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03.09.2022 — Lateinamerika / Belize / Tansania

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Politisch hat sich Lateinamerika inzwischen zu unterschiedlich entwickelt, um daraus einen „lateinamerikanischen“ Faktor zu erschließen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Belize im Fragile States Index, dem Democracy Index, dem Pressefreiheit Index und dem Freedom in the World Index ins Spektrum Lateinamerikas fällt – aber das tun auch Tansania und Indonesien. Es gibt im politischen Bereich einige entscheidende Unterschiede zwischen Belize und anderen, genuin lateinamerikanischen Ländern: Während in anderen Ländern ein Mehrparteiensystem besteht, in dem unterschiedliche Parteien Regierungsmacht erlangen, gibt es in Belize traditionell zwei große Parteien, von der eine etwas links, die andere etwas rechts der politischen Mitte steht. Das ist ein Erbe der britischen Kolonialherrschaft, die erst 1981 endete. Die sozialdemokratische PUP und die konservative UDP wechseln sich seit 1981 mit der Ernennung des Premierministers ab. Sie stehen so sehr für die Staatsidentität, dass es ihre Parteifarben sind, die auf der belizischen Flagge zu sehen sind. Ein weiteres Erbe der britischen Kolonialherrschaft ist, dass es sich bei Belize noch immer um eine Monarchie handelt, dessen Oberhaupt die englische Königin Elisabeth II. ist. Zudem ist Belize Teil des Commonwealth. Da Belize erst seit 1981 unabhängig ist, war auch der historische Werdegang des politischen Systems grundlegend anders, als in den anderen, genuin lateinamerikanischen Ländern.

Wenn man Belize also näher betrachten möchte, bieten sich zu einigen Themen Vergleiche mit anderen lateinamerikanischen Staaten an, zu anderen Themen wäre ein solcher Vergleich irreführend.

2 Belize in den Nachrichten In diesem Kanal fand die erste Erwähnung von Belize im November 2020 anlässlich der Parlamentswahlen statt. Meine Quelle war damals der internationale Nachrichtensender Aljazeera, der zwar über die anstehende Wahl berichtete, aber nicht über ihr Ergebnis. Laut dem Aljazeera-Bericht waren im Wahlkampf die sich verschlechternde Wirtschaft, das Ausbleiben des Tourismus durch die Corona-Pandemie, die strenge Corona-Politik und Korruptionsvorwürfe gegen Barrow Themen. Der bis dato amtierende konservative UDP-Premierminister Dean Barrow durfte nach drei Amtszeiten nicht mehr antreten.

Diese Themen waren dann vermutlich auch ausschlaggebend dafür, dass die sozialdemokratische PUP die Wahlen in einem Erdrutschsieg gewann und sogar die absolute Mehrheit von 26 der 31 Parlamentssitze auf sich vereinigen konnte. Die Wahlbeteiligung lag dabei mit 81% auf dem höchsten Stand seit 1998, als die PUP schon mal die absolute Mehrheit erreichte. Laut dem Bericht der deutschen Nachrichtenportal amerika21 plädierte der neue Premierminister John Briceño für einen „Neuanfang“ nach zwölf Jahren der Regierung Barrow. Laut einem Artikel auf dem Nachrichtenportal centralamerica.com, das zu einem costa ricanischen Reiseunternehmen gehört, hatte das Vertrauen in die Regierung und den Staat in den Jahren vor der Wahl abgenommen und Briceño müsse nun schnell Ergebnisse dieses Neuanfangs sichtbar machen.

Anlässlich des Wahlergebnisses berichtete auch der britische Nachrichtensender BBC in wenigen Worten über den Wirtschaftseinbruch von 16% durch Corona. Von den internationalen, englischsprachigen Zeitungen berichteten weder die CNN, noch the Guardian über die Wahlen und in Deutschland gab es in keiner größeren Online-Zeitung einen Bericht über die Wahlen, die immerhin einen Machtwechsel nach 12 Jahren (ca. 1/3 der Existenz von Belize) darstellten.

