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USA / Nigeria / Afrika

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Nicht vergessen! Babangidas Regierung hatte Nigeria nicht vor dem Kollaps durch die Erdöl-Rezession gerettet. 1987 war Nigerias diplomatischer, wirtschaftlicher und auch kultureller Ruf am Boden. Afrika wurde der "Kontinent der Coups" genannt (70 Putschs in 20 Jahren), und das unter reger Teilhabe der sechs Coups in Nigeria. Während sich die gesamte Welt in Kalten Krieg eine Militarisierung gegen einen äußeren Feind leistete, war die Militarisierung der meisten Länder Afrikas, die europäischen und US-amerikanischen Waffenkonzernen zugute kam, ziellos. So bekamen die Armeen des Kontinents immer mehr Macht, die sie nicht gegen einen äußeren Feind richten konnten, da es kaum internationale Kriege gab. Die Militärs richteten die Waffen daher in die Brennpunkte der Innenpolitik. Viele Regierungen waren durch einen Militärputsch an die Macht gekommen. Es verwundert daher nicht, dass viele außenpolitische Forderungen an den Westen militärischer Art waren. So forderte der nigerianische Außenminister Akinyemi im September 1987 eine eigene Atombombe, um "das rassistische Monopol der Nuklearmächte" zu beenden. Auch finanzielle Forderungen wurden von den USA und Europa in den Wind geschlagen. 1991 forderte Babangida 30.000$ Entschädigung pro Afrikaner, der in den vergangenen Jahrhunderten verschleppt und als Sklave in die Neue Welt gebracht wurde, da das Chaos des Sklavenhandels den Kontinent um Jahrhunderte in seiner Entwicklung zurückgeworfen habe. Die 330 Milliarden $ wurden von den größten Sklavenhandelsnationen USA und Niederlande nicht ausgezahlt.

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Welt

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Aus der Welt gefallen 13.

"Sage mir... Und ich sage dir..." von Peter Zingler (1983) Kaum einer, der erstmals in den Knast kommt, ist fähig, all die Straftaten auszuführen, deren er fähig ist, wenn er wieder rauskommt. Weil er von allen Verantwortlichen nur nach seiner Akte beurteilt wird. Und die enthält nur Negatives: seine Straftaten. Anklageschriften. Urteile. Vorstrafen. Hausstrafverfahren. Beschwerden. Es steht nicht drin, dass er im Juli einem Junkie den Selbstmord ausgeredet hat. Im August einem Schlucker Tabak und Kaffee schenkte. Für die Ausländer die deutschen Briefe schreibt. Streit schlichtet. Bereut. Leidet. Weint. So etwas passt nicht die Akte. So bemüht sich jeder, alles Gute zu vermeiden, weil's nichts bringt, außer Misstrauen. So bemüht sich jeder, unter dem Druck aller, so zu werden, wie es bereits festgeschrieben ist. So lange, bis er tatsächlich seiner Akte gleicht. Kein Satz kommt den Verantwortlichen so leicht über die Lippen wie "Das haben wir immer schon gewusst!" Oder: "Das musste ja so kommen! Die Katze lässt das Mausen nicht! Lesen Sie doch mal seine Akte!" Sage mir, was darin steht... Und ich sage dir, wer du wirst!

("Aus der Welt gefallen" ist eine Mini-Serie von Kurzgeschichten, sowie fiktiven geschichtlichen Ereignissen, wie sie in einem Paralleluniversum stattfinden könnten.)

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USA / Kanada / Australien

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Nicht vergessen! Die Geschichte Nigerias nahm in den 1980er Jahren einen Verlauf, wie er in einigen anderen Ländern der Tropen auch erkennbar ist. Das Bild des Hungernden Kindes im Biafra-Krieg hatte sich bis 1984 ergänzt um Bilder von verhungernden Kambodschanern, Äthiopiern, Mosambikanern und Mauretaniern. Doch diese Bilder spiegelten nur die Wirklichkeit in kleineren Notstandsgebieten wider. Mit schleichendem Hunger, mit Fehl- und Unterernährung, die nach außen weniger sichtbar sind, wurden 1984, davor und danach, etliche Länder nicht fertig. Von 350 Millionen Subsaharaafrikanern lebten beinahe die Hälfte unterhalb der Armutsgrenze, 90 Millionen waren schlecht ernährt. Laut UNICEF starben damals weltweit pro Tag 40.000 Kinder, die wenigsten unmittelbar an Hunger, sondern an einer fatalen Mischung: an Infektionskrankheiten, Durchfall, mangelnder Hygiene und Unterernährung. Die Menschen waren nicht wegen Nahrungsmangel unterernährt, sondern wegen ihrer Armut. Die Weltnahrungsproduktion reichte 1984 statistisch für alle Menschen aus, doch der hohe Fleischkonsum der reichen Industriestaaten (damals USA, Kanada, Australien und Europa) verschlang sehr viel Getreide. Denn Kühe und Schweine sind sehr aufwendige Eiweißproduzenten. 40% des Weltgetreides wurden als Viehfutter verwendet, 60% waren es in der BRD. Knapp die Hälfte der Futtermittelimporte der Bundesrepublik kam aus Ländern der "Dritten Welt", in denen ein Teil der Bevölkerung unterernährt war. So auch aus Nigeria, das von seiner Kolonialmacht Großbritannien eine auf den Export ausgerichtete Landwirtschaft geerbt hatte. Einerseits wurden also viele Lebensmittel exportiert, andererseits nahm die Nahrungsmittelproduktion seit der Unabhängigkeit auch tatsächlich um 10%-20% ab, da Industrialisierung nach westlichem Vorbild stärker gefördert wurde. Als dritte, wohl unmittelbarste Faktoren kamen Dürren durch Überweidung, Abholzung und Überbeanspruchung der Böden hinzu. Der Agrargigant Nigeria wurde schließlich abhängig von Lebensmittelspenden aus den USA und Europa in Form von Weizen. Dadurch brach der nigerianische Markt für Weizen zusammen und viele Landwirte verloren ihre Existenzgrundlage. 100.000 Menschen verhungerten Ende der 1970er und Anfang der 1980er in Nigeria und seinen angrenzenden Ländern. Der Teufelskreis führte dazu, dass der Bedarf an Nahrungsmittellieferungen aus dem Westen für Afrika von 4,3 Millionen Tonnen 1983 auf 5,3 Millionen Tonnen 1984 stiegen, schließlich auf 40 Millionen Tonnen im Jahr 2000.

