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89 Nachrichten

8 Quellen

Ukraine / Albanien / Italien (historische Ausgabe vom 26.10.1943)

Italien

USAmerikanische Truppen erobern weitere Stadt an Fernstraße von Sizilien Richtung Rom (mit APA); Deutsche Luftangriffe auf von USA und UK besetztes Neapel; Us-britische Invasion des nördlichen Piemont mit Eseln scheitert (von CPS).

Südasien

Hungerkrise in INDIEN und Bangladesch verschärft sich mit täglich dutzenden Toten, was britischer Antiimperialist Brailsford auf Versagen der britischen Behörden zurückführt und der daher die vollständige Unabhängigkeit INDIENs von GROSSBRITANNIEN fordert; Indischer Unabhängigkeitsbefürworter Bose ruft in von JAPAN besetztem SINGAPUR indische Exil-Regierung aus und erklärt Alliierten den Krieg; Bose von Japan anerkannt; Japan fliegt Luftangriffe auf an britisch INDIEN grenzenden Stützpunkt in MYANMAR (von CPS) und umgekehrt; Kämpfe zwischen Japanischen Truppen und CHINA um Saluen-Fluss.

6 Quellen

Deutschland / Griechenland / China (historische Ausgabe vom 22.10.1923)

Türkei

Behörden von Konstantinopel beginnen nach Abzug der alliierten Truppen GROẞBRITANNIENs, FRANKREICHs und ITALIENs letzte Woche Türkisierung der Stadt; Telefon- und Verkehrsunternehmen 1-Monats-Frist gegeben, um nicht-türkische Mitarbeiter zu ersetzen.

2 Quellen

USA / Peru / Chile

Meldung

(4).

80 Jahre nach der Mornoe-Doktrin, die 1823 relativ kurz nach den Nachrichten vom 26. September erlassen wurde, hatten die USA also ihre Vorstellung eines Kontinents Amerika unter der Macht der (US-)Amerikaner zur Verfolgung ihrer eigenen nationalstaatlichen Interessen weiterverfolgt. Die europäischen Mächte waren jedoch keineswegs aus Amerika verschwunden, wie am Beispiel der französischen Tätigkeiten in Panama-Kolumbien verdeutlicht, oder an der Nachricht aus VENEZUELA. Ich schreibe in den Nachrichten von einem drohenden "erneuten" Konflikt der venezolanischen Regierung Castro mit drei europäischen Mächten. Damit ist gemeint, dass sich die Venezuela-Krise vom zeitlich nahen Dezember 1902 wiederholen könnte, als Großbritannien, Deutschland und Italien mit ihren Kriegsschiffen die venezolanischen Häfen blockierte, da Castro sich weigerte, die umstrittenen Auslandsschulden zu bezahlen. Im Zuge dessen bombardierten britische und deutsche Schiffe übrigens den Hafen von Porto Cabello, also dem Ort, der zufälligerweise bereits in den Nachrichten von 1823 als "letzter Stützpunkt der spanischen Kolonialtruppen" Erwähnung fand. Die multiplen Krisen und Kriegsschauplätze zwischen Panama und Venezuela stellten in der Zeit einen Wendepunkt der Monroe-Doktrin dar: Mit der Seeblockade durch europäische Mächte war ihre Durchsetzung einerseits so prekär, wie nie zuvor und andererseits kündigte sich in Kolumbien/Panama an, wie die USA damit umzugehen gedachten. 1904 wurde die Doktrin von Roosevelt formal geändert, sodass nur noch die USA in inneramerikanische Angelegenheiten intervenieren dürfe. Im Zuge der Venezuela-Krise zeigte sich aber auch der politische und wirtschaftliche Aufstieg Argentiniens, der zwar im Laufe des Jahrhunderts abnahm und 2001 schließlich vollends zerbrach, aber 1904 noch eine echte Macht darstellte. In Rektion auf die Venezuela-Krise 1902 entstand die Drago-Doktrin des argentinischen Außenministers Drago, die eine Fortführung der Idee Monroes war, ab 1907 aber als Drago-Porter-Konvention weltweit Geltung fand. Sie bestimmt, dass zur Eintreibung von Staatsschulden keine Gewalt angewendet werden darf. Dieses bedeutende Prinzip gilt bis heute. Die Venezuela-Krise wiederholte sich nicht.

