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Baumwolle

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Nachrichten zu Baumwolle

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30.01.2022 — Sahel / Elfenbeinküste / Mali

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3.6 "Tribalismus" Tribalismus, also die zentrale Identifizierung einer Person mit dem eigenen „Stamm“ ist in den meisten afrikanischen Staaten heute nicht mehr von großer Bedeutung. Vielerorts spielt er eine untergeordnete Rolle in kulturellen, familiären, religiösen und professionellen Kontexten. Politisch und systematisch ist er sehr oft nicht mehr zu erkennen, aber in aktuellen Konflikten wird er häufig als Ursache benannt. Tribalistische Gewalt findet nicht nur in ländlichen Regionen statt, sondern auch in den Städten und Großstädten. „Tribalismus“ gehört eigentlich in Anführungszeichen, denn meiner Meinung nach hat dieses Wort derart koloniale und eurozentristische Wurzeln, dass er ersetzt werden sollte. „Tribalismus“ bezeichnet nämlich nichts anderes als Nationalismus. Gemeint sind hierbei nicht die heutigen Nationalstaaten Afrikas, sondern die indigenen Nationen, die vor der Ankunft der Europäer bestanden. Diese Europäer nannten diese Nationen „Stämme“, „tribus“ oder „tribes“, weil das die Worte waren, mit denen sie die sozialen Konstrukte ihrer antiken Vorfahren der Germanen, Gallier oder Angelsachsen bezeichneten. Mit diesen Worten stellten sie die indigenen afrikanischen Nationen als nicht gleichwertig und unzivilisiert dar. In Ermangelung eines besseren Wortes - „Nationalismus“ ist wegen der heutigen Nationalstaaten zu irreführend - werde ich hier „indigener Nationalismus“ verwenden. Außerdem werde ich an Stelle des „Stammes“ hier von der „Nation“ sprechen, wie bei den Indigenen Nordamerikas. Es gibt in der afrikanischen Geschichte nach 1960 einige Beispiele dafür, in denen „tribalistische“ Vorurteile politisch umgesetzt wurden. Bekannteste Beispiele sind die Konflikte zwischen den Hutu und Tutsi in der Region der Großen Seen, das politische System Somalias, die Konflikte zwischen Vieh- und Ackerwirten in der Sahel-Zone und die Ivoirité in der Elfenbeinküste.

3.6.1 Konflikte zwischen Vieh- und Ackerwirten? Der Konflikt zwischen Viehwirtschaft betreibenden Landwirten und Ackerwirtschaft betreibenden Landwirten in der Sahel-Zone, kommt wegen der hohen Todeszahlen häufig in internationalen Medien vor. Der Konflikt zentriert sich um die Knappheit von Weideland und Wasser, was beide Gruppen für sich beanspruchen. Beide Gruppen benötigen diese Ressourcen für ihre Lebensgrundlage und meistens werden die Konflikte friedlich gelöst. Dadurch, dass immer mehr Land zur Ackerwirtschaft, anstatt zur Weidewirtschaft verwendet wird, trocknet es schneller aus. Im Westen der Sahel-Zone, in Mali, leben 80% der Bevölkerung von der Landwirtschaft, die 45% des BIPs ausmacht. Der lukrativste Agrarsektor ist der Anbau von Baumwolle, der alleine 25% des BIPs ausmacht und das zweitwichtigste Exportprodukt Malis ist. Einerseits ist der Export dieses Rohstoffes ein wichtiger Weg für den Staat, um an stärkere Fremdwährungen zu kommen, andererseits benötigt die Baumwolle extrem viel Wasser und trägt dabei nicht zur Ernährungssicherheit bei. Der ebenfalls viel angebaute Reis benötigt ebenfalls viel Wasser. Nach Gold und Baumwolle ist Vieh das drittgrößte Exportprodukt. Es handelt sich bei diesem Konflikt also nicht bloß um Streitereien unter Nachbarn, sondern sie betreffen zentrale Zweige der malischen Volkswirtschaft und anderer Volkswirtschaften der Sahel-Zone. Nichtsdestotrotz sei angemerkt, dass die meisten Landwirte für ihre Selbstversorgung und die Gemeinde wirtschaften und der Konflikt daher tatsächlich die Lebensgrundlagen betrifft. In der Tschad-See-Region gibt es außerdem Konflikte über künstlich angelegte Fischteiche, in denen das Vieh manchmal ertrinkt. Dieser grundlegende Ressourcenkonflikt, der durch den Klimawandel verschärft wird, wird in internationalen Medien häufig mit „interkommunale Kämpfe“ beschrieben. Dieses Wort vermittelt, dass hier ein Konflikt zwischen zwei Gemeinden vorliegt, aber er verdrängt den „tribalistischen“ Charakter dieser Auseinandersetzungen und er verdrängt, dass diese zwei Gemeinden bis vor kurzem eine Gemeinschaft gebildet haben.

