Nach den Wahlen waren insbesondere Entwicklungen innerhalb der ehemaligen Regierungspartei und jetzigen Opposition UDP im Fokus regionaler, karibischer Medienberichterstattung des Nachrichtenportals Caribbean National Weekly Network mit Sitz im US-Bundesstaat Florida. Die Entwicklungen der UDP fanden zwischen dem unterlegenen Premierministerkandidaten Patrick Faber und dem Sohn des ehemaligen Premierministers Dean Barrow, Moses Michael Levi „Shyne“ Barrow, statt. Shyne war in den 1990ern Protegé des US-Rappers Puff Daddy. Faber und Barrow waren zwei der nur fünf UDP-Abgeordneten, die in das Parlament gewählt worden waren. Dort hatte zunächst Barrow den Fraktionsvorsitz übernommen und somit die Rolle als Oppositionsführer, bis er im September 2021 wieder von Faber abgelöst wurde. Anfang 2022 wurden gegen Faber Vorwürfe häuslicher Gewalt laut und im März 2022 wurde Barrow knapp erneut zum Oppositionsführer gewählt. Sollte er diese Position bis 2025 durchhalten, wäre er bei den nächsten Parlamentswahlen vermutlich Premierministerkandidat seiner konservativen UDP und könnte, wenn er gewählt wird, die Barrow-Dynastie zum wichtigsten Kapitel der Geschichte des unabhängigen Belize machen. Faber ist inzwischen ausgeschieden, nachdem er öffentlich eine Kampagne gegen die Personalpolitik der UDP anführte und im August 2022 daher aus ihrem inneren Kreis ausgeschlossen wurde.
Und die Regierung Briceño? Zentral in seiner Haushaltsplanung 2022 war die Wiederherstellung der Gehälter für Lehrkräfte und Angestellte des Öffentlichen Dienstes, die Aufrechterhaltung der Schulden-Rückzahlung und die Durchsetzung der „Blauen Anleihen“, die ich noch genauer erläutern werde. Daneben kündigte er Investitionen in Straßen-Infrastruktur, den Bildungs- und Gesundheitssektor an. Der Oppositionsführer Barrow warf Briceño daraufhin vor, sich nicht genug um die steigenden Treibstoffpreise und Lebenshaltungskosten zu kümmern.
Im März 2022 geriet Belize wieder für einen kurzen Moment in das Licht der internationalen Medienberichterstattung, als eine Demonstration von indigenen Anwohnern den Besuch einer Kakao-Plantage durch das britische Prinzenpaar William und Kate verhindert hatte. Überschattet wurde das jedoch von dem Besuch des Paares auf Jamaika, wo ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Kultur medienwirksam Schadensersatzforderungen wegen der britischen Sklaverei forderte. Außerdem formulierte der jamaikanische Premierminister Holness den „Wunsch nach vollständiger politischer Unabhängigkeit“ und spielte damit vermutlich auf die englische Königin Elisabeth II. an, die auch in der ehemaligen britischen Kolonie Jamaika, wie in Belize, noch das Staatsoberhaupt ist. In Belize gründete die Regierung in diesem März einen Arbeitskreis zur Fortführung des Dekolonialisierungsprozesses, nicht medienwirksam. Die Kritik an der englischen Monarchie und die Abkehr von ihr, verknüpft Belize politisch also sehr mit dem karibischen Raum. Diese Entwicklung gewann im November 2021 eine breite internationale Aufmerksamkeit, als sich die ehemalige britische Kolonie Barbados von der englischen Monarchie löste und sich offiziell in eine Republik umwandelte.
Neben diesen beiden politischen Ereignissen wird Belize im Zusammenhang mit tropischen Wirbelstürmen, Maya-Archäologie und dem britischen Unternehmer John McAfee erwähnt, der von 2008-2012 hier lebte und merkwürdige Dinge tat.