Nicht vergessen! Um 3000 v.Chr. betrug die Weltbevölkerung etwa 14 Millionen Menschen. In diese Zeit fiel für einige Rassenforscher des 19. und 20. Jahrhunderts die Entstehung des Ariertums in Osteuropa. Auch wenn diese ideologisierte Wissenschaft zu Rassismus und damit verbunden zu grausamem Kolonialismus und schließlich zum Holocaust geführt hat, liegt sie nicht ganz falsch. Einige Hypothesen sind erheblich vom Nationalismus geprägt oder wurden von einer Ideologie vereinnahmt (z. B. im Nationalsozialismus). Dies gilt z. B. auch für viele indische Wissenschaftler, die die indogermanische Urheimat in Indien selbst verorten. Tatsächlich ist die Urheimat der indoeuropäischen Sprachen wohl in der Ukraine und angrenzenden russischen Gebieten zu verorten, die steppenartig sind. Von dort zu Pferd wanderten die Kurgan-Völker nach Westen, Süden und Osten und besiedelten nach 1000 Jahren eine Fläche von Spanien bis Bangladesch. Diese gewaltige Völkerwanderung fand sehr langsam statt und ist nicht mit den Völkerwanderungen der Antike oder der Neuzeit zu vergleichen. Sie war keine organisierte Migration. Wahrscheinlicher ist, dass die Menschen pro Generation 0 bis 2 mal den Wohnsitz änderten und somit gut 2000 Jahre brauchten, um Strecken zurückzulegen, die man zu Fuß auch in weniger als einem Jahr schafft. Eine weitere Hypothese ist, dass die indogermanischen Ursprachen aus Anatolien stammen und sich zusammen mit dem Ackerbau verbreiteten. Dafür spricht eine DNA-Haplogruppen-Analyse, nach der die v-DNA J2, die häufigste Haplogruppe unter indogermanischen Sprechern, am dichtesten in Anatolien und dem Südkaukasus zu finden ist. Diese Haplogruppe reicht von Island bis Vietnam. Es ist möglich, dass die ursprünglich in Anatolien lebenden Bauern genetisch von den Kurgan-Völkern verdrängt wurden.