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11.09.2021 — Afghanistan / Kirgisistan / Tadschikistan

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Das Wasser und die Flucht aus Afghanistan (2/3).

Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan Die zentralasiatischen Staaten Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan, nördlich von Afghanistan, sind in ihrer wirtschaftlichen und politischen Grundstruktur noch sehr von ihrer Rolle als Sowjetrepubliken geprägt. Mit ihren Ressourcen mussten sie zu einem System beitragen, das auf die Sowjetunion, und nicht auf die einzelnen Teil-Republiken ausgerichtet war. Das lässt sich besonders gut bei der Wasserwirtschaft dieser drei Staaten erkennen. Der Fluss Sydarja entspringt in Kirgisistan, fließt durch das mehrheitlich usbekische Fergana-Tal, kreuzt Tadschikistan, durchquert wieder Usbekistan, um dann in Kasachstan nach einem langen Weg in den Überresten des austrocknenden Aral-Sees zu münden. Die ersten drei Anrainerstaaten verbinden mit dem Fluss unterschiedliche Interessen – ein Konflikt, der seit Jahrzehnten im fruchtbaren Fergana-Tal ausgefochten wird. Aber sie haben auch gemeinsame Interessen bezüglich der Stabilität ihrer säkularen Diktaturen. Innere Stabilität mit Repressalien gegen die niedrigen Lebensstandards der Bürgerinnen und Bürger ist dabei oft eine Frage der Innenpolitik. Kooperation kann es im Kampf gegen Dschihadismus und Drogenhandel geben. Kirgisistan erzeugt mit sieben Flussdämmen entlang des Flusses Syrdarja Energie, die 4% des BIPs ausmacht. In Zukunft will Kirgisistan noch mehr Energie nach Afghanistan und Pakistan exportieren. Der Ausbau und die Erneuerung der kirgisischen Wasserkraft geschieht mit Hilfe Chinas. Doch die Einnahmen landen zu oft in den Händen korrupter Machthaberinnen und Machthaber. Insgesamt geht es den Kirgisinnen und Kirgisen wirtschaftlich schlecht, sodass immer mehr Menschen in politischen Gruppen Zuflucht finden, die ihnen einen Ausweg versprechen. Islamisch-Konservative und patriotische Gruppen bekommen seit Jahren Zulauf, aber auch Terrorgruppen, wie der IS (13.10.19). Auch in Tadschikistan sind dschihadistische Strömungen sehr präsent: Der IS ist in den tadschikischen Haftanstalten aktiv, er verübt Anschläge auf Grenzposten und 1/3 der Bevölkerung würde die Einführung der Scharia befürworten – ein Schlüsselversprechen der Taliban. Tadschikistan ist die ärmste ehemalige Sowjetrepublik und 43% der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Die extensive Bewässerung von Baumwolle führt zum Austrocknen des Flusses Pjandsch, auch wenn Tadschikistan über 60% der zentralasiatischen Wasserressourcen verfügt. Um seine Energieabhängigkeit zu mindern, baut auch Tadschikistan seit mehreren Jahren seine Staudämme aus, doch der größte Einschnitt in die Wasserwirtschaft Tadschikistans geschah bereits zu Sowjetzeiten, als am Syrdarja ein Damm errichtet wurde, der den größten See des Landes anstaute. Usbekistan wiederum leidet einerseits unter der geringeren Durchflussmenge durch die Dämme stromaufwärts, andererseits durch kirgisische Gebietsansprüche im Fergana-Tal. Das Fergana-Tal wird überwiegend von Usbekistan kontrolliert und dort findet viel Landwirtschaft statt. Während der Zeit als Sowjetrepublik wurde hier vor allem der Anbau von Baumwolle für den Export gefördert. Noch heute stemmt Usbekistan 10% der globalen Baumwoll-Exporte. Baumwolle benötigt beim Anbau so viel Wasser, dass ihr Anbau in Kasachstan und Usbekistan maßgeblich zur Austrocknung des Aral-Sees beigetragen hat. Das wiederum führte zu Salz- und Staubstürmen. Russland und Usbekistan führen heute abgekühlte Beziehungen, bei denen Russland u.a. als finanzielles Geberland auftritt.

