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USA / Deutschland / Argentinien

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Peronismus Durch die anlaufende Industrialisierung wuchsen die Städte durch den Zuzug der Landbevölkerung und eine neue Arbeiterschicht entstand, die ihre Rechte einforderte. 1943 wurde Juan Domingo Perón Arbeitsminister der damaligen Militärregierung. Sie hatte im selben Jahr die zivile Regierung gestürzt, die zuvor den Kriegseintritt gegen Nazi-Deutschland in Aussicht gestellt hatte. Die Militärregierung hatte sich dagegen gestellt, da sie selber zum Teil Freunde des Faschismus waren, aber auch, weil sie sich nicht mit den Briten und den US-Amerikanern verbünden wollten, die Argentinien ausbeuteten. Argentinien entschied sich für den Dritten Weg, der von beiden Seiten des Weltkriegs übel genommen wurde und wird. Auch Perón zufolge waren die Alliierten Großbritannien und USA der treibende Motoren für die neokoloniale Abhängigkeit Argentiniens. Als Arbeitsminister unterstützte Perón die Gewerkschaftsbewegung und führte sie so erstmals ins aktive politische Leben ein. Bis dahin hatten die großen arbeitenden Bevölkerungsgruppen keine soziale und politische Repräsentation. Mit ihrer Hilfe wurde er 1946 zum Präsidenten gewählt und schlug einen demokratischen, deutlich weniger faschistoiden Weg ein. In seinen vielen Sozialprogrammen und Verfassungsreformen führte es den Acht-Stunden-Tag ein, ermöglichte Tarifverhandlungen, gründete eine Sozialversicherung für Arbeiter, führte das Wahlrecht für Frauen, sowie Gleichstellung in der Ehe ein, Verstaatlichte die Infrastruktur (zuvor in Hand ausländischer Investoren und argentinischer Eliten), industrialisierte das Land, machte die Grundschulbildung kostenlos, verbot rassistische Diskriminierung und löste die Universitäten von staatlicher Kontrolle. Kurz: Er errichtete einen linken Wohlfahrtsstaat auf der Basis kapitalistischer Mischwirtschaft mit erheblichen staatlichen Eingriffen. So wurde Argentinien zum egalitärsten Staat Amerikas, also mit der am engsten geschlossenen Einkommensschere. Wahre Volkspopularität verschuf ihm seine Frau Evita, die 1952 mit nur 33 Jahren starb. In Europa blicken wir heute auf Perón als ein Nazi-Kollaborateur zurück, der nach Kriegsende zahlreiche NS-Kriegsverbrecher aufnahm… ebenso wie die Alliierten in ihren Ländern, Kolonien und Besatzungszonen, oder auch der Vatikan. Der Begriff der „Rattenlinien“ wurde von US-Geheimdiensten geprägt, die damals schon um die Macht- und Kapitalinteressen US-amerikanischer Unternehmen in Argentinien fürchteten und daher 1946 eine Wahl Peróns verhindern wollten. Natürlich sind viele Nazis nach Argentinien ausgewandert und Perón unterhielt sehr gute Verbindungen zu Francos faschistischem Spanien. Doch der außereuropäische Faschismus war ein Teil des Versuchs, sich der Biploarität des Krieges im globalen Norden zu entziehen, insbesondere der angelsächsischen Dominanz. Der Faschismus war auch in Argentinien nur eine kleine Stütze zum Einschlagen des sogenannten „Dritten Wegs“ in Zeiten des Kalten Kriegs, wie in Österreich, Spanien, Jugoslawien, später Indien. Nach Peróns Wiederwahl 1951 veränderte sich sein Regierungsstil mit der zunehmenden Polarisierung des Landes in Peronisten und Anti-Peronisten zu mehr Repression: anti-peronistische rechts-faschistische Oppositionsparteien, die von der US-Botschaft unterstützt wurden, wurden verboten, ebenso wie die Koalitionsbildung im Parlament. Außerdem wurde die übermächtige Oppositionspresse, die mit Pseudo-Informationen (Fake News) jede Regierungsarbeit unmöglich machte, verboten. 1955 wurde Perón mit brutalen Massakern an Zivilisten durch das Militär, unterstützt von der katholischen Kirche und den Oligarchen aus dem Amt geputscht und der Peronismus verboten, von dem damals gut 40% der Bevölkerung Anhänger war. Perón exilierte sich nach Spanien. Die Regierungen von 1955 bis 1973 waren entweder zusammengesetzt aus brutalen europäisch-rechts-faschistischen Militärs, oder ihren Marionetten.

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USA / Iran / China

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Der Kampf gegen den Terrorismus in den USA nahm eine neue Form an, nachdem Trump die nächtlichen Plünderungen nach Protesten gegen rassistische Staats- und Polizeigewalt „Inlandsterrorismus“ (2.9) nannte und bald darauf ankündigte, die Antifa als eine „Terrororganisation“ zu kennzeichnen, um den Antifaschismus in den USA stärker bekämpfen zu können und die Gesellschaft weiter in ihrer Hollywood-Blase zu polarisieren. Wo Hollywood ist, ist Krieg. Dementsprechend viele Milizen haben sich in den letzten Monaten gebildet (6.9). Das Anti-Rassismus-Training wird ausgesetzt (5.9). Städte mit besonders viel Kriminalität bekommen weniger Geld (21.9). Mit dem Tod der Verfassungsrichterin Ginsburg (19.9) droht den USA jetzt auch noch eine Verfassungskrise. Und auch international waren die USA in den Schlagzeilen mit widerrechtlichen Sanktionen gegen den Iran (20.9), China (16.9) und Sanktionen gegen Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs (3.9).