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Welt / Deutschland / Ungarn

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Aus der Welt gefallen 11.

Held "Ach, ich wusste gar nicht, dass es das noch gibt" hatten sie gesagt, "Meine Schwiegermutter hat es auch überlebt, und die hatte damals Gürtelrose. Wird schon nicht so schlimm sein", hatten sie versprochen. Manche hatten mich verflucht, weil sie Angst hatten, dass ich sie angesteckt hätte. Aber die hätten mich auch ohne Infektionsrisiko nie besucht. Seit Wochen habe ich keine vertrauten Gesichter gesehen, außer dem leitenden Artzt und zwei Krankenschwestern, dem Blumenstrauß im weißen Rahmen auf der weißen Wand, die leere Vase auf der Fensterbank. Es ist eine Einzelhaft als der letzte aktive Covid19-Fall Rumäniens, gefangen in der akademischen Klinik Bukarest, Intensivstation, dauerhafte Beatmung. Jeden Mittag ruft Mama an, Abends dann Valea, manchmal Doris, selten Sorin, Maria nie. Am Anfang war ein Journalist da, wollte wissen, wo ich mich infiziert habe. "Deutschland", hatte ich gesagt "Rastplatz, bestimmt, oder Ungarn, auf der Toilette." Wie es mir ginge hatte ich dann auch geantwortet, aber berichtet wurde dann nur mit meinem Namen und meinem Gesicht und dazu eine Warnung, wie bei einem gesuchten Schwerverbrecher. Eine Rückmeldung gab es keine, nicht mal als sich mein Zustand vor drei Wochen verschlimmerte. Damals bekam ich nur ein Kondolenz-Schreiben vom Fernsehsender und Werbung für Matratzen. Sonst bleibt es still, der Fernseher zeigt die Fußballspiele von der WM nicht. Ob es 2020 für die Intensiv-Patienten auch so gewesen ist? Damals, als die Armee die Kontrolle über die vier großen Krankenhäuser in Bukarest und noch über eines in Iaşi übernahm, hieß es im Fernseher und im Internet, dass die Welt nun in der Pandemie versinken würde. Glaubt ja nicht, dass die letzte große Katastrophe irgendwie interessant sein würde! Das war eine Aufregung damals. Ich konnte monatelang nicht arbeiten, weil die Polizei stärker kontrollierte, Mama nicht sehen, einkaufen ging nur mit diesen Masken, die jetzt überall in der Stadt herumfliegen. Sorin war damals Alkoholiker geworden "aus Langeweile", wie er sagte. Seiner Freundin war es im Winter davor sehr schlecht gegangen und hatte ihn verlassen. Als sie dann am Virus starb, konnte er sich wegsaufen. Ich trinke ja auch mal gerne einen, aber mein Job am Steuer verbietet es mir, eigentlich. Ich liege noch immer im Bett, schau aus dem Fenster auf eine schwarzgraue Fassade, auf der gegenüberliegenden Seite. Ich hatte mir Archive immer staubig im Keller vorgestellt, aber dieses hier ist steril, im 1.OG. Abgespeichert bin ich, mein Überleben so halb sicher, ziemlich sicher, abgestellt. So muss sich die kleinste Pyramide von Gizeh fühlen, oder der Ewige auf der Ersatzbank, auch im Finale. Ich wäre inzwischen sogar froh, wenn ab und zu mal gelangweilte Touristen oder freche Kinder kleine Steinchen an mein Fenster schmeißen würden. Ich bin einfach nicht herrschaftlich genug bekleidet mit meinem blauen Papiermantel, etwas ranzig und unrasiert. Es wird schon noch etwas dabei für mich rausspringen, die Mühe, der Schmerz wird schon nicht wirkungslos vergehen. Vielleicht werde ich doch als der letzte Corona-Patient Rumäniens in die Geschichtsbücher eingehen, als Veteran. Als Andenken werde ich das Blumenbild im weißen Rahmen nach Hause mitnehmen, und eines Tages, wenn mich meine Enkel fragen werden, was das für ein Bild ist, werde ich ihnen meine Geschichte erzählen, diesen meinen Höhepunkt meines Lebens, als ganz Rumänien mich in den Abendnachrichten sah und vor mir gewarnt wurde. Dann werde ich ihnen erzählen, wie es ist, einen Kampf gegen das böse Virus... und wie glorreich... als Veteran der Geschichte... Diese gottlose Langeweile macht mich kirre! Hihi.

