16.02.2024 — Senegal / Russland / Libyen
In Kürze
Griechenland erlaubt gleichgeschlechtliche Ehen (von EStamatoukou).
Griechenland erlaubt gleichgeschlechtliche Ehen (von EStamatoukou).
Ergebnis der Abstimmung im Parlament über von Premierminister Kyriakos Mitsotakis angestrebten Lockerung der Einwanderungsvorgaben für Arbeitsmigranten ungewiss, nachdem sich seine konservative ND-Regierungspartei an dem Thema spaltet (von SMichalopulos).
FRANKREICH, ITALIEN, GRIECHENLAND, Schweden, FINNLAND, ZYPERN und MALTA versuchen angeblich, EU-Richtlinien zum Schutz von Presseleuten vor staatlicher Überwachung zu schwächen (von EStamatoukou).
UK: Regierung Rishi Sunak erhält knappe Zustimmung für Weiterführung des Plans, Asylsuchende nach RUANDA outzusourcen (mit AFP).
Premierminister Mitsotakis und Präsident Erdogan treffen sich nach Spannungen zu Gesprächen über 31 mögliche Kooperationsfelder, die jedoch nicht umstrittene maritime Grenzziehung und ZYPERN beinhalten.
11 Parlamentsabgeordnete, dutzende Parteikader und 2/3 der Jugendorganisation der linken Syriza-Partei seit Wahl des Millionärs Kasselakis zum Parteivorsitzenden ausgetreten; Syriza fällt in Umfragen auf 3. Platz hinter sozialdemokratische PASOK und an 1. Stelle konservativer Regierungspartei ND (von JMalamatimas).
8. Tag der alliierten Außenministerkonferenz in Moskau (mit AP) Deutsche Luftangriffe auf London, britische Luftangriffe auf Rheinland und Ruhrgebiet, sowie UNGARN (mit UP) und Kassel (von CPS); US-Luftangriffe auf südliches ÖSTERREICH und ALBANIEN (mit AP), sowie Montenegro in JUGOSLAWIEN (mit AP), wo Partisanen Hafenstadt Kotor (mit AP) und in Bosnien Stahl-Stadt befreien, weshalb BULGARIEN wohl Truppen zur Unterstützung der Wehrmacht nach Jugoslawien entsendet (mit AP); Wehrmacht nimmt Insel Astypalaia in GRIECHENLAND ein (von ii) und britische Truppen evakuieren Kos (mit AP); USA gehen von baldigem Machtverlust Francos in SPANIEN aus (von FTuffle).
Teile des Militärs unter General Metaxas führen Putschversuch gegen Regierung Gonatas durch, mit dem Ziel Monarchie wiederherzustellen und Wahlen zu verhindern; Kommunistische Proteste gegen Monarchen, die Staat weiterhin jährlich 4Mio$ kosten (von INS); Putsch derzeit vor allem in Korinth und an Bahnstrecke von Athen nach Norden; Ex-US-Botschafter Morgenthau reist nach Griechenland, um Völkerbund-Kommission zur Ansiedlung der 600.000 durch griechisch-türkischen Krieg 1922 Vertriebenen anzuleiten.
19 Verletzte bei Auseinandersetzung zwischen Sozialisten und Konservativen in Griechenland (mit dpa).
(2).
Rund 100 Jahre später sollte dann aber nicht eine europäische Nation die Weltmacht der Briten ersetzen, sondern die 1823 noch recht jungen Vereinigten Staaten von Amerika. Die Nachricht über die Kriminalisierung des Sklavenhandels durch die Regierung Monroe mag auf den ersten Blick verwirrend sein, da es doch die USA waren, die erst in den 1860ern die Sklaverei ganz abschafften und Großbritannien deutlich früher (dazu kommen wir gleich). Der Sklavenhandel im Atlantik war Anfang des 19. Jahrhunderts noch unter wichtigem Einfluss Großbritanniens, das zwar 1807 selber Sklavenhandel abgeschafft hatte, nicht aber die Sklaverei an sich und dessen strategischer Verbündeter Portugal weiterhin Sklavenhandel im großen Maß betrieb. Die Nachricht aus dem gewaltsam niedergeschlagenen Sklaven-Aufstand in der britischen Kolonie DEMERARA-ESSEQUIBO, dem heutigen Guyana, spiegelt genau das wieder. Die USA betrieben mit ihrer Kriminalisierung des Sklavenhandels also vermutlich eine anti-britische Politik, die zudem in Zeiten diplomatischer Spannungen mit dem ehemaligen Kolonialherren stattfand. Diese Nachricht ist der Vorläufer der Monroe-Doktrin aus dem Dezember 1823, die auf die Parole "Amerika den Amerikanern" verkürzt werden kann. Sie führte einerseits dazu, dass sich in ganz Amerika von Europa unabhängige Staaten bilden konnten, aber sie bereitete auch die Grundlage dafür, dass die USA einen großen Teil der in Nord- und Südamerika stattfindenden Politik als ihre Innenpolitik wahrnahmen, was im 20. Jahrhundert in den militärischen Invasionen von Panama 1989, der Dominikanischen Republik 1965 und Grenada 1983 gipfelte, sowie in der Unterstützung von Militärputschen in Chile 1973, Guatemala 1954 und Brasilien 1964. Auch heute noch wirkt sich die Moroe-Doktrin beispielsweise militärisch durch das US-Südkommando, sowie wirtschaftlich und politisch durch das Sanktionsregime gegen Kuba, die US-Dollar-Hegemonie und die US-Macht über Internationaler Währungsfonds und Weltbank, sowie natürlich kulturell aus. Bei dem Sklaven-Aufstand in Guyana beging die britische Kolonialverwaltung übrigens den Kardinalfehler, nicht nur afro-amerikanische Sklaven zu töten, sondern auch einen Weißen, den anti-Sklaverei-Missionar John Smith. Seine Hinrichtung im Februar 1824 verstärkte in Großbritannien die öffentliche Meinung, neben dem Sklavenhandel solle auch die Sklaverei abgeschafft werden, was 1833 geschah.