Nicht nur die USA gaben uns im September viele schöne Anlässe, über Recht und Gerechtigkeit zu verzweifeln, sondern auch unser Nachbarland Frankreich, jedoch nicht in erster Linie wegen der Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land (29.9), sondern wegen Macrons kolonialem Umgang mit dem Libanon, einem ehemaligen Protektorat. Schon vor der Explosion von Beirut (4.8) war das Land hoch verschuldet und seit Jahrzehnten in einem Kreislauf aus immer wiederkehrenden Staatskrisen gefangen. Die Regierung trat zurück (08/20) und der Technokrat Adib wurde mit der Regierungsbildung beauftragt. Macron nahm sich das Recht, bei einem Besuch in Beirut einen neoliberalen Reform-Katalog auszubreiten, unter dem die libanesische Bevölkerung stark zu leiden gehabt hätte, und der in erster Linie ausländischen Geldgebern genützt hätte (2.9). An diesen „Vorschlag“ knüpfte er auch bald die Androhung von Sanktionen (5.9) an, sollten diese Reformen nicht von einer künstlich schnell gebildeten Regierungen in einem engen Zeitplan durch das Parlament geprügelt werden. Damit greift Frankreich gehörig in die Souveränität des Libanon ein. Bei einem Treffen zwischen Aoun und Adib dachten sie mit Unterstützung der Hisbollah offen über die Ignorierung von Macrons Erpressung nach (14.9,16.9,17.9), relativierten dieses Statement aus diplomatischen Gründen wieder (21.9) und fuhren fort, jede Regierungsbildung zu torpedieren, indem Premierminister Adib zurücktrat (26.9) und die Regierungsbildung nun wieder in Händen des Präsidenten ist, der aber legal keine Regierung ohne Premierminister bilden kann. Dieses politische Manöver verleitete Macron dazu, ausnahmslos alle Parteien im Libanon zu beschimpfen (28.9). To be continued.

Großbritannien verstößt auch gegen internationales Recht, da Johnson den Termin des Brexit unilateral auf Mitte Oktober verlegte. Wie so oft im Brexit-Mehrteiler wird es wohl auch diesmal zu einer Last-Minute-Entscheidung kommen, die in den Sternen steht.

Das vielleicht dunkelste Kapitel der Geschichte der EU ist ihr Umgang mit hilfesuchenden Flüchtlingen. Mit dem Brand des Flüchtlingslagers Moria (9.9) auf der griechischen Insel Moria ist dies nur ein weiteres mal brutal (21.9) vor Augen geführt worden. Die europäische Zivilgesellschaft wird nicht gehört (16.9,18.9) und statt die Flüchtlinge human (12.9,15.9) zu behandeln, entscheiden die Regierungen über die Köpfe aller. Dementsprechend verspricht eine Reform des EU-Asylrechts (23.9,25.9) zwar eine Umverteilung neu ankommender Flüchtlinge, aber auch entschieden härtere Maßnahmen gegen ihre unmittelbare Flucht nach Europa.

Dass Rechtsextremismus bei der Polizei in Deutschland ein Problem sein könnte, wurde lange Zeit ignoriert, oder aktiv verschwiegen (18.9). In diesem Monat ist eine Welle (16.9,19.9,24.9) von Indizien und Beweisen für flächendeckenden Rassismus und Rechtsextremismus bekannt geworden. Auch die AfD hat scheinbar (k)ein grundlegendes Problem mit Rechtsextremismus (20.9,22.9,25.9).

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Libanon / Beirut / Mali

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Der Libanon glitt nach der gewaltigen Explosion im Hafen der Hauptstadt Beirut (4.8) in eine Staatskrise. Dabei explodierten 2500t des explosiven Düngemittels Ammoniumnitrat und die machten 300.000 Stadtbewohner (5.8) vorübergehend obdachlos, da ihre Wohnungen zerstört oder unbewohnbar wurden. Kurz darauf entflammten Proteste für schnelle humanitäre Hilfe (7.8,14.8) und Lösung der Schuldfrage (8.8). Bald entwickelten sie sich zu anti-Regierungsprotesten und Protesten gegen die Hisbollah-Organisation, die seit 1983 stärkste innenpolitische Kraft (18.8) ist. Darauf bezog sich wohl der Premierminister Diab, als er bei seinem Rücktritt (10.8) von "Korruption, größer als Staatsystem" sprach.

Zu Mali hatte ich im letzten Monat eine Fehleinschätzung gegeben. Ich hatte geglaubt, die zivile Protestbewegung würde zu Reformen in dem Land führen, die möglicherweise die vielen Probleme des Landes hätten bearbeiten können. Doch es kam zum Militärputsch (18.8) gegen Präsident Keita und seine Regierung, wohlgemerkt in der Anwesenheit von 12.000 UN-Soldaten und 5000 französischen Truppen. Dass der Putsch keinen positiven politischen Wandel eingeleitet hat, zeichnete sich bereits ab, als bekannt wurde, dass der an die Macht gekommene Militärrat keine politische Agenda hat (19.8), außer der Machterhaltung bis 2024 (24.8). Die hohe ausländische Militärpräsenz im Land, besonders durch Frankreich, war ein Kernthema bei den zivilen Protesten, die sie als einen Grund für die vielen Krisen Malis sah. Doch der neue Militärrat hat kein Interesse daran, daran etwas zu ändern. Bemerkenswert waren an der auf den Putsch folgenden Staatskrise die Vermittlungsversuche der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, die sich mehr und mehr wie die EU in Europa verhält: ein einheitlicher Währungsraum mit der Eco-Währung, eine dazugehörige Zentral- und Notenbank und jüngst eben eine geschlossene innenpolitische Einmischung in Mali (21.8,22.8), während die Afrikanische Union in der Hinsicht eher versagte.