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Welt

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Nicht vergessen! Der drittälteste Witz der Welt stammt ebenfalls aus Sumerland und ist 3200 Jahre alt: "Drei Ochsentreiber aus Adab waren durstig. Einem gehörte der Ochse, einem die Kuh, einem die Wagenladung. Der Besitzer des Ochsen weigerte sich auf Wassersuche zu gehen, da er befürchtete, sein Tier könne von einem Löwen gegessen werden. Der Kuhhirte weigerte sich, da er befürchtete, seine Kuh könnte in die Wüste abwandern. Der Wagenbesitzer weigerte sich, da er fürchtete, seine Ware könnte gestohlen werden. Also gingen sie alle drei. In ihrer Abwesenheit hatten sich Ochs und Kuh ganz doll lieb und machten ein Kalb, das die Wagenladung aß. Frage: Wem gehört das Kalb?" Wieder mal urwitzig! 🐃 + 🐂 + 🥬🌾 = 🐮⁉.

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Welt

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Aus der Welt gefallen 10.

Brandbrief 1978 Monika wurde vor 20 Jahren in Duisburg geboren. Damals war der Himmel noch trüber, heute hat sich die Glocke über dem Pott geöffnet und Monika studiert in Bonn Englisch auf Lehramt, aber nicht Hauptschule, dafür ist sie sich zu intellektuell. Sie gehört zu der Generation, die nicht mehr die Flower-Power als Mittel sehen, aber ihre Problemanalyse adaptiert haben. Letztes Jahr kam sie nach Bonn, kam in einen Frauen-Kreis und einen Arbeitskreis für Sozialismus. Ein paar ihrer Freunde kommen aus Bonn, der Rest aus der ganzen Republik. Ein guter Teil von ihnen studiert nicht nur nicht, sondern ist auch noch arbeitslos. Einer, Gunnar, ist Monikas Freund. Er sieht aus wie ein Student, liest die selben Bücher, geht in die selben Teestuben, teilt sich seinen Haushalt mit anderen Gleichgesinnten und schreibt für eine kleine linke Zeitung – genau wie Monika. Aber als sie ihren Eltern ihren neuen Freund vorstellte, hieß es gleich: „Ach, der ist doch bestimmt auch so ein RAF-Sympathisant (gesprochen „Raff“). Und, weißt du wo der Schleyer ist?“ „Der lungert doch den ganzen Tag nur herum.“ und so weiter. Monikas Freunde finden Gunnar dufte. Gut, manchmal fließt das Bier und der Wollpullover blieb den Winter über an. Außerdem konnte Gunnar noch immer nicht so richtig erklären, warum sein Chef ihn damals rausgeschmissen hat. Dafür nimmt er kein Heroin, wie Ronnie und schreibt gute Texte über Strauß für die „Flotte Lotte“. Er ist nicht so philosophisch wie Monika, kommt besser mit sich klar. Monika ist instabil. Ihre Eltern haben sie liberal erzogen, ihr beigebracht, wie sie die Welt um sie herum gestalten kann. Diese Vorstellung ist aber nicht auf die Welt übertragbar, in der sie jetzt lebt. Diese Welt ist fertig gebaut. Die Natur in ihrem ständigen Wandel erscheint nicht in Bonn und auch sonst nicht in der BRD. Also muss sie den Wandel selbst erzeugen, indem sie Zerstörung verursacht, woraus erst etwas selbst gestaltetes erwachsen kann. Die Polizei nennt das Vandalismus. Am liebsten vandaliert Monika in Schwimmbädern und Freizeitparks, denn diese seien „pervers“. Sie würden den Menschen Spielräume vorgaukeln, was sie betäube. Monika hat Marx gelesen, und Engels, und Bakunin, und Mao, will aber noch mehr wissen, daher lieber Soziologie studieren als Englisch, denkt, dass sie so mehr bewegen kann. Die RAF-Kommentare ihres Vaters konnte sie ja noch mit einem versteckten Schmunzeln hinnehmen, doch seine Reaktion auf ihren geplanten Studienwechsel gruben tiefere, recht unfruchtbare Furchen. Denn er musste die Illusion zum Platzen bringen, die Monikas Werdegang als Mensch, auch Pädagogik genannt, maßgeblich beeinflusst hatte. Monika erkannte das Missverhältnis zwischen ihrem Selbstbewusstsein und den Erfahrungen, die die Anwendung dieses Selbstbewusstseins erzeugten. Monika ist durch ihre Erziehung selbstständig und unabhängig, und genau das ist es jetzt, was Vater an ihr auszusetzen hat. Es ist der Kampf der Generationen zwischen mächtigen Älteren, die Finanzierung entziehen können, Hausarrest erteilen, Liebe verwehren, und den Jugendlichen, die bestehende Systeme, die ihre Eltern aufgebaut haben, umstürzen wollen. Sobald Monika mehr war, als eine beliebige weitere Jugendliche setzte die Kontroll- oder Anti-Pädagogik ein. Wie soll Monika auf die Widersprüche reagieren? Monika beruft sich auf Gleichaltrige, die ihr im Streit mit ihrem Vater recht geben, da sie die selbe Situation mit ihren Eltern durchleben. So entsteht ein Gebilde unter Jugendlichen, das stark wird und irgendwann selbst von jüngeren Generationen überholt werden wird – unter Empörung Monikas, die noch dazu gerade das Alter schwer zu spüren bekommt. Monika weiß das, will es nicht wahrhaben, schreibt ihrem Vater einen Brief: „Ich kann nicht atmen, also nimm' mich bitte ernst! Kuss, Monika“.