1 Quelle

USA / Deutschland / Marokko

Meldung

(2).

Neben diesen relativ "leisen" politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, sehen wir in den Nachrichten vom 16. Oktober 1903 aber natürlich Entwicklungen mit einem gänzlich anderen Kaliber: 1. Imperialistischer Wettbewerb zwischen europäischen Mächten als Vorläufer des 1. Weltkrieges, 2. Der Erwerb von Macht durch außereuropäische Staaten, wie Japan, die USA und lateinamerikanische Länder, und 3. Die Distanzierung der USA von Russland. Wenn man will, kann man den Ersten Weltkrieg, den Zweiten Weltkrieg und sogar den Kalten Krieg aus den Nachrichten dieses Tages ableiten.

JAPAN war in diesen Tagen die Top-Meldung allemal wert, als es mit seinen Truppen im damals noch unabhängigen Korea landete und ein zum Eisenbahnbau gepachtetes Land annektierte, während Russland das Mandschurei-Ultimatum verstreichen ließ und ebenfalls weitere Truppen heranzog. Es ist erschreckend, mit welcher Klarheit die Journalisten im Oktober 1903 schrieben, dass es einen Krieg geben würde, der dann trotzdem ausbrach, auch wenn alle Welt wusste, dass er ausbrechen würde. Der Russisch-Japanische Krieg begann schließlich im Februar 1904 und endete im Sommer 1905 erstmals mit dem Sieg eines asiatischen Landes gegen eine europäische Macht in einem modernen Krieg. In Folge dessen setzte sich 1905 die Expansion des Japanischen Reiches mit der Annexion Koreas fort, die in den 1930ern mit der Invasion Chinas in den Zweiten Weltkrieg eskalierte und in den 1940ern in der Invasion Südostasiens gipfelte, bis im August 1945 zwei Atombomben die expansionistische Politik Japans beendeten.

9 Quellen

Japan / Osmanisches Reich / Kolumbien (historische Ausgabe vom 16.10.1903)

Japan

JAPAN verlegt weiter Truppen nach KOREA, um Ultimatum gegen RUSSLAND durchzusetzen, sich von Hafen Port Arthur in CHINAs Mandschurei zurückzuziehen; während GROSSBRITANNIEN zu Vermittlungsversuchen in Hafenstadt eintrifft, scheint DEUTSCHLAND Interesse an Konflikt zu haben, um seinen Einfluss in Ostasien auszuweiten; Russland hatte zuvor Mandschurei-Konvention von 1902 aufgekündigt, wonach gesamte Mandschurei zu China gehören sollte und Japan angeboten, Korea in Nord und Süd aufzuteilen, was Japan abgelehnt hat und inzwischen dementiert (mit AP); USA befürchten, dass "fest verankerte Freundschaft" mit Russland durch den Vertragsbruch zerstört werden könnte und Verhalten nicht akzeptabel sei, wenn "us-amerikanischer Handel dadurch schweren Schaden" erleiden sollte; Mehrheit der russischen Kriegsschiffe in ostasiatischen Gewässern; Angeblich bis zu 100.000 russische Streitkräfte auf Weg in Mandschurei.

Kolumbien

Spaltung der konservativen CCP vertieft sich vor anstehenden Präsidentschaftswahlen, nachdem nun auch General Ospina Absicht ankündigt, bei Wahlen anzutreten, wobei General Reyes bereits offizieller Kandidat ist; Ospina befindet sich nach Putschplänen 1901 in USA; VENEZUELAs Armee nach Bürgerkrieg weiter auf Seiten der Rebellen involviert, wofür venezolanischer Präsident Castro für Schuldentilgung bestimmte Gelder aus Staathaushalt beschlagnahmt, womit er erneuten Konflikt mit DEUTSCHLAND, GROSSBRITANNIEN und FRANKREICH riskiert; US-Außenminister Hay trifft mit Vertreter der Panamakanal-Gesellschaft FRANKREICHs zu Gesprächen zusammen; US-Senat geht nicht von Lösung mit Kolumbien aus.

Zentralamerika / Karibik

Nicaragua und GUATEMALA drohen HONDURAS und EL SALVADOR mit Krieg; GROSSBRITANNIEN und FRANKREICH einigen sich auf gemeinsames Vorgehen in HAITI; Großbritannien und USA einigen sich wohl auf Nicaraguakanal-Vertrag (mit Reuters); USA wollen Anbau von Baumwolle auf KUBA fördern; Experimente zur Elektrizitätsgewinnung aus Erdöl auf TRINIDAD.

