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10 Quellen

Malaysia / Russland

Meldung

SPD-Chefin Esken ruft Ex-Premierminister Schröder zur Parteiaustritt auf, da er Putin gegen Vorwurf der Kriegsverbrechen verteidige; Weltstrafgericht will zusammen mit Litauen, Polen und Ukraine Kriegsverbrechen ausfindig machen; Dutzende der Toten in Butcha wohl durch völkerrechtskonformen Einsatz von Splittergranaten getötet.

2 Quellen

Butcha / Deutschland / Nigeria

Meldung

Wahrscheinlich nicht. Denn rhetorische Mittel, die heute in „PR“ und „Propaganda“ eingesetzt werden, richten sich nicht nur auf die Unterstützung verbündeter Regierungen, sondern auch auf die öffentlichen Meinungstrends in verbündeten Staaten. Nicht nur in Demokratien sind sie die Grundlage für eine in der Zukunft liegende Vertiefung der Unterstützung. Unabhängig von der Authentizität der Vorwürfe, also unabhängig davon, ob im Donbass oder Butcha wirklich ein Völkermord stattfand, sind diese geographischen Orte nun in der Zivilgesellschaft der einen oder anderen Kriegspartei untrennbar mit den Emotionen verbunden, die ein Völkermord-Vorwurf hervorruft: Hilflosigkeit, Schuld, Trauer, etc. Der Handlungs-Imperativ aus diesem Vorwurf ist die unbedingte Unterstützung der Kriegspartei, die den Vorwurf erhebt, um nicht „einen weiteren Völkermord“ geschehen zu lassen. Welchem Vorwurf wir glauben, ist nicht nur von uns zugänglichen Beweisen (Satellitenbilder, Statistiken, etc.) und der Völkerrecht-Rechtsprechung abhängig, sondern auch von der medialen und politischen Aufarbeitung der Vorwürfe. Unsere aktuell daraus abgeleiteten öffentlich diskutierten Handlungsmöglichkeiten sind der Verzicht auf russische Güter, die eigene militärische Teilnahme am Krieg und andere Opfer. Wir müssen reflektieren, woher diese Bereitschaft kommt und wir müssen sie hinterfragen. Denn häufig entsprechen sie nicht unseren eigenen Interessen. Auf diese Art und Weise muss Medienkritik stattfinden. Ein historisches Beispiel dafür, wie die Zivilgesellschaft von militärisch kriegsunbeteiligten Staaten Einfluss auf den Kriegsverlauf nehmen können, ist der Nigerianische Bürgerkrieg von 1967-70, auch Biafra-Krieg genannt. Damals wurden, z.B. in Deutschland, gezielt Holocaust-Vergleiche gestreut, um die biafranische politische Agenda im Krieg gegen Nigeria durchzusetzen. In den folgenden Tagen werde ich darlegen, wie die biafranische Propaganda entstand, welchen Einfluss sie auf die damaligen sozialen Bewegungen Deutschlands („68er“) hatte und welche Folgen dies für den Kriegsverlauf hatte. Vielleicht können wir daraus lernen.