In Afghanistan kommt es im Namen kommender Friedensverhandlungen zu einem Gefangenenaustausch sondergleichen zwischen der Regierung und der Taliban. Die Zahlen der freigelassenen Taliban-Soldaten nahm über die letzten Monate so zu, dass die Frage gestellt werden muss, wie lange das noch gut geht. Es könnte zu einem Kippmoment kommen, da es genug freigelassene Taliban gibt, um den Druck auf die Regierung zu erhöhen und zu besseren Konditionen verhandeln zu können oder im schlimmsten Fall gar die Verhandlungen abzubrechen und den Krieg fortzuführen. Zu den 60.000 Taliban-Kämpfern wurden allein im August 717 freigelassen (2.8,14.8). Die Muslimbruderschaft in Ägypten hat im August zwei schwere Schläge erlitten. Zuerst starb einer ihrer wichtigsten Anführer nach medizinischer Vernachlässigung in Haft (13.8). Dann wurde ihr wichtigster Anführer inhaftiert (28.8). Die Muslimbruderschaft wurde 1928 als eine religiöse Unabhängigkeitsbewegung gegründet und wurzelt in der Arbeiterschaft, die für den Bau des Suez-Kanals durch Frankreich und seiner Erhaltung durch Großbritannien ausgebeutet wurden. Aus dem anti-Kolonialismus entwickelte sich bald eine beinahe bildungsbürgerliche Bewegung, die Ägypten seit bald 100 Jahren als Oppositionsbewegung beeinflusst, in der sich manche auch mächtige Flügel islamisch radikalisierten. Nach dem Arabischen Frühling 2011 wurden ihr erstmals Regierungsarbeiten zuteil. Die Regierung Mursi wurde 2013 allerdings durch einen Putsch gestürzt, der dem Militär-Präsident el Abd al-Fatah as-Sisi an die Macht verhalf. 2013 wurde die Bruderschaft verboten und als Terrororganisation eingestuft. In Russland wurde der wichtigste Oppositionsführer Nawalny wohl vergiftet. Sein Überleben ist gesichert. Die Opposition von Simbabwe hat außerparlamentarisch (4.8), wie parlamentarisch (22.8) schwer unter der autoritären Staatsführung Mnangagwas zu Leiden gehabt.

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USA / Australien / Frankreich

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Juni 2020 (06/20) In diesem Monat wurden 2714 gewaltsam ermordete Menschen in den Nachrichten gezählt, davon die meisten aus West- und Zentralafrika, einige aus dem Himalaya und aus Mittelamerika. Anzumerken ist, dass in diesem Monat zwei Massaker mit über 500 Tote bekannt wurden, die aber schon früher stattgefunden hatten. 109 Weitere starben bei anderen Covid-unabhängigen Katastrophen.

Als Reaktion auf das Brechen der Ausgangssperren (31.5), um gegen Rassismus in den USA zu demonstrieren, begann der Monat Juni mit dem Einzug von 1700 Soldaten in Washington D.C., um den Präsidentenpalast zu beschützen, sowie der Besetzung weiterer Städte (1.6). Bei den Einsätzen von Sicherheitskräften gegen die größtenteils friedlichen Demonstrationen wurden Taktiken zur Niederschlagung gewaltsamer Proteste angewendet (5.6), viele Menschen verhaftet (3.6), verletzt (4.6) und über 100× Pressearbeit verhindert (2.6). Bewegungen in Australien (2.6), Frankreich (3.6), Brasilien (6.6), Nigeria (8.6), Indien (11.6), Kanada (12.6), der Afrikanische Union (13.6), Indonesien (13.6), Kolumbien (14.6) und Großbritannien (20.6) schlossen sich der globalen Gerechtigkeitsbewegung an. Auch besserte sich die Lage von lateinamerikanischen Einwandererkindern ein wenig (18.6). Trump hat nicht nur seine Bündnisse innerhalb der USA beschädigt, sondern auch die der NATO. Als eine "Strafe" für die niedrigere Beteiligung Deutschlands an der Finanzierung der NATO, will Trump nun 1/3 aller US-Truppen abziehen (6.6,16.6). NATO-Bündnispartner Frankreich und Türkei liegen wegen ihrer gegnerischen Verstrickung im Libyen-Konflikt ebenfalls im Klinsch (18.6), was sogar zu einem Austritt Frankreichs aus einer NATO-Mission führte. Der Libyen-Konflikt entwickelt sich auffällig zweigleisig. Nachdem General Khalifa Haftar im Osten des Landes seit April 2020 schwere militärische Rückschläge (04/20,05/20) erlitten hatte, begannen, insbesondere unter Federführung Ägyptens (6.6) zunächst Gespräche über eine Waffenruhe (2.6), die dann jedoch von der UN-anerkannten Regierung Libyens mit einer Offensive auf die Großstadt Sirte mit Unterstützung der Türkei (auch in Syrien (25.6) und Irak (15.6) tätig) zunichte gemacht wurden (7.6,28.6), woraufhin Ägypten Teile seiner Truppen mobilisierte (21.6). Die seit Scheitern der Berliner Libyen-Konferenz (02/20) angebotenen Vermittlungsversuche Algeriens (13.6) scheinen da bestenfalls gutgläubig. Auch wenn zahlreiche Verbündete, wie die israelische Bevölkerung (7.6), israelische Siedler (4.6), diplomatische Vertreter befreundeter Länder (23.6), oder die Vereinigten Arabischen Emirate (1.6) Israel von der Annexion 30% Palästinas abraten, bleibt die demokratisch gewählte Regierung weiter auf Kurs, mit der Ankündigung das Völkerrecht (laut https://de.m.wikipedia.org/wiki/Interimsabkommen_über_das_Westjordanland_und_den_Gazastreifen) zu brechen. Stunde Null sollte am 01. Juli erfolgen, ist aber nicht. Das sogenannte chinesische Sicherheit-Gesetz für Hong Kong trat zuletzt in Kraft. Es bedeutet eine direkte Hoheit Chinas über den Kontrollapparat des Stadtstaats und eine Einführung von Straftatsbeständen, die die Demokratie-Bewegung ersticken sollen. Verschärft wird die Situation in Hong Kong durch einen erneuten Corona-Ausbruch an den Küstenmetropolen Chinas. Ob, wie und wann eine zweite Corona-Welle uns erreicht, scheint zu einer politischen und damit ideologisierten Frage geworden zu sein. Tatsache ist, dass die meisten Infektionsfälle in Statistiken nicht vorkommen, und harmlos verlaufen. Trotzdem gibt es einen, sich exponentiell vernschnellernden Aufwärtstrend und immer mehr Tote (aktuell 515.000). Auf dieses Tohuwabohu reagieren die Länder unterschiedlich mit Lockerungen der Maßnahmen, Wiederaufnahme, oder Verschärfung. Jedenfalls ist die politische Instabilität in den meisten betroffenen Ländern (insbesondere in Lateinamerika) verschärft, und somit global. Die wirtschaftlichen Folgen sind noch nicht abzuschätzen, aber schon jetzt kolossal.