2 Quellen

USA / Europa / Essequibo

Meldung

(2).

Rund 100 Jahre später sollte dann aber nicht eine europäische Nation die Weltmacht der Briten ersetzen, sondern die 1823 noch recht jungen Vereinigten Staaten von Amerika. Die Nachricht über die Kriminalisierung des Sklavenhandels durch die Regierung Monroe mag auf den ersten Blick verwirrend sein, da es doch die USA waren, die erst in den 1860ern die Sklaverei ganz abschafften und Großbritannien deutlich früher (dazu kommen wir gleich). Der Sklavenhandel im Atlantik war Anfang des 19. Jahrhunderts noch unter wichtigem Einfluss Großbritanniens, das zwar 1807 selber Sklavenhandel abgeschafft hatte, nicht aber die Sklaverei an sich und dessen strategischer Verbündeter Portugal weiterhin Sklavenhandel im großen Maß betrieb. Die Nachricht aus dem gewaltsam niedergeschlagenen Sklaven-Aufstand in der britischen Kolonie DEMERARA-ESSEQUIBO, dem heutigen Guyana, spiegelt genau das wieder. Die USA betrieben mit ihrer Kriminalisierung des Sklavenhandels also vermutlich eine anti-britische Politik, die zudem in Zeiten diplomatischer Spannungen mit dem ehemaligen Kolonialherren stattfand. Diese Nachricht ist der Vorläufer der Monroe-Doktrin aus dem Dezember 1823, die auf die Parole "Amerika den Amerikanern" verkürzt werden kann. Sie führte einerseits dazu, dass sich in ganz Amerika von Europa unabhängige Staaten bilden konnten, aber sie bereitete auch die Grundlage dafür, dass die USA einen großen Teil der in Nord- und Südamerika stattfindenden Politik als ihre Innenpolitik wahrnahmen, was im 20. Jahrhundert in den militärischen Invasionen von Panama 1989, der Dominikanischen Republik 1965 und Grenada 1983 gipfelte, sowie in der Unterstützung von Militärputschen in Chile 1973, Guatemala 1954 und Brasilien 1964. Auch heute noch wirkt sich die Moroe-Doktrin beispielsweise militärisch durch das US-Südkommando, sowie wirtschaftlich und politisch durch das Sanktionsregime gegen Kuba, die US-Dollar-Hegemonie und die US-Macht über Internationaler Währungsfonds und Weltbank, sowie natürlich kulturell aus. Bei dem Sklaven-Aufstand in Guyana beging die britische Kolonialverwaltung übrigens den Kardinalfehler, nicht nur afro-amerikanische Sklaven zu töten, sondern auch einen Weißen, den anti-Sklaverei-Missionar John Smith. Seine Hinrichtung im Februar 1824 verstärkte in Großbritannien die öffentliche Meinung, neben dem Sklavenhandel solle auch die Sklaverei abgeschafft werden, was 1833 geschah.

An die Stelle der Sklaven als wichtigste Arbeitskraft traten in Nord- und Südamerika Vertragsarbeiter+ und Migranten+ die nicht minder ausgebeutet wurden. Auch in EUROPA war 1823 eine gesellschaftliche Transformation im Gange, an deren Ende der industrialisierte Kapitalismus stand. Die Nachricht über die Armutszahlen in Europa entnahm ich einer englischsprachigen Zeitung, die von sogenannten "Paupern" spricht, also wörtlich übersetzt "Armen". Dieser Begriff war zentral in den Anfängen der Industrialisierung, als die "Pauperisierung", also Verarmung der ländlichen Bevölkerung voranschritt. Karl Marx bezeichnet diesen Zeitabschnitt als "ursprüngliche Akkumulation" und 1823 wurde darüber - zumindest in Zahlen - berichtet.