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Welt

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Nicht vergessen! "Was ist seit Urzeiten nicht passiert? Eine Frau, die ihrem Ehemann nicht auf den Schoß furzt." Das ist der älteste überlieferte Witz der Welt und er ist 3900 Jahre alt. Die Sumerer haben sich bereits damals über Fürze kaputtgelacht - urwitzig.

Nicht vergessen! Das Papyrus Westcar ist das bislang älteste erhaltene Dokument, in dem von Zauberern berichtet wird. Es stammt aus der Zeit um 1600 v.Chr. und besteht aus fünf Einzel-Erzählungen in Fabelform über die Pharaonen Cheops, Snófru und Nebka. Die erste Geschichte ist kaum nachvollziehbar, in ihr tritt jedoch Cheops als Hohepriester Djosers auf. In der zweiten Geschichte lässt der Vorlesepriester Ubaoner den Liebhaber seiner Frau in seinem Luxus-Anwesen von einem Krokodil verspeisen und seine Frau lässt er verbrennen. In der dritten Geschichte ist König Snófru langweilig und lässt zu seiner Unterhaltung 20 nackte Frauen einen See auf- und abrudern. Da der Schlagdame ihr Anhänger in den See fällt, lässt ihn der Vorlesepriester Djadjaemanch mittels Magie trocken werden, um den Anhänger zu holen. Die vierte Geschichte handelt vom 110 Jahre alten Dedi, der täglich 500 Brote, ein halbes Rind und 100 Krüge voll Bier verzehrt. Die fünfte Geschichte handelt von einer problematischen Drillingsgeburt. Das Westcar-Papyrus blieb wohl unvollendet, da auf dem Papyrus noch genügend Platz für weitere Anekdoten vorhanden gewesen wären. In der dritten Geschichte ist übrigens der zweitälteste überlieferte Witz enthalten: "Wie unterhält man einen gelangweilten Pharao? Man setzt eine Bootsladung junger Frauen auf den Nil, die nur mit Fischnetzen bekleidet sind und hält den Pharao dazu an, einen Fisch zu fangen."...

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Welt / Polen / Litauen

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Aus der Welt gefallen 9.