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USA / Indien / Großbritannien

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Nicht vergessen! Die Geschichte Nigerias von 1979 bis 1999 ist mehr oder weniger die selbe, wie die von 1960 bis 1979. Die Korruption und Vetternwirtschaft der Zivilregierung unter Shagari zerstörte den Glauben der Nigerianer an ihre demokratisch gewählte Regierung und führte zu einer breiten Zustimmung, als General Muhammadu Buhari seinen Putsch durchführte. Buhari scheiterte schließlich daran, seine Generäle auf Linie zu halten und wurde gestürzt, wie es 1966 bereits bei Generalmajor Aguiyi-Ironsi geschehen war. Die Wiederholung der Geschichte der wichtigsten wirtschaftlichen und bevölkerungsreichsten Nation Afrikas war ein Dämpfer für den gesamten Kontinent. 1985 kam der in Indien, Großbritannien und Nigeria militärisch ausgebildete General Ibrahim Babangida aus dem Norden des Landes an die Macht. Die neue Regierung bestand ausschließlich aus Militärs, die sich gegenseitig konkurrierten. Sie führten Shagaris Schuldnerpolitik fort, sodass Nigeria 33 Milliarden $ Schulden hatte. Während seiner Amtszeit wurde das Wort "Korruption" synonym mit Nigeria, und ein global wirkendes, höchst wirksames Kriminalitätsnetzwerk entstand. Denn durch den wirtschaftlichen Niedergang brachen der nigerianischen Bildungselite legale Geschäftszweige weg, weswegen sie in den Rauschgifthandel und Waffenhandel einstiegen, sowie in Betrügereien in den USA, aus denen im Internetzeitalter die berühmten Mails von nigerianischen Prinzen entstanden. Babangidas Politik war einzig darauf ausgerichtet, an der Macht zu bleiben und diese auszubauen. Die brennenden Probleme der Nigerianer fielen hingegen flach. Babangida unterdrückte die Bevölkerung allerdings nicht so, wie es Muhammadu Buhari gemacht hatte und war sogar relativ beliebt. So erkannte er beispielsweise gewisse Grundrechte der Menschen an, befreite die Presse und kündigte Aktionen gegen die Arbeitslosigkeit an.