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09.03.2020 — Deutschland

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Nicht vergessen! Die Städte der Indus-Kultur funktionierten nur mit einem Schriftsystem. Es hatte rund 4000 Siegel, die wohl für Worte oder Wortteile standen, gelöst ist es bis heute nicht. Harappa und Mohenjo Daro hatten neben einer einheitlichen Schrift auch ein einheitliches System von Längenmaßen und Gewichten, das auf dem Dezimalsystem beruhte. Der Handel zwischen diesen beiden Städten blühte und auch gemeinsam traten sie immer wieder Handelsexpeditionen in ferne Länder an. So wurden etwa indische (südasiatische) Schmuckstücke mit bedeutenden Siegeln in Mesopotamien gefunden. Mesopotamien handelte mit dem Industal Holz, Kupfer, Gold, Silber, Karneol und Baumwolle. Die Zwillingsstädte beherrschten ihr Reich wahrscheinlich in strenger Theokratie. Schriftliche Belege dafür und dagegen gibt es zwar, doch können wir sie nicht entschlüsseln. Das Reich umfasste um 2900 v.Chr. bei seiner größten Ausdehnung ein Gebiet von 1,3 Millionen km² (ca. 3× so groß wie Deutschland). Natürlich entstanden dabei auch neue wichtige Städte, die Harappa und Mohenjo Daro nachempfunden waren, wie Kot Diji bei Mohenjo Daro, Amri weiter südlich und Kalibangan im Nordosten. Neben dem Industal entwickelte sich innerhalb des Reiches auch die Region um die große Halbinsel Kathiawar (ca. Größe Irlands) mit seiner Hafenstadt Lothal zu einem politischen Schwerpunkt. Die südlichsten Ausläufer des Reichs sind die Städte Malwan und Daimabad 150km weiter südlich. Im Norden reichte der Einfluss der Indus-Kultur bis an den Himalaya und in die Bergdörfer hinein. Die räumliche Ausdehnung in den Osten vollzog sich bis in die iranische Antikenstadt Sutkagen Dor. Eine ausgeprägte Wechselbeziehung in die Vorderen Orient war anfangs eine treibende Kraft für die Entwicklung der Indus-Kultur.

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16.11.2019 — Südasien / Afghanistan