Die Seligen Der Staatenbund aus Polen und Litauen war Ende des 18. Jahrhunderts durch die drei Großmächte Europas Preußen, Russland und Österreich zerschlagen worden. Nach der ersten Teilung 1772, nach der die bedeutende Stadt Krakau an Österreich und das Dorf Borowiec an Preußen gefallen wäre, wurde neuverhandelt. So fiel 1795 Krakau an Preußen und Borowiec mit seinen rund 800 Einwohnern an Österreich. 1807 gründete Napoléon Bonaparte auf besetzten Gebieten das Herzogtum Warschau, das auch Krakau einschloss. 1815 nach dem Ende der langen Koalitionskriege und der Exilierung Napoléons wurden auf dem Wiener Kongress die europäischen Grenzen neu verhandelt. Auf ihm berief sich Österreich auf die Grenzen von 1772, und Preußen auf die Grenzen von 1795, was entschieden hätte, an wen Krakau fallen würde. Da eine Einigung unerreichbar schien, machte Russland den Vorschlag, Krakau zu einer unabhängigen Republik zu machen. Dieser Vorschlag wurde von allen drei Seiten angenommen, deren gemeinsames Protektorat die neue Republik wurde. Doch das Dorf Borowiec wurde in den Verträgen nicht berücksichtigt, da Österreich und Preußen es jeweils der anderen Partei zugeschrieben hatten. Borowiec wurde von keinem Staat für sich beansprucht und war dementsprechend ein rechtsfreier Raum. Schon im Februar 1816 wurde das Dorf für einige radikale Napoléon-Anhänger, die strafrechtliche Verfolgung fürchteten zu einem Rückzugsort, an dem sie ihren eigenen Staat aufbauten. Fahnenführer der Bewegung waren der Pole Józef Urbański und der Franzose Adrien Lehideux, die schon während französischer Besatzung durch ihre Grausamkeit aufgefallen und Napoléon selbst unangenehm geworden waren. Die Freie Republik Borowiec wurde zu einem Versuchsfeld einer egalitären, hochmilitarisierten Gesellschaft. Im Mai 1816 lebten rund 3500 Dissidenten in der Freien Republik, die bis 1820 bestand. Die Gesetzgeber Urbański und Lehideux sorgten für die Verfassung und das Erziehungssystem des Stadtstaates. Alles was wir von ihnen wissen, stammt von preußischen Beobachtern, die ihre Berichte erst 20 Jahre nach Ende der Republik Borowiec schrieben. Demnach schufen sie ein verfassungsgemäßes Gleichgewicht zwischen einer Gruppe von Senatoren und einer Volksversammlung, die die Macht besaß, zu ratifizieren oder zurückzuweisen. Borowiec schaffte die Gold- und Silberwährung ab und ersetzte sie durch Eisen. Es gab eine strikte Reisebeschränkung, um korrumpierende Einflüsse der Großmächte zu vermeiden. Um die Probleme von Armut und sozialer Ungleichheit zu lösen, wurde das Land gerecht aufgeteilt. Einfachheit im persönlichen Bereich und in der Gestaltung des Haushalts wurde zur Norm. Es wurden gemeinsame Mahlzeiten eingeführt. Es gab öffentliche Leibesübungen, bei denen die Teilnehmer manchmal auch nackt waren. Verheiratete Frauen und Männer schliefen getrennt, außer wenn sie miteinander verkehren wollten. Borowiec erlaubte Beziehung zwischen Junggesellen und verheirateten Frauen mit älteren Ehemännern, aber keine andere Form des Ehebruchs. Kinder wurden nicht als Eigentum ihrer Eltern, sondern der ganzen Gemeinschaft betrachtet. Jene, die als ungeeignet oder ungesund von Geburt an galten wurden zum Sterben auf einen Berghang gebracht. Gemeinsam erzogen, schliefen die Kinder ab sieben Jahren in Schlafsälen, nackt und mit rasierten Köpfen, und wurden klimatischen Extrembedingungen ausgesetzt, um sie für die Notwendigkeiten des Soldatenlebens abzuhärten. Borowiec wurde zum Sinnbild für Tapferkeit und Selbstaufopferung, wo die Individualität dem Gemeinwesen geopfert wird und kein Preis als zu hoch erachtet wird, um den Gehorsam gegenüber den Anforderungen des Staates sicherzustellen. Das Ziel Urbańskis und Lehideux', aufgeschlossene, unabhängige und gemäßigte Bürger zu schaffen, schlug fehl. Teile der ansässigen Bevölkerung revoltierte immer wieder, wurde jedoch nicht blutig niedergeschlagen. Im November 1820, als sich ein Hungerwinter ankündigte, floh der Regierungsstab nach Warschau, Wien, Moskau und München. Im selben Monat noch wurde Borowiec der Republik Kraka.

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USA / Vietnam / China

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Nicht vergessen! Der Biafra-Krieg war auch in die Mühlen des Kalten Krieges gekommen. Nachdem die Sowjetunion zunächst die Republik Biafra unterstützen wollte, die diese aus Furcht vor einer lähmenden Todeswalze, wie jene im Vietnam-Krieg ablehnte, schlug sie sich auf die Seite der Bundesregierung Nigerias mit Jagdflugzeugen, die von ägyptischen Piloten geflogen wurden. Unterstützung der Volksrepublik China, die nicht an Bedingungen geknüpft war, nahm Biafra hingegen an. Auch aus den USA bekam Ost-Nigeria Hilfsversprechen, da der republikanische Bewerber aufs Präsidentenamt Nixon um die Wählergunst der Afroamerikaner werben musste, die mehrheitlich auf Seiten Biafras stand. Ein Schiff, das als Wahlversprechen bereits mit Hilfsmitteln für Biafra beladen war, wurde nach Nixons Wahlsieg wieder entladen. Obwohl die UN nur die Bundesregierung Nigerias anerkannte, unterstützte die Kolonialmacht Portugal Biafra, indem es biafrischen Flugzeugen die Nutzung der portugiesischen Kolonial-Insel Sao São Tomé erlaubte. Das tat es, um Sympathien der afrikanisch-stämmigen Bewohner ihrer damaligen Kolonien Angola, Mosambik Guinea-Bissau und Sao Tomé zu erkaufen, deren Unabhängigkeitsbewegung Ende der 1960er sehr stark waren. Auch das Apartheids-Regime Südafrikas ging nach dieser Taktik vor. Die Schweiz griff mit ihrer Privatwirtschaft zu Gunsten Biafras in den Krieg ein, da es eine schweizer Werbeagentur war, die zusammen mit Ojukwu das Bild des Biafra-Kindes in der Welt verbreitete und die Hungersnot als einen gezielten Genozid darstellte. Skandinavische Länder und kirchliche Hilfsorganisationen unterstützten Biafra aus humanitären Gründen. Zuletzt speilte der Vatikan eine wichtige Rolle, da der Führer Biafras Ojukwu gläubiger Katholik war und auf einige Bitten des Papstes hörte, Blutvergießen zu vermeiden, wodurch er einige Kriegschancen verfehlte. Die ursprünglichen Beweggründe für die Sezession Biafras von Nigeria, nämlich die eigenständige Grenzziehung unabhängig von den kolonialen Grenzen, war somit kaum mehr vorhanden. Stattdessen wurde der Ausgang des Krieges zu Gunsten Nigerias besonders auch zu einem Dämpfer, oder eben zu einem kleinen Erfolg für sehr weit entfernte Länder. Die verdrehte Unterstützung der Kriegsparteien durch die USA und die Sowjetunion, sowie durch China erklärt auch das unbestimmbare Verhältnis Nigerias zum Sozialismus.