6 Quellen

03.09.2022 — USA / Belize / Großbritannien

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Ein Blick nach Belize 2022 🇧🇿 Über das zentralamerikanische Land Belize findet in der deutschen Medienlandschaft, und auch hier im Kanal, sehr wenig Berichterstattung statt. Wenn überhaupt, wird Belize häufig in einer Aneinanderreihung zentralamerikanischer oder karibischer Länder genannt. In diesem Kanal beschränkte sich die Berichterstattung auf die Erwähnung der Parlamentswahlen, sowie auf die Erwähnung der internationalen Beziehungen zu den USA, Großbritannien und Taiwan. Das Land ist in etwa so große wie Mecklenburg-Vorpommern, hat aber mit 420.000 Einwohnern eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte, vergleichbar mit der Finnlands.

1 Belize – ein englischsprachiges Land in Lateinamerika? Das Land Belize gilt als einziges Land, das trotz seiner englischsprachigen Prägung zu Lateinamerika gezählt wird. Lateinamerika umfasst insbesondere spanischsprachig und portugiesischsprachig geprägte Länder, sowie – je nach Auslegung – französischsprachig geprägte Länder Nord- und Südamerikas. Aber der Begriff steht auch für ein grobes Bild von der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Verfassung eines Landes. Belize weist einige „lateinamerikanische Faktoren“ auf, die es eher in das grobe Bild Lateinamerikas, als in das Angloamerikas (USA und Kanada) einordnen lassen.

Der offensichtlichste Faktor ist die geographische Lage von Belize an der Karibikküste Zentralamerikas zwischen Mexiko und Guatemala, die beide eindeutig zu Lateinamerika zählen. Kulturell ist in Belize eine Mehrheit von 50% katholisch, wobei Pfingst- und Freikirchen seit vielen Jahren einen Aufschwung erleben. Ein ähnlicher Trend ist in anderen lateinamerikanischen Ländern zu beobachten. Die Belizier sind Nachkommen von afrikanischen Sklaven, indigenen Maya, von Europäern, sowie von Südasiaten, die während der britischen Kolonialzeit in die Karibik auswanderten. In der Bevölkerung wächst der spanischsprachige Anteil wegen der Zuwanderung zentralamerikanischer Flüchtlinge und Migranten, sodass inzwischen ½ der Bevölkerung spanischsprachig ist. Das und die hohe Geburtenrate führte zu einem Bevölkerungswachstum von 41% seit 2000 auf jetzt 420.000.

Die Wirtschaft des Landes basiert auf Rohstoffexport und Tourismus und ist durch eine hohe Staatsverschuldung von 85% in ihrer politischen Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. 1/3 der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Edelhölzer werden manchmal noch als der wichtigste Exportrohstoff genannt, aber tatsächlich ist es inzwischen Zucker - ein Wandel der sich auch in der belizischen Landschaft wiederspiegelt. Der Tourismus spezialisierte sich seit den 1990ern auf Öko-Tourismus, für die – alles andere als „öko“ - Korallenriffe zerstört wurden. Die umfassende Ausbreitung der Tourismusindustrie geschah zu einer Zeit, als Belize als wichtige Steueroase galt, die Investitionen für die Hotels von heute also nicht ausreichend versteuert wurden. Das ändert sich seit 2015 ein wenig, als Belize ein Steuerinformationsabkommen mit der Schweiz unterzeichnete. Aber seit 2019 befindet sich Belize wieder auf der EU-Liste der Steueroasen. Laut dem Tax Justice Network kam es so 2021 zu 82 Millionen US-Dollar an Steuerverlusten, was 18% der belizischen Steuereinnahmen entspricht.

6 Quellen

13.08.2022 — Ukraine / Westeuropa / Sierra Leone

Iran / Lateinamerika

Demonstration in Venezuela zur Freigabe des venezolanischen Flugzeugs mit Autoteilen an Bord, das Anfang Juni in Argentinien beschlagnahmt wurde; iranisch-venezolanische Besatzung inzwischen freigelassen.

7 Quellen

01.08.2022 — USA / Deutschland / Ukraine

Meldung

Diese Karte zeigt die Landeserwähnungen in der Tagesschau im Juli 2022. Ich musste mich auf Überschriften der Beiträge beschränken (z.B. ). Dadurch wurden nicht die Länder gezählt, die nur im Sprechteil erwähnt wurden. Die Tagesschau-Karte und meine Karte sind also nicht direkt zu vergleichen. Aber es entsteht ein Eindruck. Sie legt offensichtlich einen immensen Schwerpunkt auf Deutschland, sowie den Ukraine-Krieg. Die außereuropäische Berichterstattung legte ihren Fokus auf die USA, Kanada wurde wegen des Papst-Besuches erwähnt. Zu Lateinamerika und Afrika sah die Berichterstattung sehr dünn aus. Über Nigeria wurde nur wegen der Rückgabe von Kulturgütern durch Deutschland berichtet, über Brasilien wegen der Regenwaldabholzung. Zur deutschen Rolle in der politischen Spannung zwischen Mali und der Elfenbeinküste wurde nicht berichtet. Berichterstattung über Länder des Globalen Südens wären vielleicht eher in den Tagesthemen zu erwarten. Die Leere auf der Tagesschau-Karte hat mich trotzdem erschüttert.