Zuletzt ein HINWEIS: Die Aktualität der in den Nachrichten vom 26. September 1823 variiert ganz deutlich. In der Karlsruher Zeitung kann man lesen, welche Blumen gerade aktuell im Schlossgarten blühen und in vielen Zeitungen spiegelt sich das aktuelle gesellschaftliche Leben wieder mit Heiraten und Todesfällen, sowie in der Wiener Zeitung mit einem Wohnungsmarkt. Je weiter der Schauplatz entfernt ist, desto länger braucht die Nachricht, um zur Redaktion zu gelangen. Europäische Medien berichten relativ aktuell über die Kriege in Spanien und Griechenland und die Zeitung aus Barbados weiß relativ aktuelle Nachrichten aus Guyana zu berichten. Aber die Nachricht aus Peru ist tatsächlich eine Nachricht aus dem April 1823 und die seltene Nachricht aus China ist, so im Artikel geschrieben, auf dem Stand von Januar 1823. Wer weiß schon, durch wie viele Hände sie gegangen sein mag!

2 Quellen

Spanien / Griechenland / Peru

Meldung

Begleittext zu den Nachrichten vom 26. September 1823 (1).

Das Jahr 1823 ist kein Epochenjahr, wie das Jahr der Französischen Revolution 1789 oder 1815, dem Jahr des Wiener Kongresses - die meisten unter uns dürften recht wenig oder gar nichts mit diesem Jahr in Verbindung bringen. Ein Blick in die Nachrichten von vor 200 Jahren kann uns jedoch ein Bild geben, was in dem Zeitraum geschah und wie doch alles in das größere Geschichtsbild passt, das wir in der Schule oder sonst wo vermittelt bekommen.

Die Welt von damals stand noch sehr unter dem Einfluss vergangener Revolutionen und den napoleonischen Kriegen. In SPANIEN wurde gerade die Revolutionsregierung von einer französischen Invasion niedergeschlagen, die das Ziel hatte, jegliche progressive Ideen, die Napoleon als zweifelhafter Botschafter der Französischen Revolution in die Welt gebracht hatte, auszulöschen. Frankreich wurde dabei unterstützt von den absoluten Monarchien der "Heiligen Allianz" Russlands, Österreichs und Preußens, und es wurde toleriert von Großbritannien. Großbritannien bremste die französischen Ambitionen eher aus, da es befürchtete, die Heilige Allianz könne ihren Einfluss auf Nord- und Südamerika ausweiten, von dem wir gleich noch hören werden. Auch weitere Königreiche, wie in den Nachrichten vor 200 Jahren von Dänemark und Sizilien zu lesen, unterstützen die französische Invasion. Heute würde man diesen Krieg als "Topmeldung" bezeichnen. Auf der anderen Seite des Mittelmeers entstand damals in einem lang anhaltendem Unabhängigkeitskrieg die Republik GRIECHENLAND, die sich aus dem Osmanischen Reich herauslöste. Auch sie stand im Einfluss der Idee einer "Republik", die in den Jahrzehnten zuvor von Frankreich aus exportiert worden war.

Griechenland kämpfte somit in der selben Zeit wie viele lateinamerikanische Länder für seine Unabhängigkeit. Spanien, der Kolonialherr der meisten Gebiete in Nord- und Südamerika, war durch die Invasion durch Napoleon seit 1807 stark geschwächt und konnte seine Kolonien nicht mehr halten. In Südamerika kämpfte im Süden General San Martín für die Unabhängigkeit Argentiniens, Chiles und schließlich PERUs und im Norden befreite General Bolívar die Region von VENEZUELA bis Ecuador von den spanischen Truppen. Die Nachricht aus Peru ist besonders interessant, da hier San Martín und Bolívar miteinander kooperierten, obwohl sie sonst eher unterschiedliche Ideen für die Zukunft des Kontinents hatten - San Martín war Monarchie-Befürworter und Bolívar rief Republiken aus. Der schwierige Charakter der französischen Revolution zeigte sich in den Nachrichten an diesem Freitag jedoch besonders in MEXIKO, wo vom abgesetzten Kaiser die Rede war, der nach der Unabhängigkeit von Spanien für etwa 1 Jahr nach dem Vorbild des Kaisers Napoleon regierte. Die Region war also instabil und die britischen Sorgen, die "Heilige Allianz" könne daraus Kapital schlagen, sind durchaus nachvollziehbar.

