04.06.2021 — Demokratische Republik Kongo / Dänemark / USA
USA
USA setzen 7Mio$-Kopfgeld auf al-Kaida-Chef in Nordafrika (6.6) Al Anabi aus; ist seit 2001 in salafistischen Führungspositionen.
USA setzen 7Mio$-Kopfgeld auf al-Kaida-Chef in Nordafrika (6.6) Al Anabi aus; ist seit 2001 in salafistischen Führungspositionen.
Gedanken zu September 2020 (09/20) Bei all den negativen Nachrichten in diesem Monat über Verfälle des Rechtsstaats, strukturelle Probleme in Systemen, die bisher den Eindruck einer eher guten Verfassung gemacht haben, Gewalt, aufflammende Kriege und der noch immer anhaltenden Corona-Pandemie, waren zumindest in manchen Regionen der Welt Schritte in die richtige Richtung zu sehen. Und auch was die Corona-Pandemie angeht, werden zumindest die schlimmsten Befürchtungen nicht erreicht. Solche kleinen Hoffnungsschimmer können nicht darüber hinweg täuschen, dass wir in einer Zeit der selbstgemachten, andauernden Krise leben, aber da 2020 bisher wenig solcher Schimmer hatte, tut es uns zum Durchschnaufen vor dem anstehenden anstrengenden Oktober mit schwierigen Wahlen in Tschechien, Kirgisistan, Guinea, Tansania, Bolivien und Wahlkampf in den USA vielleicht gut, diese einmal etwas stärker zu beleuchten.
Die Zwickmühle Lukaschenkos wirkt unlösbar: Aus Furcht vor einer Annexion durch Russland förderte er den Nationalismus, der nun seine Absetzung fordert. Im Zuge dessen überschätzte er sich und verzichtete auf russische Öl-Subventionen, durch die die Staatseinnahmen einbrachen. Zwei Wochen lang im August hoffte Lukaschenko hilflos auf ein Ende der Proteste, erhöhte aus Furcht vor NATO-Intervention die Truppenpräsenz an den Grenzen und wollte Gewalt einsetzen. So ganz ohne Bündnispartner in der Welt fürchtete Lukaschenko vielleicht, ein neues Nordkorea oder Libyen zu werden und tat das, was seine Präsidentschaft vielleicht retten wird: Er wandte sich an seinen „Großen Bruder“ mit der Bitte um Sicherheitspolitische Unterstützung, mit der sich Belarus wohl wieder in eine Abhängigkeit zu Russland begeben wird (27.8). Falls Russland durch seinen Einfluss Lukaschenko im Amt halten kann, oder statt seiner einen russland-freundlicheren Machthaber einsetzt, gehören Russland und China zu den Gewinnern. Sollte dies nicht glücken und der Nationalismus siegt, profitieren davon die NATO, die EU, sowie namentlich Polen und die USA. (Der Name „Belarus“, der in vielen Medien gerade „Weißrussland“ ersetzt hat ist auch ein Kampfbegriff der Nationalisten, die nicht mit Russland verwechselt werden wollen. Nachdem mir vorgeworfen wurde, ich würde das weißrussische Volk und die Demokratiebewegung in ihr beleidigen, wenn ich sie weiterhin so und nicht belarussisch nenne, übernahm auch ich „Belarus“.)