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Ab 5500 v.Chr. begannen die Menschen in Mehrgarh mit dem Anbau von Erbsen, Sesam, Dattelpalmen und Baumwolle für den Eigenbedarf. Damit einher kam die Entwicklung der Töpferwaren und der konventionellen Kupferverarbeitung. Auch der Wasserbüffel wurde in dieser Zeit domestiziert. Das sind die Grundlagen, auch für das heutige Südasien. Die Schmuckkunst entwickelte sich ebenfalls, wie das glasieren von Perlen und der Fayence. Terrakotta-Figuren bekamen immer mehr Details, Frisuren, Ornamente. Fernhandel kann ebenfalls anhand Lapislazulis aus Afghanistan nachgewiesen werden. Mehrgarh ist (wer sich eine Karte vor Augen hält ist das sicher schon aufgefallen) nicht wirklich am Fluss Indus selbst. Die Kultivierung des Industals geschah von den Randgebieten aus, weil der Fluss damals noch deutlich mehr Wasser führte und also stark mäanderte und das Umland kilometerweit versumpfte. Der Indus entspringt im Himalaya, dessen Gletscher während der letzten Eiszeit ebenfalls angeschwollen waren. Nun schmolz über viele Jahrhunderte hinweg das Wasser und "über"füllte die Flüsse. Als die Gletscher an die Temperaturveränderung angepasst waren, floss auch weniger Wasser und das Industal wurde bewohnbar. Die Archäologie setzt der Mehrgarh-Kultur im Jahr 3500 v.Chr. ein Ende. Die Entwicklung folgte jedoch kontinuierlich weiter. Mehrgarh wird nun zur Indus-Harappa-Kultur gezählt, mit der die Bronzezeit am Indus begann.

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18.10.2019 — USA / Mexiko / Südamerika

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[16.10. 06:41] Nahuel: *Nicht vergessen!* Außerhalb des Fruchtbaren Halbmonds und Ostasiens ist über die Entstehung der Landwirtschaft weit weniger bekannt, da es nur wenige Orte gibt, an denen moderne archäologische Methoden angewendet werden können. Die amerikanische Landwirtschaft entstand zuerst im heutigen Mexiko, wo 8000 vor Christus Kürbis und Paprika domestiziert wurden vor 9000 Jahren der Mais. Dieser entwickelte sich aber erst 2500 Jahre später zur lebensdefinierenden Ernährungsmethode. Im mexikanischen Hochland begann 3000 v.Chr. der Anbau von Avocado und Grünen Bohnen, 1500 Jahre später der Anbau von Baumwolle. Um die Zeitenwende wurden Truthahn und Moschusente domestiziert. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gab es nur wenige Tierarten, die sich überhaupt domestizieren ließen. [17.10. 13:42] Nahuel: *Nicht vergessen!* In Südamerika wurden in den nördlichen Anden vor rund 9000 bis 8000 Jahren getreideähnliche Früchte wie Quinoa und Amarant domestiziert. Zur gleichen Zeit kamen Karoffeln, Erdnüsse und Baumwolle hinzu. Zudem wurden Lamas und Alpakas gezüchtet, die zum einzigen Lasttier des Kontinents wurden. Daneben wurde in Südamerika nur das Meerschweinchen zum Nutztier. Umstritten ist, ob es auch im Amazonasbecken zu einer eigenständigen Entstehung des Ackerbaus gekommen ist. Viele Indizien sprechen für einen planmäßigen Anbau von den Knollen Maniok und Süßkartoffeln. Eindeutig belegt ist eine eigenständige Entwicklung der Landwirtschaft im Osten der heutigen USA 2500 v.Chr. Hier wurden Sonnenblumen kultiviert und auch der Truthahn gezüchtet. [18.10. 06:56] Nahuel: *Nicht vergessen!* Australien und Neuguinea blieben nach der Besiedelung vor 60.000 Jahren weitesgehend isoliert vom Rest der Welt, da nach dem Ende der Eiszeit die Meeresspiegel stiegen und die Landbrücke nach Asien verschwand. In Australien gab es keine Landwirtschaft und es entwickelte sich stattdessen eine angepasste Jäger- und Sammlerkultur. Im Hochland von Neuguinea bauten die Menschen vor 10.000 Jahren Zuckerrohr, Bananen und die Knolle Taro an. Vor 9000 Jahrem wurden dazu gezielt Gärten angelegt, um sie vor Wildschweinen zu schützen. An der Küste kultivierten die Neuguineaner die Sago- und die Kokospalme. Die Nutztiere Schwein und Huhn auf Neuguinea und in Australien wurden über Umwege von Südostasien mit Booten um 1600 v.Chr. bis 1500 v.Chr. gebracht.

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