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USA / Kanada / Australien

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Nicht vergessen! Die Geschichte Nigerias nahm in den 1980er Jahren einen Verlauf, wie er in einigen anderen Ländern der Tropen auch erkennbar ist. Das Bild des Hungernden Kindes im Biafra-Krieg hatte sich bis 1984 ergänzt um Bilder von verhungernden Kambodschanern, Äthiopiern, Mosambikanern und Mauretaniern. Doch diese Bilder spiegelten nur die Wirklichkeit in kleineren Notstandsgebieten wider. Mit schleichendem Hunger, mit Fehl- und Unterernährung, die nach außen weniger sichtbar sind, wurden 1984, davor und danach, etliche Länder nicht fertig. Von 350 Millionen Subsaharaafrikanern lebten beinahe die Hälfte unterhalb der Armutsgrenze, 90 Millionen waren schlecht ernährt. Laut UNICEF starben damals weltweit pro Tag 40.000 Kinder, die wenigsten unmittelbar an Hunger, sondern an einer fatalen Mischung: an Infektionskrankheiten, Durchfall, mangelnder Hygiene und Unterernährung. Die Menschen waren nicht wegen Nahrungsmangel unterernährt, sondern wegen ihrer Armut. Die Weltnahrungsproduktion reichte 1984 statistisch für alle Menschen aus, doch der hohe Fleischkonsum der reichen Industriestaaten (damals USA, Kanada, Australien und Europa) verschlang sehr viel Getreide. Denn Kühe und Schweine sind sehr aufwendige Eiweißproduzenten. 40% des Weltgetreides wurden als Viehfutter verwendet, 60% waren es in der BRD. Knapp die Hälfte der Futtermittelimporte der Bundesrepublik kam aus Ländern der "Dritten Welt", in denen ein Teil der Bevölkerung unterernährt war. So auch aus Nigeria, das von seiner Kolonialmacht Großbritannien eine auf den Export ausgerichtete Landwirtschaft geerbt hatte. Einerseits wurden also viele Lebensmittel exportiert, andererseits nahm die Nahrungsmittelproduktion seit der Unabhängigkeit auch tatsächlich um 10%-20% ab, da Industrialisierung nach westlichem Vorbild stärker gefördert wurde. Als dritte, wohl unmittelbarste Faktoren kamen Dürren durch Überweidung, Abholzung und Überbeanspruchung der Böden hinzu. Der Agrargigant Nigeria wurde schließlich abhängig von Lebensmittelspenden aus den USA und Europa in Form von Weizen. Dadurch brach der nigerianische Markt für Weizen zusammen und viele Landwirte verloren ihre Existenzgrundlage. 100.000 Menschen verhungerten Ende der 1970er und Anfang der 1980er in Nigeria und seinen angrenzenden Ländern. Der Teufelskreis führte dazu, dass der Bedarf an Nahrungsmittellieferungen aus dem Westen für Afrika von 4,3 Millionen Tonnen 1983 auf 5,3 Millionen Tonnen 1984 stiegen, schließlich auf 40 Millionen Tonnen im Jahr 2000.

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USA / Nigeria / Großbritannien

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Nicht vergessen! Bis zur Ölkrise 1973 und dem damit einhergehenden Preisverfall erlebte Nigeria einen Ölboom, von dem der Oberste Militärrat unter Gowon profitierte, der Nigeria regierte. Der Oberste Militärrat bestand seit 1967 bestand ausschließlich aus Generälen, die sich gegenseitig bekämpften. Im Juli 1975 wurde Gowon von seinem ehemaligen Verbündeten Murtala Mohammed aus seinem Amt gepuscht, aber am Leben gelassen. Im Februar 1976 folgte ein weiterer Putsch, bei dem Murtala getötet wurde und General Buka Suka Dimka sich an die Spitze des Militärrats befördern wollte. Doch statt des mächtigen General Olusegun Obasanjo tötete Dimka eine falsche Person. Da Dimka nicht genug Rückhalt unter den Generälen hatte, floh er, wurde gefasst und im Mai 1976 zusammen mit 38 Weiteren öffentlich exekutiert. Statt seiner wurde Obasanjo nun Anführer Nigerias, der die Politik Murtalas fortführte, die daraus bestand, ein Gleichgewicht zwischen Norden und Süden beizubehalten. Mitte der 1970er hatte Nigeria eine Inflationsrate von 34% und die landwirtschaftliche Produktion war bei steigender Bevölkerungszahl von jährlich 3% rückläufig. Dagegen steuerte Obasanjo an, indem er in Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau und Landwirtschaft statt in Prestige-Projekte investierte. Mit der Unterstützung der Weltbank konnte er für diese Projekte eine Milliarde US-Dollar von mehreren Banken leihen; bis 1979 wuchs diese Summe auf fast fünf Milliarden Dollar. Trotzdem wurden beispielsweise von den 200.000 versprochenen neuen Häusern bis 1980 nur 28.500 gebaut. Neben der wichtigen Ölindustrie baute Obasanjo Wasserkraftwerke und Thermalwerke. Für die Bildung schuf Obasanjo sechs Millionen neue Schulplätze und verdoppelte somit ihre Anzahl. Durch diese innenpolitischen Maßnahmen, sowie seine guten Beziehungen in die USA und nach Großbritannien etablierte Obasanjo Nigeria als eine der größten Mächte Afrikas. Im Oktober 1979 trat Obasanjo von seinem Amt ab und überreichte dem ersten demokratisch gewählten Präsidenten Shagari die Macht.

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USA / Afrika / Welt

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Nicht vergessen! Entgegen allgemeiner Annahme war die Regierung von Biafra nicht ein von Rebellen kontrollierter Zusammenwurf, der unfähig wäre zu regieren. General Ojukwu, das Gesicht Biafras war der Sohn des reichsten Mannes von Afrika, der mit umgerechnet 4Mrd$ auch zu den reichsten Menschen der Welt gehörte. Dementsprechend hatte Ojukwu seine Bildung in Oxford genossen und hatte bereits in jungen Jahren ein beachtliches Vermögen angehäuft. Ihre Taktik gegen Nigeria war zunächst von Erfolg gekrönt. Eine Arbeitsgruppe von Schriftstellern und Künstlern malte Propaganda-Karikaturen, die in ganz Nigeria Anklang fanden, und schließlich auch jenseits der Grenzen Afrikas. Die Biafra-Story wurde zur Titelgeschichte in den westlichen Medien, auch wegen der damaligen Friedensbewegung, die ursprünglich gegen den Vietnam-Krieg entstanden war. Am 29. Mai 1969 setzte sich ein Student der Colombia-University Bruce Mayrock vor dem Hauptquartier der UNO in New York City selbst in Brand, um gegen die Biafra-Politik Nigerias zu protestieren, die er einen Genozid nannte. Daran starb er. Als der Druck der eigenen Bevölkerung immer größer wurde, entschieden sich die westlichen Unterstützerstaaten Nigerias für eine neue Strategie, die sich die Friedensbewegung sicher nicht so vorgestellt hatte. Großbritannien und die USA lieferten noch mehr Waffen und Militärausrüstung, um den Krieg zuendezubringen. Die Operation Tail-Wind begann in der letzten Dezemberwoche 1969 unter der Führung von Olusegun Obasanjo, der später zwei mal zum Präsidenten Nigerias gewählt werden würde. Nach drei Wochen war die Offensive erfolgreich beendet und General Ojukwu floh in die Elfenbeinküste. Sein Vize Philip Effiong erklärte am 14. Januar 1970 den Truppen Gowons die Kapitulation. Gowon verkündete die Nationale Versöhnung und den Neuaufbau Nigerias.