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Welt / Deutschland

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Aus der Welt gefallen 8.

"Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert (1947) Ein Mann kommt nach Deutschland. Er war lange weg, der Mann. Sehe lange. Vielleicht zu lange. Und er kommt ganz anders wieder, als er wegging. Äußerlich ist er ein naher Verwandter jener Gebilde, die auf den Feldern stehen, um die Vögel (und abends manchmal auch die Menschen) zu erschrecken. Innerlich - auch. Er hat tausend Tage draußen in der Kälte gewartet. Und als Eintrittsgeld musste er mit seiner Kniescheibe bezahlen. Und nachdem er nun tausend Nächte draußen in der Kälte gewartet hat, kommt er endlich doch noch nach Hause. Ein Mann kommt nach Deutschland. Und er erlebt einen ganz tollen Film. Er muss sich während der Vorstellung mehrmals in den Arm kneifen, denn er weiß nicht, ob er wacht oder träumt. Aber dann sieht er, dass es rechts und links neben ihm noch mehr Leute gibt, die alle dasselbe erleben. Und er denkt, dass es dann doch wohl die Wahrheit sein muss. Ja, und als er dann am Schluss mit leerem Magen und kalten Füßen wieder auf der Straße steht, merkt er, dass es eigentlich nur ein ganz alltäglicher Film war, ein ganz alltäglicher Film. Von einem Mann, der nach Deutschland kommt, einer von denen. Einer von denen, die nach Hause kommen und die dann doch nicht nach Hause kommen, weil für die kein Zuhause mehr da ist. Und ihr Zuhause ist dann draußen vor der Tür. Ihr Deutschland ist draußen, nachts im Regen, auf der Straße. Das ist ihr Deutschland.

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USA / Afrika / Welt

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Nicht vergessen! Entgegen allgemeiner Annahme war die Regierung von Biafra nicht ein von Rebellen kontrollierter Zusammenwurf, der unfähig wäre zu regieren. General Ojukwu, das Gesicht Biafras war der Sohn des reichsten Mannes von Afrika, der mit umgerechnet 4Mrd$ auch zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Dementsprechend hatte Ojukwu seine Bildung in Oxford genossen und hatte bereits in jungen Jahren ein beachtliches Vermögen angehäuft. Ihre Taktik gegen Nigeria war zunächst von Erfolg gekrönt. Eine Arbeitsgruppe von Schriftstellern und Künstlern malte Propaganda-Karikaturen, die in ganz Nigeria Anklang fanden, und schließlich auch jenseits der Grenzen Afrikas. Die Biafra-Story wurde zur Titelgeschichte in den westlichen Medien, auch wegen der damaligen Friedensbewegung, die ursprünglich gegen den Vietnam-Krieg entstanden war. Am 29. Mai 1969 setzte sich ein Student der Colombia-University Bruce Mayrock vor dem Hauptquartier der UNO in New York City selbst in Brand, um gegen die Biafra-Politik Nigerias zu protestieren, die er einen Genozid nannte. Daran starb er. Als der Druck der eigenen Bevölkerung immer größer wurde, entschieden sich die westlichen Unterstützerstaaten Nigerias für eine neue Strategie, die sich die Friedensbewegung sicher nicht so vorgestellt hatte. Großbritannien und die USA lieferten noch mehr Waffen und Militärausrüstung, um den Krieg zuendezubringen. Die Operation Tail-Wind begann in der letzten Dezemberwoche 1969 unter der Führung von Olusegun Obasanjo, der später zwei mal zum Präsidenten Nigerias gewählt werden würde. Nach drei Wochen war die Offensive erfolgreich beendet und General Ojukwu floh in die Elfenbeinküste. Sein Vize Philip Effiong erklärte am 14. Januar 1970 den Truppen Gowons die Kapitulation. Gowon verkündete die Nationale Versöhnung und den Neuaufbau Nigerias.

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Äthiopien / Niger / Norwegen

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Nicht vergessen! Im ersten Jahr des Biafra-Krieges hatte die Zivilbevölkerung noch die Hoffnung, der Krieg würde sie verschonen und die Schlachten außerhalb der Städte stattfinden. Die Frauen waren vielerorts in traditionellen Männerberufen zum Einsatz gekommen, da die Nachfrage nach Soldaten groß war. Die Hoffnung lag auch auf einer friedlichen Lösung. So kam es etwa zu Verhandlungen in Äthiopien unter der Schirmherrschaft des äthiopischen Kaisers Haile Selassie, der als wichtigster politischer und geistlicher Führer Afrikas, sowie der Afroamerikaner galt, die jedoch scheiterten. Die Fronten im Stillstand wusste sich Gowon anders zu helfen und erließ eine wirtschaftliche Blockade Biafras, die Nahrungsmittel- und Waffenlieferungen via Land, Luft und See verbot. Das war die destruktivste politische Entscheidung in der Geschichte Westafrikas, da sie unmittelbar zu einer Hungerwelle führte, die 2,5 Millionen Menschen das Leben kostete, davon die meisten Kinder. Vor dem Krieg waren selbstgefangene Fische aus dem Meer und dem Niger-Fluss, sowie aus Norwegen importierter Stockfisch die Hauptproteinquelle für die Bewohner der Ostregion. Nachdem Fischerei und Stockfisch-Import verboten wurden, bestand die Diät der meisten Bewohner aus Stampf, einer Mischung aus Pflanzensekreten und Staub. Während des Biafra-Krieges waren westliche Medien bald omnipräsent und lieferten Bilder der Hungernden um die Welt. Das Bild des verhungernden afrikanischen Kindes, das bis heute unser Afrika-Bild prägt war geboren. Biafra-Kinder. Die Aushungerungsstrategie der nigerianischen Regierung war unhaltbar, wurde aber immer weiter fortgesetzt, um General Ojukwu zur Kapitulation zu zwingen.