Der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland schwelt seit 100 Jahren, als das Osmanische Reich, der Vorgängerstaat der Türkei, sich erfolgreich gegen eine Eroberung der gesamten Ägäis und Istanbuls durch Griechenland wehrte. Seit Jahrtausenden besteht ein reger Austausch zwischen dem griechischen Festland, den Inseln der Ägäis und Anatolien. Der Großraum Ägäis war ethnisch bunt durchmischt von Griechen, Türken, Armeniern, Italienern, Ägyptern, usw. 1923 jedoch wurde dieser Kulturraum mit einem erzwungenen Bevölkerungsaustausch zerschlagen: 1,2 Millionen Griechen mussten die Türkei verlassen und 400.000 Muslime aus Griechenland ausreisen. Damit wurden Griechenland und die Türkei neben politischen Rivalen auch zu religiösen und gar ethnischen. Mit dem Zypern-Konflikt und der Besetzung Nordzyperns durch die Türkei 1973 begannen Streitigkeiten um die Gebiete vor der zypriotischen Küste, wo in den 2010er Jahren mehrere Erdgasfelder gefunden wurden. Die türkische Außenpolitik scheint seit dem missglückten Putsch-Versuch 2017 neo-osmanisch ausgerichtet zu sein. Neo-Osmanismus ist eine aggressive Politik der Einmischung in der gesamten Region um die Türkei herum, in der arabischen Welt, sowie in Nordafrika. Der Ausbau der Türkei von einer wichtigen Regionalmacht zur Weltmacht begeht Erdogan u.a. mit Energie-Souveränität durch Wasserkraft und eben Ausbeutung landeseigener Gasfelder (auch im Schwarzen Meer: 21.8). Nun will die Türkei Gasfelder vor der türkisch-zypriotischen Küste und den griechischen Inseln anzapfen. Griechenland hingegen, das mit seiner neuen Regierung sehr EU-freundlich geworden ist, vertritt die außenpolitischen Interessen der EU. Das beinhaltet neben Grenzschutz vor Flüchtenden auch Energiepolitik, sowie eine anti-türkische Haltung insbesondere durch Frankreich (13.8). Kriegsrhetorik und Kriegsschacherei geht derzeit von beiden Seiten aus. Da Griechenland die Inseln Ro und Kastelorizo militarisiert, was gegen ein Abkommen von 1932 verstößt, droht ihr Türkei mit einem kriegerischen Konflikt. Laut diesem Abkommen war nur der Hafen von Kastelorizo italienisch (dann deutsch, dann britisch, dann erst griechisch) und nicht die Landschaft um ihn herum. Auf diesen Vertrag bezieht sich die Türkei, wenn sie die erdgasreichen Gewässer um die Insel für sich beansprucht.
UNHCR bestätigt, dass Flüchtlinge auf Weg durch Nordafrika "unaussprechliche Brutalität und Unmenschlichkeit erfahren" (taz).
Nicht vergessen! Seit dem 5. Jahrhundert war der Transsaharahandel essenziell für die Entwicklung Westafrikas. Als erstes profitierte das Reich von Ghana im heutigen Mali und Mauretanien vom Handel. Dabei ging es zunächst um den Goldhandel aus den tropischen Gebieten in Küstennähe, der durch die Größe islamischer Reiche im Mittelmeerraum und Nahen Osten im höchsten Maß profitabel für Zwischenhändler wurde. Ab 1000 n.Chr. bekamen auch die Fulani in Nigeria die Vorzüge der Islamischen Expansion zu spüren. Zunächst hielten sie sich noch westlicher auf, im Senegaltal, wo sich florierende Städte gründeten. Mit dem neuen Reichtum und der Sesshaftwerdung kam es auch zu eindeutig abgrenzbaren Staaten und zu Rivalität. Zwischen 1300 und 1350 wanderten einige Fulanistämme wieder nach Osten in die Hausastaaten, einem Verbund von Stadtstaaten in Bornu um den Tschad-See. Auf der seit Römers Zeiten bestehenden Bornustraße handelten sie neben Gold auch Sklaven und Salz gegen Pferde, Stoffe und Waffen aus Nordafrika. Mit der Einwanderung der Fulani wurde die Region als eine der letzten der Sahel-Zone islamisiert. Wichtig ist, dass es sich hierbei nicht um Völkerwanderungen im archaischen Sinne handelt, sondern um wirtschaftlich motivierte Bevölkerungsverschiebungen, die von politischen Aktionsträgern unter dem Vorwand des Islam durchgeführt wurden. Diese geopolitische Taktik entwickelte sich später zum Dschihad, ein Begriff, der spätestens seit 2001 n.Chr. eine neue moderne Interpretation erfahren hat.
Nicht vergessen! Vor 5000 Jahren fand in Afrika die Bantu-Expansion statt. Die Ausbreitung der Bantu-Bevölkerung hat dazu geführt, dass die meisten Bewohner südlich der Sahara heute eine dunkelbraune bis fast schwarze Hautfarbe haben. Eine gemeinsame Etikettierung von so unterschiedlichen Völkern wie Zulus, Somalis und Ibus als "Schwarze" ignoriert die Fülle von Unterschieden, die zwischen ihnen bestehen. So wie "Weiße" die in Nordafrika leben, wie die heutigen Tunesier, anders aussehen als Schweden, sehen auch Ghanaer anders aus als Lesother, doch die Verwandtschaft zwischen ist bei beiden erkennbar. Weiße und Schwarze lebten von Ackerbau und Viehzucht. Pygmäen und Khoisan, die kein Bantu-Volk sind leben als Jäger und Sammler. Die Khoisan waren einst im gesamten Süden Afrikas verbreitet, wurden aber ab 5000 v.Chr. von den schwarzen Bantu-Völkern verdrängt, die aus Westafrika kamen. Diese Bevölkerungsbewegung war dadurch ausgelöst worden, dass die Grüne Sahara desertifizierte. Die Pygmäen wurden nicht überall verdrängt und so leben heute noch ca. 200.000 verstreut im gesamten mittleren Afrika.
