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Großbritannien

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16.10.2023 — Japan / Osmanisches Reich / Kolumbien (historische Ausgabe vom 16.10.1903)

Japan

JAPAN verlegt weiter Truppen nach KOREA, um Ultimatum gegen RUSSLAND durchzusetzen, sich von Hafen Port Arthur in CHINAs Mandschurei zurückzuziehen; während GROSSBRITANNIEN zu Vermittlungsversuchen in Hafenstadt eintrifft, scheint DEUTSCHLAND Interesse an Konflikt zu haben, um seinen Einfluss in Ostasien auszuweiten; Russland hatte zuvor Mandschurei-Konvention von 1902 aufgekündigt, wonach gesamte Mandschurei zu China gehören sollte und Japan angeboten, Korea in Nord und Süd aufzuteilen, was Japan abgelehnt hat und inzwischen dementiert (mit AP); USA befürchten, dass "fest verankerte Freundschaft" mit Russland durch den Vertragsbruch zerstört werden könnte und Verhalten nicht akzeptabel sei, wenn "us-amerikanischer Handel dadurch schweren Schaden" erleiden sollte; Mehrheit der russischen Kriegsschiffe in ostasiatischen Gewässern; Angeblich bis zu 100.000 russische Streitkräfte auf Weg in Mandschurei.

Kolumbien

Spaltung der konservativen CCP vertieft sich vor anstehenden Präsidentschaftswahlen, nachdem nun auch General Ospina Absicht ankündigt, bei Wahlen anzutreten, wobei General Reyes bereits offizieller Kandidat ist; Ospina befindet sich nach Putschplänen 1901 in USA; VENEZUELAs Armee nach Bürgerkrieg weiter auf Seiten der Rebellen involviert, wofür venezolanischer Präsident Castro für Schuldentilgung bestimmte Gelder aus Staathaushalt beschlagnahmt, womit er erneuten Konflikt mit DEUTSCHLAND, GROSSBRITANNIEN und FRANKREICH riskiert; US-Außenminister Hay trifft mit Vertreter der Panamakanal-Gesellschaft FRANKREICHs zu Gesprächen zusammen; US-Senat geht nicht von Lösung mit Kolumbien aus.

Zentralamerika / Karibik

Nicaragua und GUATEMALA drohen HONDURAS und EL SALVADOR mit Krieg; GROSSBRITANNIEN und FRANKREICH einigen sich auf gemeinsames Vorgehen in HAITI; Großbritannien und USA einigen sich wohl auf Nicaraguakanal-Vertrag (mit Reuters); USA wollen Anbau von Baumwolle auf KUBA fördern; Experimente zur Elektrizitätsgewinnung aus Erdöl auf TRINIDAD.

9 Quellen

26.09.2023 — USA / Europa / Essequibo

Meldung

(2).