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USA / Tansania / Gabun

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Nicht vergessen! Neben den kriegsprofitierenden Briten waren auch die Franzosen tief im Biafra-Krieg verstrickt. Während die Briten den Norden Nigerias unterstützten, schlugen sich die Franzosen heimlich auf die Seite Biafras. Biafra wurde als Staat von Tansania, Gabun, Sambia, der Elfenbeinküste und Haiti anerkannt. Frankreich hatte bis 1963 die meisten seiner Kolonien in Afrika verloren und war dabei, den Status seiner Weltmacht zu verlieren. Daher bot es sich an, den neuen erdölreichen Staat in Westafrika zu unterstützen. Laut des französischen Präsidenten Charles de Gaulle hatte die Republik Biafra "eine gerechte und noble Daseinsberechtigung". Zusammen mit dem ivorischen Präsidenten Houphouët-Boigny und dem gabunischen Präsidenten Omar Bongo trug de Gaulle zur Verlängerung des Krieges bei, indem er Waffen, Nahrung für das Militär und Söldner bereitstellte. In seiner Rolle als Vertreter Biafras auf der internationalen Bühne klagte Frankreich den Genozid an den Bewohnern Biafras durch Aushungerung an. Neben den genannten Gründen war für Frankreich natürlich auch das Erdöl ein Grund für die Unterstützung Biafras. Der Staat Biafra hatte der französischen Erdölgesellschaft ELF Förderrechte für 7% des biafrischen Erdöls zugesichert, das bisher vom britisch-niederländischen Konzern Shell-BP gefördert worden war. Anfang Juni 1967 war es zum Sechtagekrieg zwischen einer Koalition aus Ägypten, Syrien und Jordanien gegen Israel gekommen, von dem zu Beginn nicht absehbar war, wie weitreich seine Folgen sein würden. Unmittelbare Folge war der Einbruch von Erdölexporten aus Saudi Arabien, Irak, Kuwait, Qatar, Bahrein, Algerien und Libyen, wodurch Europa 1/3 weniger Öl bekam; zudem sperrte der ägyptisch Staatschef Nasser des Suez-Kanal. In Deutschland stammten damals 76% der Erölimporte aus Arabien und dem Iran, in Frankreich 82% und in Großbritannien 73%. Seit der Suez-Krise 1956, bei der es auch einen Ölexport-Stopp gab hatte die Atlantische Wirtschaftsgemeinschaft OECD ein Geheimpapier ausgearbeitet, nach dem die Erdölversorung Westeuropas in einer vergleichbaren Ölkrise durch die USA, Venezuela, Iran und eben Nigeria gedeckt werden sollten. Nun schien es also so, dass Frankreich die Rolle des Zwischenhändlers zwischen Nigeria/Biafra und Westeuropa von den Briten übernehmen wollte. In der nigerianischen Hauptstadt Lagos begannen Proteste gegen Frankreich und weiteten sich bald auf die gesamte nigerianische Diaspora aus, als die Todeszahlen exponentiell anstiegen. Insbesondere in London und New York City demonstrierten Befürworter und Gegner Biafras nicht immer friedlich.

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Nigeria / Großbritannien

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Nicht vergessen! Nach der Sezession Biafras, erklärte Nigeria ihm den Krieg, von dem beide Seiten glaubten, ihn gewinnen zu können. Doch obwohl die nigerianische Armee schlecht ausgerüstet war und chronischen Mangel an jeder Art von Militärwerkzeug hatte, war Biafra noch schlechter dran. Bald schon wurde Nigeria vom ehemaligen Kolonialherren Großbritannien unterstützt. Großbritannien hatte reges Interesse an der Hoheit Nigerias über Biafra, weil die Erdölvorkommen im Südosten von Fulani-Eliten verwaltet wurden, die das Erdöl billig an die Briten verkauften und es sogar fördern ließen. Außerdem verdiente Großbritannien am Krieg, weil es Waffen an die nigerianische Armee verkaufte. Als Vorbereitungen auf den Krieg rekrutierten beide Seiten blitzartig hunderttausende junge Männer und bildeten sie grob aus. Die nigerianische Armee ging nach einem erfolgreichen Start von einem Ende des Krieges innerhalb weniger Wochen aus und irrte sich darin. Nach einem Jahr verhärteten sich die Fronten, es gab kein Weiterkommen.