8 Quellen

Spanien / Osmanisches Reich / Amerika (historische Ausgabe vom 26.09.1823)

Spanien

FRANKREICHs Premierminister Villèle trifft sich mit Botschafter und Außenminister GROSSBRITANNIENs, um gemeinsam neue Verfassung für Spanien zu schreiben, wo nach der Invasion durch französische Truppen revolutionär-napoleonische Regierung Valdés gestürzt wird und absolute Monarchie wieder eingesetzt werden soll; weiter Kämpfe rund um Pamplona und Cádiz; Napoleonischer General Rotten vollzieht Massenmobilisierung in Barcelona gegen französische Truppen; Spanisches Königshaus leiht sich 9Mio$ von Frankreich zur Kriegsfinanzierung; Königreich beider SIZILIEN verkündet Blockade spanischer Häfen; DÄNEMARK kündigt an, nur spanische Monarchie zu unterstützen.

Amerika

US-Regierung Monroe erklärt jeglichen Sklavenhandel zu Akt der "Piraterie" und ruft alle Staaten, mit denen sie diplomatische Beziehungen führt auf, es ihnen gleich zu tun; Botschafter von GROSSBRITANNIEN verlässt USA nach gescheiterten Gesprächen über Umgang der USA mit britischen Karibik-Kolonien, wo Sklaverei weiter besteht.

China / Großbritannien

Schäden durch Großbrand von Kanton im November 1822 für britische Ostindien-Kompanie geringer als erwartet, wobei Baumwolle-Importe wegen geringerer Verarbeitungskraft abnehmen; Opium-Handel nimmt zu; rund 13.480 Gebäude zerstört.

13 Quellen

Gabun / Niger / Mali

Großbritannien

Verteidigungsminister Wallace tritt zurück; hatte schnelle und weitreichende Hilfe UKs für UKRAINE nach Beginn des Krieges organisiert (von DZylbersztajn-Lewandowski).

20 Quellen

Libyen / Pakistan / Deutschland

Großbritannien / Albanien

Zahl neuer Migranten+ stieg 2023 trotz restriktiver Einwanderungspolitik der Regierung Rishi Sunak deutlich; Labour-Chef Starmer kündigt an, bei wahrscheinlichem Wahlsieg Ausbildungsmöglichkeiten für einheimische und eingereiste Bevölkerung zu verbessern (von SBorger); 80% der britischen Unternehmen beklagen Fachkräftemangel, u.a. wegen harter Einwanderungspolitik (mit dpa); Albanische Regierung Rama will 200 Häftlinge aus Großbritannien mit albanischer Staatsangehörigkeit aufnehmen (von FSinoruka); 2022 waren Albaner+ wegen ihrer hohen Zahlen bei Überquerung des Ärmelkanals im Zentrum von anti-Migrationsrhetorik.

18 Quellen

Osttimor / Griechenland / Großbritannien

Großbritannien

Bei Kommunalwahlen in Nordirland gewinnt erstmals pro-irische Sinn-Sinn Féin-Partei; unterlegene DUP blockiert seit Anfang 2022 Regierung in Nordirland (von RSotscheck).

0 Quellen

März 2023

Meldung

März 2023 In diesem Monat ist eine bemerkenswerte Zunahme der Berichterstattung über westasiatische Länder und nordafrikanische Länder zu verzeichnen. Das liegt nicht nur an bemerkenswerten diplomatischen Erfolgen bezüglich Iran, Saudi Arabien und Syrien, sondern auch daran, dass ich drei neue Quellen über Nachrichten aus dem arabischen Raum benutze. Das sind MiddleEastEye aus Großbritannien, Arab News aus Saudi Arabien und al Monitor aus den USA. Bei Berichterstattung über Länder Westasiens wird immer wieder der Vorwurf laut, dass sie für die eine oder andere Gruppe Partei ergreifen - übt euch also bei jeder Lektüre in Medienkompetenz, auch zu Nachrichten in diesem Kanal. In Afrika lag der Fokus auf die Länder im Horn von Afrika und die Demokratische Republik Kongo, in Europa auf die Proteste in Frankreich und in Asien weiterhin auf die potenziellen Konflikte im Indopazifik.

13 Quellen

Großbritannien / Demokratische Republik Kongo / Georgien

Großbritannien

Regierung Rishi Sunak verkündet schärfere Abschieberegeln für Migranten+, die über Ärmelkanal flüchten; 2022 45.000 Überquerungen; demnach sollen Bootsflüchtlinge inhaftiert und binnen 28 Tagen in ihre Herkunftsland oder Drittland, wie RUANDA, abschoben werden; Innenministerium nimmt in Kauf, dass dabei Menschenrechte verletzt werden könnten; Oppositionspartei Labour kritisiert "aufwieglerische Sprache" und dass Plan unumsetzbar sei; NGO kritisiert, dass Kriminalisierung der Migranten+ britische Verpflichtungen in der UN-Flüchtlingskonvention "zunichte machen" würde.

