren eine der wichtigsten Aufgaben des Kulturreferenten, so wichtig, dass eine eigene Politik begründet wurde, die Soziokultur-Politik. Sie bestand aus Transparenz, Durchleuchtung der Geschichte und die Umkehrung dunkler Vorzeichen in positive Fortschreibung. Denn die Aufarbeitung des Nazismus schien mit Ende der Nürnberger Prozesse 1946 für viele als abgeschlossen. Öffentlich geführte Diskurse trugen in den 1960er und 1970er dazu bei, dass die Nürnberger Bevölkerung, teils selbst von der Last des berechtigten Sitgmas gelähmt, ihr kommunales Gewissen in eine aus der Lehre aus dem Nazismus entstandenen zukunftsorientierten Richtung zu steuern. Soziologen, Psychologen, der Historiker Fritz Stern und auch der berühmte frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer wurden zu diesen Nürnberger Gesprächen eingeladen. Diese Symposien wurden fortgeführt und stehen für die Gesprächskultur der Stadt. Heute nennt sich Nürnberg in Opposition zu den Verbrechen des Dritten Reichs Stadt der Menschenrechte" und vergibt zweijährlich einen Menschenrechtspreis. Neben der Vergangenheit ist ihre Bevölkerung ein wichtiger Teil der Identitätsfindung einer Stadt. Nürnberg besteht nicht aus Bildungsbürgern, Studenten, Anwälten und Professorenen, sondern aus bodenständigeren arbeitenden Bürgern, ähnlich wie heute im Ruhrgebiet. Dementsprechend ist die Kulturlandschaft nicht von Experimenten und Avantgarde geprägt. Dass dabei Modernität tendenziell unter den Tisch fällt kann problematisch in der Identitätsfindung der Regionalmetropole werden. Auch von Internationalität kann in der Kunstszene kaum die Rede sein, Fremdes bleibt fremd, selbst im zeitgenössischen Bereich, wobei die Museumsszene und die Universität dagegen wirkt. Initiativen, wie die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 würden der Stadt wohl die Türen zur Welt weiter öffnen.

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