9 Quellen

Ukraine

Ukraine

Ukraine, Russland und... Nigeria? Auch im Kontext des Ukraine-Krieges wurde von beiden Seiten der „Völkermord“-Vorwurf erhoben und in beiden Fällen leiteten sich aus diesen Vorwürfen Legitimationen für politische Entscheidungen ab. Am 15. Februar 2022, nur neun Tage vor dem russischen Überfall auf die Ukraine, erhob der russische Präsident Wladimir Putin in Anwesenheit des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz den Vorwurf, im Donbass geschehe ein Völkermord. Im Donbass bestehen seit April 2014 die beiden Volksrepubliken Luhansk und Donezk, die bis zum 21. Februar 2022 keine internationale Anerkennung genossen, aber von Russland unterstützt wurden. Laut der OSZE sind in dem Krieg zwischen diesen russischen Volksrepubliken und der ukrainischen Armee 75% der zivilen Opfer auf Seiten der pro-russischen Volksrepubliken zu beklagen. Daher, und weil in der ukrainischen Armee das anti-russische Neonazi-Bataillon „Asow-Regiment“ inkorporiert ist, wurde die Politik der Ukraine als „Völkermord“ bezeichnet. Es ist die Aufgabe völkerrechtlicher Gerichte, diesen Vorwurf zu prüfen und darüber zu urteilen, unabhängig davon, ob dieser Vorwurf heuchlerisch ist. Auf Grundlage dieses Vorwurfs legitimierte Putin den Überfall auf die Ukraine als „Entnazifizierung“, eines der Schlüsselwörter zu Beginn des Krieges, das seitdem nicht mehr so häufig verwendet wird. Auch die Ukraine erhob in diesem Krieg bereits den Vorwurf des Völkermords, dessen Adressaten unter anderem Wir waren. Am 09. März 2022 warf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyi Russland in einer Fernsehansprache vor, einen Völkermord an Ukrainern zu begehen. Zuvor war in der ukrainisch kontrollierten Hafenstadt Mariupol ein Kinderkrankenhaus bombardiert worden. Selenskyi appellierte in der selben Fernsehansprache an den „Westen“, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. Sechs Tage später wurden russische Einzelpersonen und Organisationen sanktioniert. Ein direkter Zusammenhang zwischen Selenskyis Appell und den Sanktionen ist jedoch nicht ersichtlich. Einen deutlich größeren Moment erzeugte der Völkermord-Vorwurf gegen Russland, als am 02. April 2022 in der Stadt Butcha im kiewer Umland mehr als 300 tote Zivilisten gefunden wurden. Butcha war am 30. oder 31. März von den russischen Truppen kampflos aufgegeben worden. Auf Satellitenbildern ist zu sehen, dass bereits vor dem Abzug Leichen auf den Straßen von Butcha lagen. Wie Butcha völkerrechtlich zu interpretieren ist, wird Aufgabe eines Gerichts sein. Auch in diesem Fall sprach Selenskyi von einem Völkermord. Ihm schloss sich am selben Tag der polnische Ministerpräsident Morawiecki an und auch der spanische Ministerpräsident Sánchez, sowie der britische Premierminister Johnson nahmen das Wort „Völkermord“ in den Mund, schwächten es jedoch rhetorisch ab. Sie sind damit gut beraten. Die, und Deutschland sprachen nicht von einem „Völkermord“, dafür aber von „Kriegsverbrechen“. Die Türkei sprach von einem „Massaker“, China war „zutiefst verstört“ und Papst Franziskus erhob Butcha zur „Märtyrer-Stadt“. Die eben aufgezählten irdischen Begriffe sind, in meinem Verständnis, in einer anti-klimaktischen Aufreihung: „Völkermord“ ist schlimmer als „Kriegsverbrechen“ ist schlimmer als „Massaker“ ist schlimmer, als „zutiefst verstört“ zu sein. Auffällig ist jedoch, dass diese Begriffe nicht von den Regierungen dazu verwendet wurden, eine konkrete, unmittelbare politische Agenda durchzusetzen. Es gab nur kleine Konsequenzen aus Butcha. Der französische Präsident Macron appellierte zwar, den Import russischer Energieträger zu verbieten, aber er hat das Verbot nicht wirklich durchgesetzt und Waffenlieferungen an die Ukraine in Folge von Butcha sind auch nicht geschehen. Ist Selenskyi also damit gescheitert, politisches Kapital aus dem „Völkermord“-Vorwurf zu schlagen?

15 Quellen

Costa Rica / Eswatini

In Kürze

Biden nennt Putin wegen Butcha "Kriegsverbrecher"; Israel spricht von "Kriegsverbrechen"; Spanischer Premierminister Sánchez fordert nach "angeblichem Genozid", Verantwortliche zu bestrafen; Macron fordert Importverbot russischer Energieträger wegen Butcha; Selenskyi wirft Merkel im Zusammenhang mit Butcha "gescheiterte Russlandpolitik" vor; Wohl ähnlicher Vorfall in Borodyanka.

11 Quellen

Afghanistan / Ukraine

In Kürze

410 zivile Todesopfer in Stadt Butcha nahe Kiews gefunden; Präsident Selenskyi vergleicht dies mit Kriegsverbrechen und "Genozid"; Auch Polnischer Premierminister Morawiecki spricht von "Genozid", Habeck von "Kriegsverbrechen"; USA sprechen nur von "Schlag in die Magengrube"; Laut Human Rights Watch hat russische Armee Kriegsverbrechen "geduldet"; Russland dementiert Massaker und behauptet, russische Armee habe vor 4 Tagen Butcha verlassen; Laut Bürgermeister von Butcha waren jedoch Streitkräfte der Republik Tschetschenien präsent.