6 Quellen

Mexiko / Ecuador / Nepal

Meldung

UK und EU einigen sich auf neues Post-Brexit-Abkommen zu Nordirland, dessen Grenze zu IRLAND und Seegrenze zu Großbritannien seit Brexit Streitthema waren; neues Abkommen wird Zollarbeit an Seegrenze verringern und britischen Richtern Hoheit über die Umsetzung von EU-Recht an irisch-nordirischer Grenze geben, die weiter offen bleiben soll.

0 Quellen

Bangladesch / Ukraine / Sri Lanka

Meldung

Über Bangladesch findet in diesem Kanal insgesamt eher wenig Berichterstattung statt. 2022 gewährte jedoch einen Einblick in das Land, leider wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die zu politischen Protesten führte. In Bangladesch kamen in diesem Jahr die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mit den Folgen des Ukraine-Krieges zusammen: Hohe Energiepreise und schrumpfende Nachfrage trafen die wichtige Textilindustrie, eine der Haupteinnahmequellen für US-Dollars, die Bangladesch braucht, um Schulden und Importe zu bezahlen. Im August, kurz nach den großen Protesten in Sri Lanka, brodelte es auch in Bangladesch heftig, als die Regierung die Treibstoffpreise um 52% anhob. Außerdem drohte eine Ernährungskrise, da der größte Weizenimporteur, Indien, seinen Export wegen des Ukraine-Krieges stoppte. Es kam jedoch noch nicht zu derart großen Protesten und die Regierung beantragte einen neuen Internationaler Währungsfonds-Kredit. Im September und Oktober waren die Rohingya, die 2017 von Myanmar nach Bangladesch vertrieben worden waren, ein wichtiges Thema in Bangladesch: Einerseits, weil ihre Flüchtlingslager von Seiten Myanmars beschossen wurden, aber auch, weil die Regierung Sheikh Hasina sich zunehmend dagegen wehrt, dass die Rohingya dauerhaft Schutz in Bangladesch bekommen. Das liegt wohl nicht nur an populistischem Gehabe gegen eine Minderheit, sondern auch daran, dass der Staat insgesamt ein Finanzierungsproblem hat und Unterstützung benötigt. Im Dezember fanden schließlich die großen Proteste des Jahres 2022 statt, die von Oppositionsparteien angeführt wurden, aber zumindest innerhalb der letzten 2 Wochen ebbten sie abrupt ab.

Neben den genannten Ländern erlebten auch die südasiatischen Länder Nepal und Bhutan ähnliche Staatsfinanzierungskrisen: Nepal, dessen Wirtschaft maßgeblich von der Finanzierung durch Wanderarbeiter+ in arabischen Ländern abhängt, rief im April diese Wanderarbeiter+ auf, die Beiträge für ihre Familien in ausländischen Währungen zu überweisen, da der nepalesischen Zentralbank diese ausländische Währungen fehlte, um Schulden zurückzuzahlen, oder ausländische Importe zu bezahlen; und Bhutans Auslandsreserven schrumpften von 1,3 Milliarden Dollar auf 820 Millionen, woraufhin die Regierung den Import einiger Produkte einschränkte.

Indien überholte 2022 Großbritannien als fünft-wirtschaftsstärkstes Land der Welt, doch die Armut in dem Land, und auch der Hunger nimmt immer mehr zu. An der Regierung war weiterhin der hindu-nationalistische Premierminister Narendra Modi, der der Hindutva-Ideologie folgt und entlang dieser Hassrede, Gewalt und Diskriminierung gegen die größte muslimische Minderheit der Welt ausübt. In den muslimische geprägten Nachbarländern Indiens gab es dagegen Proteste. Die Folgen dieser Ideologie, sowie die Entwicklung der Parteienlandschaft bei Regionalwahlen, führten zu einer gleichbleibend hohen Berichterstattung über Indien. Übertroffen wurde sie jedoch im Juni von der Berichterstattung über die Proteste gegen die Agnipath-Militärreform, durch die zahlreichen Berufssoldaten und Berufssoldaten-Familien die Lebensgrundlage entzogen würde. Im Dezember kam es zu erneuten Scharmützeln an der umstrittenen Grenze zu China. Außenpolitisch fiel Indien besonders auf, als es seinen Weizenexport im Mai wegen des Ukraine-Kriegs und seinen Reisexport im September wegen einer klimawandel-verstärkten Dürre und des Monsuns stark einschränkte.