1 Quellen

20.06.2022 — Äthiopien / Kolumbien / Frankreich

Kolumbien

Mit Gustavo Petro gewinnt erstmals linker Kandidat Präsidentschaftswahlen in Geschichte Kolumbiens, sehr knapp mit 50,4%; Vizepräsident wird Umweltaktivistin Márquez; Will nun Land versöhnen, was aktuellem Präsident Duque nicht gelungen war; Setzt somit seit 2018 anhaltenden, relativen Linksruck in Lateinamerika fort: 2018 Mexiko, 2019 Argentinien, 2020 Bolivien, 2021 Peru, 2022 Chile und Honduras (NvGuH).

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April 2022

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April 2022 Die Nachrichtenverteilung hat sich in diesem Monat wieder "normalisiert": zu Asien, Afrika und Lateinamerika kommen wieder verhältnismäßig mehr Nachrichten, als im März. Mit insgesamt 917 Landeserwähnungen liegt die Zahl im April deutlich unter den 1132 im März. Das liegt zu einem großen Teil daran, dass die Berichterstattung zum Ukraine-Krieg nachgelassen hat. So überschritt die Ukraine im April auch nicht die 8%-Marke, wie noch im März. Weitere Ausreißer sind in Südasien Pakistan und Sri Lanka, die auch die Liste der meisten Top-Meldungen anführen. Ostafrika bleibt eine transnational höchst aktive Region mit neuen Ansätzen zur Etablierung einer neuen gemeinsamen Sicherheitspolitik.

0 Quellen

Februar 2022

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Februar 2022 Auch im Februar habe ich die Erwähnungen der Länder der Welt in diesem Kanal gezählt. Der Ukraine-Krieg hat zu einem Anstieg der Erwähnungen von Ländern geführt, von 656 im Januar auf 867 im Februar. Der Krieg hat zu einer vermehrten Berichterstattung zur Ukraine und Russland geführt, gleichzeitig haben die Nachrichten aus den anderen Teilen Osteuropas nicht zugenommen. Diese Nachrichten-Flut aus der Ukraine führt zu weniger Berichterstattung zu anderen Themen aus arabischen Ländern, Westafrika und Südafrika. Das hat z.B. auch damit zu tun, dass sich die Situation um die Putsch-Welle in Westafrika beruhigt hat. Die Zahl der Berichte aus Ostafrika und Südasien blieben auf hohem Niveau und die Berichterstattung aus Lateinamerika nahm zu. Wie sich die Situation rund um die Berichterstattung entwickeln wird, wird sich wohl im nächsten Monat zeigen. Hier eine Seite, auf der man deutschlandweit Zimmer für ukrainische Geflüchtete anbieten kann: https://elinor.network/gastfreundschaft-ukraine/.

1 Quellen

24.12.2021 — USA / Rufiji / Ostafrika

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Jahresrückblick 2021: Ostafrika.