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April 2020

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_April 2020_ Der heutige Monatsrückblick kommt nicht mehr darum herum, die Trennung zwischen von Corona abhängigen und unabhängigen Nachrichten aufzuheben. Denn der Ausnahmezustand durch die Pandemie begleitet teilweise politische Krisen, löst sie aber gleichzeitig auch aus. Niemand weiß, wie viele Menschen mit Corona infiziert, und wie viele an CoViD19 gestorben sind. In *Afghanistan* etwa kommt es noch immer zu teils schweren Kämpfen zwischen afghanischen Truppen, der Taliban und auch dem IS. Die USA hatten einen Gefangenenaustausch mit der Taliban initiiert, der nicht eingehalten wurde (12.4), was eine politische Krise ausgelöst hat, die dadurch über den Haufen geworfen wurde, dass einige Taliban-Mitglieder als Anti-Corona-Maßnahmen freigekommen sind. Gleichzeitig befand sich der afghanische Präsident Ghani in Quarantäne, nachdem ein enger Mitarbeiter an dem Virus gestorben war (18.4). In *Venezuela* spielen die USA ein Spiel mit verdeckten, aber transparenten Karten. Zum einen inszenierten sie sich als Vermittler zwischen Präsident Maduro und der Opposition (1.4), andererseits klagten sie Maduro wegen Drogen-Terrorismus an (26.3), setzten ein Kopfgeld von 15 Millionen Dollar auf ihn und seinen Regierungsstab aus und entsandten Kriegsschiffe vor die venezolanische Küste (2.4) *Corona in Europa* ist auf dem Rückzug. In allen im großen Stil betroffenen Ländern ist die Rate der Neuinfektionen inzwischen sinkend. Großbritannien und Schweden erlebten beispielsweise in diesem Monat den bisherigen Höhepunkt. Es bleibt abzuwarten, ob die schrittweise Aufhebung der Sondermaßnahmen gegen Corona zu einem erneuten Anstieg der Neuinfektionen führen wird. Eine abermalige Ausgangssperre ist für viele Menschen undenkbar, da sie Grundrechte (16.4) einschränkt. Die autoritären Notstandsgesetze Ungarns (3.4) blieben auch nicht unbeachtet. Für diejenigen, die in Flüchtlingsheimen, -lagern und anderen *Gefängnissen* sowieso ihrer Grundrechte beraubt sind, bedeuten die aktuellen Maßnahmen übrigens ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Auf griechischen Inseln (19.4), in Halberstadt (5.4), in Indonesien (12.4), Tunesien (10.4) und El Salvador kam es wegen der fehlenden Hygiene zu Revolten. Kriminelle Banden außerhalb der Gefängnisse nutzten ihrerseits die Ausnahmesituation aus, um ihren Bandenkrieg intensiviert (2585 Morde im März in Mexiko) fortzuführen, aber auch um bei der Bevölkerung mit humanitärer Hilfe zu punkten. Von den USA und Europa aus finden noch immer Abschiebungsflüge (1.4) statt, die das Ungerechtigkeitsempfinden noch verschärfen. Im Mittelmeer (8.4) und im Golf von Bengalen (25.4) werden umhertreibende Flüchtlingsboote in Seenot nicht gerettet. Der *Europäische Gerichtshof* hat zwei wichtige Urteile gefällt. Polen, Ungarn und Tschechien hätten sich der Flüchtlingsaufnahme ab dem Jahr 2015 nicht entziehen dürfen (2.4). Und Polens Justizreform (8.4) verletzt den EU-Vertrag zur Unabhängigkeit der Justiz, also der Gewaltenteilung (29.4). Da in Polen auch die Durchführung der Präsidentschaftswahl (6.4), an der 20% der Bevölkerung teilnehmen würde als anti-demokratisch gewertet werden kann, ist dieses Land derzeit unter besonderer Beobachtung. In einem anderen Gerichtsbeschluss hieß es, dass das Aussetzen des Asylrechts durch Griechenland (5.4) illegal war. Die *Wirtschaftlichen Folgen* der Corona-Krise lassen sich zum Ende des ersten Jahresdrittels gut in Zahlen ausdrücken: Rückgang des BIP in den USA um 4,8%, US-Arbeitslosenzahlen von 30 Millionen seit Beginn der Krise, BIP-Einbruch in China um 6,8% (17.4), Schrumpfen der EU-Wirtschaft um 3%, drohende Nahrungsknappheit in Westafrika, Ostafrika und südlichem Afrika und der Welthandel soll laut WTO um 32% rückgehen (8.4). Der Erdölpreis stürzte wegen der geringen Nachfrage trotz vieler Gegenmaßnahmen der OPEC+ (10.4) in die Tiefe, sogar erstmals unter 0$. Die europäische Solidarität bekam wieder einmal einen Dämpfer, als die von süd- und westeuropäischen Ländern vorgeschlagenen Euro-Bonds abgelehnt wurden, und die spanische Forderung einer "Kriegswirtschaft" (5.4) zu wenig gehört wur.