Rund 100 Jahre später sollte dann aber nicht eine europäische Nation die Weltmacht der Briten ersetzen, sondern die 1823 noch recht jungen Vereinigten Staaten von Amerika. Die Nachricht über die Kriminalisierung des Sklavenhandels durch die Regierung Monroe mag auf den ersten Blick verwirrend sein, da es doch die USA waren, die erst in den 1860ern die Sklaverei ganz abschafften und Großbritannien deutlich früher (dazu kommen wir gleich). Der Sklavenhandel im Atlantik war Anfang des 19. Jahrhunderts noch unter wichtigem Einfluss Großbritanniens, das zwar 1807 selber Sklavenhandel abgeschafft hatte, nicht aber die Sklaverei an sich und dessen strategischer Verbündeter Portugal weiterhin Sklavenhandel im großen Maß betrieb. Die Nachricht aus dem gewaltsam niedergeschlagenen Sklaven-Aufstand in der britischen Kolonie DEMERARA-ESSEQUIBO, dem heutigen Guyana, spiegelt genau das wieder. Die USA betrieben mit ihrer Kriminalisierung des Sklavenhandels also vermutlich eine anti-britische Politik, die zudem in Zeiten diplomatischer Spannungen mit dem ehemaligen Kolonialherren stattfand. Diese Nachricht ist der Vorläufer der Monroe-Doktrin aus dem Dezember 1823, die auf die Parole "Amerika den Amerikanern" verkürzt werden kann. Sie führte einerseits dazu, dass sich in ganz Amerika von Europa unabhängige Staaten bilden konnten, aber sie bereitete auch die Grundlage dafür, dass die USA einen großen Teil der in Nord- und Südamerika stattfindenden Politik als ihre Innenpolitik wahrnahmen, was im 20. Jahrhundert in den militärischen Invasionen von Panama 1989, der Dominikanischen Republik 1965 und Grenada 1983 gipfelte, sowie in der Unterstützung von Militärputschen in Chile 1973, Guatemala 1954 und Brasilien 1964. Auch heute noch wirkt sich die Moroe-Doktrin beispielsweise militärisch durch das US-Südkommando, sowie wirtschaftlich und politisch durch das Sanktionsregime gegen Kuba, die US-Dollar-Hegemonie und die US-Macht über Internationaler Währungsfonds und Weltbank, sowie natürlich kulturell aus. Bei dem Sklaven-Aufstand in Guyana beging die britische Kolonialverwaltung übrigens den Kardinalfehler, nicht nur afro-amerikanische Sklaven zu töten, sondern auch einen Weißen, den anti-Sklaverei-Missionar John Smith. Seine Hinrichtung im Februar 1824 verstärkte in Großbritannien die öffentliche Meinung, neben dem Sklavenhandel solle auch die Sklaverei abgeschafft werden, was 1833 geschah.

An die Stelle der Sklaven als wichtigste Arbeitskraft traten in Nord- und Südamerika Vertragsarbeiter+ und Migranten+ die nicht minder ausgebeutet wurden. Auch in EUROPA war 1823 eine gesellschaftliche Transformation im Gange, an deren Ende der industrialisierte Kapitalismus stand. Die Nachricht über die Armutszahlen in Europa entnahm ich einer englischsprachigen Zeitung, die von sogenannten "Paupern" spricht, also wörtlich übersetzt "Armen". Dieser Begriff war zentral in den Anfängen der Industrialisierung, als die "Pauperisierung", also Verarmung der ländlichen Bevölkerung voranschritt. Karl Marx bezeichnet diesen Zeitabschnitt als "ursprüngliche Akkumulation" und 1823 wurde darüber - zumindest in Zahlen - berichtet.

Zuletzt ein HINWEIS: Die Aktualität der in den Nachrichten vom 26. September 1823 variiert ganz deutlich. In der Karlsruher Zeitung kann man lesen, welche Blumen gerade aktuell im Schlossgarten blühen und in vielen Zeitungen spiegelt sich das aktuelle gesellschaftliche Leben wieder mit Heiraten und Todesfällen, sowie in der Wiener Zeitung mit einem Wohnungsmarkt. Je weiter der Schauplatz entfernt ist, desto länger braucht die Nachricht, um zur Redaktion zu gelangen. Europäische Medien berichten relativ aktuell über die Kriege in Spanien und Griechenland und die Zeitung aus Barbados weiß relativ aktuelle Nachrichten aus Guyana zu berichten. Aber die Nachricht aus Peru ist tatsächlich eine Nachricht aus dem April 1823 und die seltene Nachricht aus China ist, so im Artikel geschrieben, auf dem Stand von Januar 1823. Wer weiß schon, durch wie viele Hände sie gegangen sein mag!

2 Quellen

26.09.2023 — Spanien / Griechenland / Peru

Meldung

Begleittext zu den Nachrichten vom 26. September 1823 (1).

Das Jahr 1823 ist kein Epochenjahr, wie das Jahr der Französischen Revolution 1789 oder 1815, dem Jahr des Wiener Kongresses - die meisten unter uns dürften recht wenig oder gar nichts mit diesem Jahr in Verbindung bringen. Ein Blick in die Nachrichten von vor 200 Jahren kann uns jedoch ein Bild geben, was in dem Zeitraum geschah und wie doch alles in das größere Geschichtsbild passt, das wir in der Schule oder sonst wo vermittelt bekommen.