Viele ostafrikanische Länder erlebten 2021 einen weiteren Höhepunkt islamistischer Aktivität: In Mosambik eroberte die Ahlu Sunna Wal Jammah (ASWJ) die Hafenstadt Palma, im Osten der Demokratischen Republik Kongo verübten die Allied Democratic Forces (ADF) dutzende Angriffe auf die Zivilbevölkerung und in Kenia ist noch immer die al-Shabaab aktiv. Eine relativ neue Entwicklung sind seit November Anschläge in Uganda und Ruanda, die mit der ASWJ und der ADF in Verbindung gebracht werden. Beide Gruppen wurden im März 2021 von den USA auf die „Terror-Liste“ gesetzt und beiden Gruppen werden enge Verbindungen zum Islamischen Staat (IS) nachgesagt. Ein weiteres wichtiges Ereignis für Ostafrika ist der anstehende Beitritt der Demokratischen Republik Kongo (Demokratische Republik Kongo) zur ostafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ostafrikanische Gemeinschaft. Seit Jahrzehnten befinden sich Infrastrukturprojekte im Bau, die darauf abzielen, die Ressourcen des Ostens der Demokratische Republik Kongo an die ostafrikanischen Häfen Tansanias und Kenias am Indischen Ozean zu transportieren. Unter der EAC werden zahlreiche Verträge geschlossen werden, die die Ausbeutung und den Transport dieser Ressourcen für den Weltmarkt erleichtern werden. Entlang dieser beiden Themen-Gebiete werde ich in den nächsten Tagen Texte veröffentlichen, die teilweise mit Karten versehen sein werden. Es geht um die Begriffe „Entwicklung“ und „Terror“, die East African Crude Oil Pipeline, den Rufiji-Staudamm, Geldpolitik, Schulden, Zement, Korruption und die sozialen Auswirkungen dieser ganzen Trends. Meine grundlegende These dieses Überblickes ist, dass die ostafrikanischen Staaten langfristig nicht von der Ausbeutung ihrer Ressourcen und dem Ausbau der Infrastruktur profitieren.

Die Behauptungen, die ich in dem Text aufstelle sind mit Belegen oder weiterführenden Informationen verlinkt - ja, selten auch zu einer Wikipedia-Seite. Die Zahlen in den Klammern, z.B. (3), zeigt die Seitenzahl der verlinkten pdf-Dokumente an. In einigen Fällen erscheint beim Klicken auf die verlinkte Zahl in den Klammern kein pdf-Dokument, sondern eine Seite, auf der man die pdf herunterladen kann, oder eine Versandhaus-Seite zu einem Buch, das mir nur als Print vorliegt. Ein guter Teil der verlinken Quellen sind Zeitungsartikel der kenianischen „The EastAfrican“ und des tansanischen „The Citizen“. Beide Zeitungen gehören zur kenianischen Nation Media Group, dem größten Medienkonzern Ostafrikas, an der der schweizer Aga Khan Fund for Economic Development mit 44,6% den Löwenanteil hält. Diese international agierende Finanzierungsgruppe ist Teil des Aga Khan Development Network, das zum Ziel hat, an der Entwicklung von Entwicklungsländern teilzuhaben und davon zu profitieren. Die Aga Khan-Gruppe gilt für den deutsch-französischen Fernsehsender ARTE als ein Positivbeispiel für die Förderung ländlicher Entwicklung in Kenia. Da es in diesem Jahresrückblick viel um eben diesen „Entwicklungs“-Ansatz in Ostafrika geht, halte ich es für angebracht, den Teil-Finanzier dieser Quellen hiermit transparent zu machen. Ich habe die Quellen dementsprechend behandelt und gezielt nach weiterführenden Informationen gesucht, die nicht selten in die Schweiz und nach Kanada geführt haben. Diese Informationen kann ich wegen ihrer Menge nur exemplarisch an manchen Stellen ausführen. Insgesamt kann ich feststellen, dass alle international agierende Medien über die Zusammenhänge zwischen der ostafrikanischen Entwicklung und den Interessen westlicher Konzerne nicht ausreichend berichten. Wenn ich an manchen Stellen Bezug zu Orten im deutschsprachigen Raum herstelle, dann will ich damit nur euren Bezug zum Thema fördern und keine waghalsige Situationsvergleiche.

Ab morgen werde ich die inhaltlichen Texte veröffentlichen. Der Ostafrika-Jahresrückblick ist in diesem Jahr deutlich umfassender, als der Lateinamerika-Jahresrückblick 2020. Das liegt auch daran, dass ich vorhabe, in diesem Bereich meine Abschlussarbeit für die Universität zu schreiben. Wenn eure Forschungs- und Betätigungsfelder auch ostafrikanische Themen berühren, schreibt mich gerne an.

3 Quellen

30.11.2021 — Uganda / USA / Barbados

Barbados

Barbados löst sich aus monarchischer Personalunion mit UK und begründet republikanische Staatsform; Mason (22.10) neue Präsident; Premierminister Mottles ernennt Musikerin Rihanna (6.2) zur Nationalheldin.

In Kürze

UN und Weltbank warnen vor Nahrungsmittelunsicherheit in Lateinamerika und Karibik, u.a. da Beschäftigung um 12,5% zurückgeht.

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