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Aus der Welt gefallen 7.

Noch eine Himmelfahrt In der Nacht zum Donnerstag starb der Maulwurf. Am Donnerstag Morgen fand ich ihn auf dem Feldweg, den ich mehrmals täglich passiere, und tatsächlich war er noch immer tot. Uns Menschen ist es eben nicht oft vergönnt, einen lebendigen Maulwurf zu sehen. Da ich diesen Feldweg für keine gute letzte Ruhestätte hielt und in einigen Metern Entfernung hinter mir ein Kind mit seiner Mutter ging, wollte ich ihn so schnell wie möglich in die Hecke neben mir legen. Also nahm ich zwei Blätter und ein Stöckchen und hob diesen Maulwurf auf. Weil ich nicht so oft die Möglichkeit dazu habe, inspizierte ich ihn etwas genauer. Als Todesursache ließ sich ein Biss feststellen, vielleicht von einer Katze, die das tote Tier dann verschmäht hat. Es war jedenfalls nicht entstellt und das einzige Blut klebte an seiner Schnauze. Sonst sah das Fell noch frisch und weich aus, so wie man es sich bei Bewohnern des feuchten Erdbodens eigentlich nicht vorstellt. Die Grabwerkzeuge waren recht eindrücklich und die Zähne schienen perfekt zum Insektenfresser zu passen. Ich wollte ihn schon nach Hause mitnehmen, um ihn dort zu sezieren und das Skelett zu konservieren, aber das hätte wohl Ärger mit meinen Mitbewohnern gebracht. Also legte ich ihn vorsichtig in eine Lichtung, wenn man von sowas in einer Hecke denn überhaupt sprechen kann, und ging meines Weges. Am Samstag Morgen war der Maulwurf nicht mehr an seiner Totenstätte. Schnell dachte ich mir, er sei jetzt bestimmt von einem Raubtier gefressen worden, doch noch bevor ich mich mit dieser Erklärung zufriedenstellen konnte, sah ich ihn einen Schritt vor mir, wieder auf dem Feldweg - tot. Da das nun kein Zustand war, schnappte ich mir wieder zwei Blätter und ein Stöckchen, um ihn zurück in die Hecke zu befördern. Nun hatte es seit Donnerstag also zwei ziemlich warme Tage gegeben, die die Kompostierung des Tieres sicherlich vorantrieben. Und so war ich relativ erschrocken, als ich das schon etwas zerzaustere Tierchen hochhob und es sich anfühlte, als seien seine Innereien dabei, sich selbstständig zu machen. Für den Maulwurf etwas unvermittelt warf ich ihn also ins Gebüsch. Unglücklicherweise blieb der flexible Leichnam in einer für einen Toten sehr unwürdigen Position hängen! Kopfüber. Gut, so in der Höhe jedenfalls würde sicher keine Katze und auch kein Hermelin an den Maulwurf kommen und die Angelegenheit sei erledigt. Die kommenden Male, als ich an dem Gebüsch entlanglief schaute ich immer nach dem Tier und zeigte es auch Anderen. Denn so einen hängenden Maulwurf sieht man ja nicht alle Tage. Sonntag war sonnig und heiß und ich war wohl etwas zu lang draußen. Als ich nämlich am heutigen Montag wieder an der Hecke entlanglief, war der Maulwurf erneut fort. Als ich ihn 20 Meter weiter im Feld liegend fand, war ich doch erstaunt, was für Strecken tote Maulwürfe zurücklegen könnten. Aber ich war etwas in Eile und entschied mich, auf dem Rückweg die Situation neueinzuschätzen. Mir schien das Feld jedoch schon am Morgen keine schlechte letzte Ruhestätte zu sein. Auf dem Rückweg bestätigte sich dieser Eindruck. Am Feldrand wuchsen schöne blaue Stiefmütterchen, deren Blüten am Morgen noch verschlossen waren, also eine hübsche Gegend zum tot sein. Neben all den herzlichen Dingen, die man sich auf einem Friedhof wünscht, fehlte jedoch das wichtigste: die Leiche. Ungläubig lief ich drei mal auf und ab, bis ich entschied, dass ich die Sache ruhen lassen sollte und der Maulwurf nun endgültig von der Wildnis verschluckt sei. Und jetzt stehe ich hier, vor der Hecke und wer hängt da langgestreckt durch die Kraft der Erdanziehung und der Sonne? Der Maulwurf! Bin ich etwa Opfer einer Illusion geworden? Kann das ein Sonnenstich von gestern gewesen sein? Oder will mich da jemand reinlegen? Vielleicht der Herr Nachbar, der mich sowieso nicht mag, aber weiß, dass ich diesen Weg immer gehe. Aber würde der sowas tun? Nein, ich glaube, der Maulwurf selber hat mir den Streich gespielt. Amüsiert darüber, wie aufgewühlt ich von seinem Ableben bin, wird er sich sicher gedacht haben.