An die Stelle der Sklaven als wichtigste Arbeitskraft traten in Nord- und Südamerika Vertragsarbeiter+ und Migranten+ die nicht minder ausgebeutet wurden. Auch in EUROPA war 1823 eine gesellschaftliche Transformation im Gange, an deren Ende der industrialisierte Kapitalismus stand. Die Nachricht über die Armutszahlen in Europa entnahm ich einer englischsprachigen Zeitung, die von sogenannten "Paupern" spricht, also wörtlich übersetzt "Armen". Dieser Begriff war zentral in den Anfängen der Industrialisierung, als die "Pauperisierung", also Verarmung der ländlichen Bevölkerung voranschritt. Karl Marx bezeichnet diesen Zeitabschnitt als "ursprüngliche Akkumulation" und 1823 wurde darüber - zumindest in Zahlen - berichtet.
Zuletzt ein HINWEIS: Die Aktualität der in den Nachrichten vom 26. September 1823 variiert ganz deutlich. In der Karlsruher Zeitung kann man lesen, welche Blumen gerade aktuell im Schlossgarten blühen und in vielen Zeitungen spiegelt sich das aktuelle gesellschaftliche Leben wieder mit Heiraten und Todesfällen, sowie in der Wiener Zeitung mit einem Wohnungsmarkt. Je weiter der Schauplatz entfernt ist, desto länger braucht die Nachricht, um zur Redaktion zu gelangen. Europäische Medien berichten relativ aktuell über die Kriege in Spanien und Griechenland und die Zeitung aus Barbados weiß relativ aktuelle Nachrichten aus Guyana zu berichten. Aber die Nachricht aus Peru ist tatsächlich eine Nachricht aus dem April 1823 und die seltene Nachricht aus China ist, so im Artikel geschrieben, auf dem Stand von Januar 1823. Wer weiß schon, durch wie viele Hände sie gegangen sein mag!
Begleittext zu den Nachrichten vom 26. September 1823 (1).
Das Jahr 1823 ist kein Epochenjahr, wie das Jahr der Französischen Revolution 1789 oder 1815, dem Jahr des Wiener Kongresses - die meisten unter uns dürften recht wenig oder gar nichts mit diesem Jahr in Verbindung bringen. Ein Blick in die Nachrichten von vor 200 Jahren kann uns jedoch ein Bild geben, was in dem Zeitraum geschah und wie doch alles in das größere Geschichtsbild passt, das wir in der Schule oder sonst wo vermittelt bekommen.
Die Welt von damals stand noch sehr unter dem Einfluss vergangener Revolutionen und den napoleonischen Kriegen. In SPANIEN wurde gerade die Revolutionsregierung von einer französischen Invasion niedergeschlagen, die das Ziel hatte, jegliche progressive Ideen, die Napoleon als zweifelhafter Botschafter der Französischen Revolution in die Welt gebracht hatte, auszulöschen. Frankreich wurde dabei unterstützt von den absoluten Monarchien der "Heiligen Allianz" Russlands, Österreichs und Preußens, und es wurde toleriert von Großbritannien. Großbritannien bremste die französischen Ambitionen eher aus, da es befürchtete, die Heilige Allianz könne ihren Einfluss auf Nord- und Südamerika ausweiten, von dem wir gleich noch hören werden. Auch weitere Königreiche, wie in den Nachrichten vor 200 Jahren von Dänemark und Sizilien zu lesen, unterstützen die französische Invasion. Heute würde man diesen Krieg als "Topmeldung" bezeichnen. Auf der anderen Seite des Mittelmeers entstand damals in einem lang anhaltendem Unabhängigkeitskrieg die Republik GRIECHENLAND, die sich aus dem Osmanischen Reich herauslöste. Auch sie stand im Einfluss der Idee einer "Republik", die in den Jahrzehnten zuvor von Frankreich aus exportiert worden war.
Griechenland kämpfte somit in der selben Zeit wie viele lateinamerikanische Länder für seine Unabhängigkeit. Spanien, der Kolonialherr der meisten Gebiete in Nord- und Südamerika, war durch die Invasion durch Napoleon seit 1807 stark geschwächt und konnte seine Kolonien nicht mehr halten. In Südamerika kämpfte im Süden General San Martín für die Unabhängigkeit Argentiniens, Chiles und schließlich PERUs und im Norden befreite General Bolívar die Region von VENEZUELA bis Ecuador von den spanischen Truppen. Die Nachricht aus Peru ist besonders interessant, da hier San Martín und Bolívar miteinander kooperierten, obwohl sie sonst eher unterschiedliche Ideen für die Zukunft des Kontinents hatten - San Martín war Monarchie-Befürworter und Bolívar rief Republiken aus. Der schwierige Charakter der französischen Revolution zeigte sich in den Nachrichten an diesem Freitag jedoch besonders in MEXIKO, wo vom abgesetzten Kaiser die Rede war, der nach der Unabhängigkeit von Spanien für etwa 1 Jahr nach dem Vorbild des Kaisers Napoleon regierte. Die Region war also instabil und die britischen Sorgen, die "Heilige Allianz" könne daraus Kapital schlagen, sind durchaus nachvollziehbar.