Die Welt von damals stand noch sehr unter dem Einfluss vergangener Revolutionen und den napoleonischen Kriegen. In SPANIEN wurde gerade die Revolutionsregierung von einer französischen Invasion niedergeschlagen, die das Ziel hatte, jegliche progressive Ideen, die Napoleon als zweifelhafter Botschafter der Französischen Revolution in die Welt gebracht hatte, auszulöschen. Frankreich wurde dabei unterstützt von den absoluten Monarchien der "Heiligen Allianz" Russlands, Österreichs und Preußens, und es wurde toleriert von Großbritannien. Großbritannien bremste die französischen Ambitionen eher aus, da es befürchtete, die Heilige Allianz könne ihren Einfluss auf Nord- und Südamerika ausweiten, von dem wir gleich noch hören werden. Auch weitere Königreiche, wie in den Nachrichten vor 200 Jahren von Dänemark und Sizilien zu lesen, unterstützen die französische Invasion. Heute würde man diesen Krieg als "Topmeldung" bezeichnen. Auf der anderen Seite des Mittelmeers entstand damals in einem lang anhaltendem Unabhängigkeitskrieg die Republik GRIECHENLAND, die sich aus dem Osmanischen Reich herauslöste. Auch sie stand im Einfluss der Idee einer "Republik", die in den Jahrzehnten zuvor von Frankreich aus exportiert worden war.

Griechenland kämpfte somit in der selben Zeit wie viele lateinamerikanische Länder für seine Unabhängigkeit. Spanien, der Kolonialherr der meisten Gebiete in Nord- und Südamerika, war durch die Invasion durch Napoleon seit 1807 stark geschwächt und konnte seine Kolonien nicht mehr halten. In Südamerika kämpfte im Süden General San Martín für die Unabhängigkeit Argentiniens, Chiles und schließlich PERUs und im Norden befreite General Bolívar die Region von VENEZUELA bis Ecuador von den spanischen Truppen. Die Nachricht aus Peru ist besonders interessant, da hier San Martín und Bolívar miteinander kooperierten, obwohl sie sonst eher unterschiedliche Ideen für die Zukunft des Kontinents hatten - San Martín war Monarchie-Befürworter und Bolívar rief Republiken aus. Der schwierige Charakter der französischen Revolution zeigte sich in den Nachrichten an diesem Freitag jedoch besonders in MEXIKO, wo vom abgesetzten Kaiser die Rede war, der nach der Unabhängigkeit von Spanien für etwa 1 Jahr nach dem Vorbild des Kaisers Napoleon regierte. Die Region war also instabil und die britischen Sorgen, die "Heilige Allianz" könne daraus Kapital schlagen, sind durchaus nachvollziehbar.

2 Quellen

26.09.2023 — Spanien / Osmanisches Reich / Amerika (historische Ausgabe vom 26.09.1823)

Spanien

FRANKREICHs Premierminister Villèle trifft sich mit Botschafter und Außenminister GROSSBRITANNIENs, um gemeinsam neue Verfassung für Spanien zu schreiben, wo nach der Invasion durch französische Truppen revolutionär-napoleonische Regierung Valdés gestürzt wird und absolute Monarchie wieder eingesetzt werden soll; weiter Kämpfe rund um Pamplona und Cádiz; Napoleonischer General Rotten vollzieht Massenmobilisierung in Barcelona gegen französische Truppen; Spanisches Königshaus leiht sich 9Mio$ von Frankreich zur Kriegsfinanzierung; Königreich beider SIZILIEN verkündet Blockade spanischer Häfen; DÄNEMARK kündigt an, nur spanische Monarchie zu unterstützen.

Amerika

US-Regierung Monroe erklärt jeglichen Sklavenhandel zu Akt der "Piraterie" und ruft alle Staaten, mit denen sie diplomatische Beziehungen führt auf, es ihnen gleich zu tun; Botschafter von GROSSBRITANNIEN verlässt USA nach gescheiterten Gesprächen über Umgang der USA mit britischen Karibik-Kolonien, wo Sklaverei weiter besteht.