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Nigeria / Afrika / Großbritannien

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Nicht vergessen! Obwohl sie eine Supermacht waren, war es für die Briten kein leichtes Spiel, in Nigeria ihre Kolonien zu errichten. Denn durch den Sklavenhandel war die gesamte Region sehr instabil geworden und dort wurden selbst die kleinsten Konflikte blutig mit Feuerwaffen ausgetragen. Doch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Sklavenhandel für die Briten immer weniger profitabel und sie wollten vor Ort, in Afrika die Bodenschätze ausbeuten und Palmöl für Maschinen anbauen. Daher stoppten die Briten den Sklavenhandel und riefen auch die anderen europäischen Mächte auf, die Arbeitskräfte in Afrika zu lassen. Da dies nicht umgehend geschah, entsandte Großbritannien mehrere Kriegsschiffe in den Atlantik, um den transatlantischen Sklavenhandel auszutrocknen. Erst in den 1840ern gelang es den Briten, eine Kolonie zu errichten. Damals konkurrierten die Yoruba-Könige Oba Akitoye und Oba Kosoko um das Amt des Königs von Lagos. Lagos war damals immer noch der Hauptumschkagsplatz für den Sklavenhandel, der nach dem Ausstieg der Briten kurzzeitig von den Portugiesen dominiert wurde. Akitoye wurde 1841 zum König gekrönt und wusste, an wen er sich wenden musste, als er 1845 von Kosoko abgesetzt und verjagt wurde. Akitoye wandte sich an die Briten und versprach ihnen, die Sklaverei in Lagos zu verbieten, sobald er wieder auf dem Thron säße. Mit der Hilfe der britischen Marine eroberte Akitoye die Stadt zurück und garantierte den Briten Rechte und Einfluss in der Region. 1852 zwangen die Briten den neuen König von Lagos, Akitoyes Sohn, die Briten als ihre Kolonialherren anzuerkennen. Lagos wurde zum Exporthafen für die Rohstoffe des Landes.

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Westafrika / Guinea / Gambia

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Nicht vergessen! Die erste maschinell geprägte britische Goldmünze, die als Währung in Umlauf war, war 1663 bis 1816 der Guinee. In heutige Währung umgerechnet beträgt der Wert eines Guinees einen Pfund. Das hängt auch damit zusammen, dass viele Guinees geprägt wurden und sie daher nicht rar sind. Wie Eingangs erwähnt, handelt es sich um eine Goldmünze. Die Briten hatten so viel Gold aus ihren Kolonien in Westafrika geraubt, dass der Wert ihrer Währung bis heute geschmälert bleibt. Nach der goldreichen Region Guinea, woher ein Großteil des Goldes stammt, ist der Guinee benannt. Die britischen Kolonien in Westafrika waren Gambia, Sierra Leone, Ghana und Nigeria. Auch den Portugiesen war der Goldreichtum Guineas sehr wohl bekannt, und sie nannten die Region um Ghana gleich "Costa Do Ouro", also Goldküste. Neben der Goldküste gab es die Pfefferküste, die Elfenbeinküste und die Sklavenküste. Die Goldküste war von allen doch am begehrtesten, da sie unmittelbaren Reichtum bedeutete und nicht wie von der Sklavenküste aus mit einer Atlantiküberquerung verbunden waren. Brandenburg, Dänemark, Großbritannien, die Niederlande, Portugal und Schweden hatten Kolonien an der Goldküste, dem heutigen Ghana. Letzten Endes war es von den Errungenschaften westlicher Zivilisation der Sklavenhandel, der einen nachhaltige Wirkung in Westafrika zeigte. Zwar hatte es schon zuvor Sklaverei unter den Kulturen Westafrikas gegeben, doch die war überwiegend human. Haushaltssklaven wurden wie in Griechenland und dem alten Rom eingesetzt. Darüberhinaus gab es Familiensklaven, die zur Bildung der Kinder und leichte Arbeit oder Unterhaltung gefangen gehalten wurden, und sogenannte Okra-Sklaven, die als Vertraute ihrer Herren durchaus auch Karriere machen konnten. Die Europäer fassten diese Varietät zusammen in: Arbeitssklaven.

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Großbritannien / Welt

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*Nicht vergessen!* 1974 war das Geburtsjahr der Disco-Musik, doch das erste Lied, das einzig und allein diesem Genre zugewiesen werden kann, und nicht noch Soul, Funk oder R&B ist Van McCoys "The Hustle", das im Juli 1975 die Charts stürmte. Van McCoy war zuvor nicht als Musiker selbst aufgetreten, sondern als Produzent. Für mehr als 700 meist orchestrale Lieder war er der Songwriter! Der Hustle war zunächst ein semi-populärer Tanz in den puerto ricanisch dominierten Disco-Räumen der Bronx und naturgemäß schüttelte der übertalentierte McCoy binnen einer halben Stunde inspiriert vom Tanz einen neuen Song aus dem Ärmel, wie er es schon hunderte Male zuvor gemacht hatte. Er wurde sein einziger Hit. Maßgeblich ist dem Flötensolo im Hook der Erfolg zuzuschreiben. Doch wie die Musikgeschichte zeigt, ist ein Tanz-Hit keine gute Grundlage für den Künstler, seine Karriere so erfolgreich weiterzuführen (vgl. Silento mit seinem "Whip/Nae Nae" oder Los del Rio mit dem "Macarena"). Nichtsdestotrotz brachte McCoy weitere Alben raus, die mäßig erfolgreich waren. Nur in Großbritannien landete er 1977 noch einen Top-10-Hit mit dem spirituellen Hustle-Nachfolger "The Shuffle", der im Grunde nichts anderes ist, als ein verlangsamter Hustle. Und schließlich verirrte er sich mit dem Album um den "Soul Cha Cha", dem "Indian Warpath" und den "Oriental Boogie" endgültig in der Welt der Weltmusik. 1979 starb er mit 39 Jahren an einem Herzinfarkt. Es mag sein, dass Kokain-Konsum sowohl zu seiner unglaublichen Produktivität, alsauch seiner Todesursache beigetragen haben könnte.