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Aus der Welt gefallen 6.

Himmelfahrt Als es vor einer sehr langen Zeit nur ein paar Tausend Menschen auf dieser Welt gab, lebten Kirtin und Kefer. Sie waren kein Teil einer Gruppe, weil die Menschen noch nicht herausgefunden hatten, wie sie sich in größeren Familien ernähren sollten. Wenige male im Jahr trafen Einzelgänger oder Kleinfamilien an besonders fruchtbaren Stellen aufeinander. Dann wurde sich einige kurze Minuten mit den wenigen Worten ausgetauscht, die jeder kannte: Wasser, Tiere und Gefahr. Kirtin und Kefer waren aber bisher die einzigen beiden, die sich selber Namen gegeben hatten. Einmal waren sie an eine Stelle gekommen, die sie über viele Tage ernähren und Schutz bieten konnte. Also schlugen sie ein kleines Lager in einer Lichtung auf. Im Umkreis von zehn Minuten laufen fanden sie einen Bach, Bäume mit süßen und Bäume mit geschmacklosen Früchten, kleine Rehe, Laufvögel und viele Affen. Zwar waren die Tiere eher klein, nicht wie in der Steppe, aber so zahlreich, dass sie bestimmt 60 Tage nicht nach den bitteren Wurzeln buddeln mussten, die sonst ihr Überleben sicherten. Doch am Morgen des 20. Tages fanden sie auf einem Pfad, den sie mehrmals täglich zum Bach gingen ein totes Kind. Es lag mit dem Bauch und dem Gesicht am Boden. Sie fragten sich nicht, woher es gekommen sein mag, sondern hoben es auf. Kefer hatte schonmal einen lebendigen Säugling im Arm gehalten, Kirtin noch nicht. Sie inspizierten es ein wenig. Da waren die geschlossenen Augen, die Nase, der Mund und die Ohren, die sie auch von sich selbst kannten. Der Kopf schien gewaltig groß auf dem kleinen Körper und hing locker schlapp herunter. Sie konnten keine genaue Todesursache feststellen, kein Biss, aber am Hals hing etwas Blut und Fremdfleisch. Da Kefer und Kirtin von Geschlechtern nichts verstanden, kann ich auch heute nicht sagen, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Besonders Kefer war betroffen und entschied, das Kind woanders hinzulegen - auf dem Pfad konnte es schließlich nicht bleiben. Gleich neben dem Pfad wucherte ein trockenes Gebüsch. Also legten sie es vorsichtig in eine Lichtung, wenn man von sowas in einer Hecke überhaupt sprechen kann, und bedeckten es mit Blättern und Stöcken, sodass es aussah, als würde es schlafen. Sie gingen ihres Weges. Jedes mal, wenn sie an der Hecke vorbeiliefen gedachten sie dem Kind und mit jedem mal wurde ihr Herz schwerer. Am Morgen des 22. Tages war der Säugling nicht mehr an seiner Totenstätte. Kirtin und Kefer dachten sich, dass es bestimmt von einem Raubtier gefressen oder in sein Nest verschleppt worden war. Doch noch bevor sie sich mit dieser Erklärung zufriedenstellen konnten, sahen sie es wenige Schritte vor ihnen auf dem Pfad liegen - natürlich tot. Da das nun kein Zustand war, ging Kefer schnell hin und hob es auf, um es an seinen Platz zu legen. Doch inzwischen waren die heiße Sonne und viele Insekten an der Leiche gewesen und sie in Teilen zersetzt. Kefer erschrak sehr, da sich das Kind so anfühlte, als würden sich seine Innereien verselbständigen, und warf es ins Gebüsch. Unglücklicherweise blieb die Leiche im Geäst in einer für einen Toten höchst unwürdigen Position hängen. Kopfüber! In der Höhe jedenfalls, entschieden die beiden Menschen, würde sich kein Raubtier an das Kind kommen und die Angelegenheit sei erledigt. Auch die folgenden Male, die sie zum Wasser liefen guckten sie immer nach dem Kind. Zum schweren Herzen kam Bitterkeit und schlechtes Gewissen hinzu. Schließlich waren sie Schuld, dass das Kind nun entstellt mit blau angeschwollenem Kopf in einer Hecke hing. Aber sie trauten sich nicht, es von neuem zu bewegen. Umso erleichterter waren sie dann am Mittag des 23. Tages, als im Gebüsch kein schlechtes Gewissen mehr hing. Sie fanden das Kind nah an der Quelle auf der anderen Seite des Pfades und wunderten sich, was für Strecken so tote Menschlein zurücklegen konnten. Da sie sehr durstig waren, hatten sie keine Zeit, das Kind von neuem zu begutachten. Ihnen schien beim schnellen Vorbeigehen dieser Ort aber als keine schlechte Ruhestätte und das Kind sah wieder aus, als würde.