China / Großbritannien

Schäden durch Großbrand von Kanton im November 1822 für britische Ostindien-Kompanie geringer als erwartet, wobei Baumwolle-Importe wegen geringerer Verarbeitungskraft abnehmen; Opium-Handel nimmt zu; rund 13.480 Gebäude zerstört.

8 Quellen

31.08.2023 — Gabun / Niger / Mali

Großbritannien

Verteidigungsminister Wallace tritt zurück; hatte schnelle und weitreichende Hilfe UKs für UKRAINE nach Beginn des Krieges organisiert (von DZylbersztajn-Lewandowski).

13 Quellen

24.05.2023 — Libyen / Pakistan / Deutschland

Großbritannien / Albanien

Zahl neuer Migranten+ stieg 2023 trotz restriktiver Einwanderungspolitik der Regierung Rishi Sunak deutlich; Labour-Chef Starmer kündigt an, bei wahrscheinlichem Wahlsieg Ausbildungsmöglichkeiten für einheimische und eingereiste Bevölkerung zu verbessern (von SBorger); 80% der britischen Unternehmen beklagen Fachkräftemangel, u.a. wegen harter Einwanderungspolitik (mit dpa); Albanische Regierung Rama will 200 Häftlinge aus Großbritannien mit albanischer Staatsangehörigkeit aufnehmen (von FSinoruka); 2022 waren Albaner+ wegen ihrer hohen Zahlen bei Überquerung des Ärmelkanals im Zentrum von anti-Migrationsrhetorik.

20 Quellen

21.05.2023 — Osttimor / Griechenland / Großbritannien

Großbritannien

Bei Kommunalwahlen in Nordirland gewinnt erstmals pro-irische Sinn-Sinn Féin-Partei; unterlegene DUP blockiert seit Anfang 2022 Regierung in Nordirland (von RSotscheck).

18 Quellen

März 2023

Meldung

März 2023 In diesem Monat ist eine bemerkenswerte Zunahme der Berichterstattung über westasiatische Länder und nordafrikanische Länder zu verzeichnen. Das liegt nicht nur an bemerkenswerten diplomatischen Erfolgen bezüglich Iran, Saudi Arabien und Syrien, sondern auch daran, dass ich drei neue Quellen über Nachrichten aus dem arabischen Raum benutze. Das sind MiddleEastEye aus Großbritannien, Arab News aus Saudi Arabien und al Monitor aus den USA. Bei Berichterstattung über Länder Westasiens wird immer wieder der Vorwurf laut, dass sie für die eine oder andere Gruppe Partei ergreifen - übt euch also bei jeder Lektüre in Medienkompetenz, auch zu Nachrichten in diesem Kanal. In Afrika lag der Fokus auf die Länder im Horn von Afrika und die Demokratische Republik Kongo, in Europa auf die Proteste in Frankreich und in Asien weiterhin auf die potenziellen Konflikte im Indopazifik.

0 Quellen

07.03.2023 — Großbritannien / Demokratische Republik Kongo / Georgien

Großbritannien

Regierung Rishi Sunak verkündet schärfere Abschieberegeln für Migranten+, die über Ärmelkanal flüchten; 2022 45.000 Überquerungen; demnach sollen Bootsflüchtlinge inhaftiert und binnen 28 Tagen in ihre Herkunftsland oder Drittland, wie RUANDA, abschoben werden; Innenministerium nimmt in Kauf, dass dabei Menschenrechte verletzt werden könnten; Oppositionspartei Labour kritisiert "aufwieglerische Sprache" und dass Plan unumsetzbar sei; NGO kritisiert, dass Kriminalisierung der Migranten+ britische Verpflichtungen in der UN-Flüchtlingskonvention "zunichte machen" würde.

13 Quellen

27.02.2023 — Mexiko / Ecuador / Nepal

Meldung

UK und EU einigen sich auf neues Post-Brexit-Abkommen zu Nordirland, dessen Grenze zu IRLAND und Seegrenze zu Großbritannien seit Brexit Streitthema waren; neues Abkommen wird Zollarbeit an Seegrenze verringern und britischen Richtern Hoheit über die Umsetzung von EU-Recht an irisch-nordirischer Grenze geben, die weiter offen bleiben soll.

6 Quellen