Als Migrant gilt jemand, der länger als ein Jahr in einem Land lebt, das nicht sein Herkunftsland ist. Heute leben 10 Millionen afrikanische Migranten in Europa, davon 5,18 Millionen aus Nordafrika, 1,64 Millionen aus Westafrika, 1,47 Millionen aus Ostafrika und eine weitere Millionen aus Zentral- und Südafrika. Im Vergleich dazu leben in Europa 21 Millionen Migranten aus Asien, vor allem aus der Türkei, dem Mittleren Osten, China und Indien. Außerdem 5 Millionen aus Lateinamerika, wohingegen in Angloamerika 25 Millionen Migranten aus Lateinamerika stammen, sowie 16 Millionen aus Asien. Innerhalb der einzelnen Kontinente gibt es 21 Millionen intrakontinentale Migranten in Afrika, 42 Millionen in Europa und 65 Millionen in Asien. Die Zahl der afrikanischen Migranten nach Europa landet demnach nur auf dem 7. Platz und entspricht keiner "Migrationsflut".
Die älteste Form der Haltbarmachung von Milch ist die Käseherstellung. Es ist zu vermuten, dass man mit Beginn der Domestizierung vor 12.000 Jahren große Mengen an Milch zu einfach herzustellendem Sauermilchkäse verarbeitete. In Gefäßen wurde die Milch in die Sonne oder über Feuer gestellt, wo sie zunächst sauer wurde und dann anfing zu gerinnen. Wenn der Käse nicht schimmelte, konnte man ihn essen. Bald entdeckte man, dass das Gerinnungsmittel Lab viel besser ohne die Molke zur Käseherstellung nützt. Zum ersten mal nutzte man auch die konservierenden und geschmacksverbessernden Edelschimmel. Der erste Nachweis der Käseherstellung mit einem Labsieb ist 7500 Jahre alt und stammt aus dem heutigen Polen. 500 Jahre später ist Käserei in Mesopotamien, im Schwarzmeerraum, in Kleinasien, Ägypten und Nordafrika bekannt. Kelten und Germanen übernahmen in der Eisenzeit das umfangreiche Handwerk der Käserei und bildeten damals die Grundlagen der heutigen Käsekultur in Europa. Auffallend ist bis heute, dass eine Korrelation zwischen Käse und Frieden besteht. Eine besonders ausgeprägte Käsekultur findet nämlich in Gebirgen statt, wo große Kriege meist nicht hinreichen. Der älteste Hartkäse der bisher entdeckt wurde ist 3200 Jahre alt und stammt aus dem Grab der obersten Verwalters der altägyptischen Hauptstadt Memphis. Der Käse war in den letzten Jahrtausenden vielen Umwelteinflüssen ausgesetzt und eigentlich bis zur Unkenntlichkeit verändert.
Zur Entstehung der Landwirtschaft im Fruchtbaren Halbmond gehört auch die Domestikation von Tieren. Im heutigen Iran in den Zagros-Bergen wurden vor 10.000 Jahrem die ersten Ziegen und im türkischen Taurus-Gebirge die ersten Schafe domestiziert. 1000 Jahre später kamen Schweine hinzu. Vor 8500 Jahren folgte das Rind, das aus dem gefährlichen Auerochsen entstanden war und dessen schwierige Domestikation in der heutigen Welt auch noch erkennbar ist. Da das Rind ungemein stark war, verehrte man es in vielen Kulturen wie heute noch als heilige Kuh in Indien oder in den spanischen Stierkampfarenen. 6000ya wurde das Pferd in der Ukraine und 5500ya in Ägypten der Esel domestiziert, die der Feldwirtschaft als Düngelieferant und als Zugtiere voranhalfen. Mit der Domestikation des Kamels vor 3500 Jahrem (lange nach der Errichtung der Pyramiden von Gizeh) wurde erstmals das Nomaden-Leben wieder attraktiver, welches in Teilen der Welt bis heute anhält. Das Kamel wurde von Zentralasien bis Nordafrika ein beliebtes Haustier. Vom Vorderen Orient aus verbreitete sich die Landwirtschaft nach Asien, Europa und Afrika.