14 Quellen

Russland / Äthiopien / Eritrea

UN

UN-Generalsekretär António Guterres warnt bei UN-Generalversammlung, dass UN 32Mrd$ für humanitäre Maßnahmen fehlen; Fast alle Länder, außer USA, Frankreich und Großbritannien fordern Reform des UN-Sicherheitsrats, wie die Abschaffung des Vetos; UN-Generalsekretär fordert Steuer für Übergewinne der Brennstoffindustrie.

6 Quellen

USA / Belize / Guatemala

Meldung

5 Internationale Beziehungen von Belize Das vermutlich angespannteste Verhältnis hat Belize zu seinem direkten Nachbarn Guatemala, das 53% des Staatsgebiets von Belize, seine südliche Hälfte, für sich beansprucht. Auf Google Maps ist die guatemaltekisch-belizische Grenze daher nur gestrichelt eingezeichnet. Der Territorialstreit besteht seit dem 18. Jahrhundert und hat seine Wurzeln in einem Streit zwischen Spanien, das ganz Zentralamerika für sich beanspruchte und Großbritannien, das den von Briten bewohnten Küstenstreifen für sich beanspruchte. Aus den spanischen Kolonien wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts unabhängige Staaten und aus den privaten Kolonien britischer Siedler wurde britisches Einflussgebiet. 1859 schlossen Guatemala und Großbritannien einen Vertrag, der den Grenzverlauf festsetzte und den Bau einer Straße beschloss. Guatemala erkennt diesen Vertrag heute nicht mehr an, da die Finanzierung des Straßenbaus unklar sei. Seit 1945 ist der Anspruch Guatemalas auf Belize (damals noch „Britisch Honduras“) in seiner Verfassung verankert. Seit den 1970ern fand die Unabhängigkeit von Belize zunehmend Zuspruch in Lateinamerika, was die Position Guatemalas schwächte und als Belize 1981 unabhängig wurde, stimmte Guatemala als einziges Land gegen die Aufnahme von Belize in die UN-Generalversammlung. Seit 2001 beansprucht Guatemala nur noch die südliche Hälfte von Belize für sich. Dabei kam es immer wieder zu Schusswechseln entlang der Grenze und 2015 sogar zum Tod eines Kindes. Ende der 2010er einigten sich Guatemala und Belize, den Territorialstreit vor dem Internationalen Gerichtshof beizulegen. Das Verfahren wird im Laufe der 2020er beginnen.

Was Belize und Guatemala als indirekte strategische Verbündete eint, ist die politische Anerkennung und Unterstützung Taiwans durch diplomatische Beziehungen. Somit sind sie [Teil der weltweit nur 14 Länder, darunter auch Honduras, die offizielle diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhalten](https://de.wikipedia.org/wiki/Republik_China_(Taiwa n von /media/Datei:Republik_China-diplomatische_Beziehungen.svg). Die Kooperation zwischen Belize und Taiwan seit 1989 umfasst die normale Bandbreite von Kooperationsabkommen zwischen kleinen Ländern, wie sehr beschränkte Wirtschaftsabkommen und Entwicklungshilfe. Aber die Beziehungen umfassen auch Hilfsleistungen: Nach dem Hurrikan „Earl“ spendete Taiwan 2016 100.000 US-Dollar an Belize, doppelt so viel wie die EU, und seit 2012 besteht ein taiwanesisches Programm zur Versorgung der Landbevölkerung im Landesinneren von Belize mit Fischproteinen.

Belize ist Mitglied der karibischen Staatengemeinschaft Karibische Gemeinschaft, deren Vorsitzende es seit 2021 stellt. Carla Barnett will in ihrem Amt Widerstandsfähigkeit gegen Externe Schocks, wie dem Klimawandel oder der Corona-Pandemie, fördern und sich gegen soziale Notlagen einsetzen. Mit der Dominikanischen Republik unterhält Belize schon länger ein Abkommen über die technische Zusammenarbeit im Tourismussektor.

Belize ist auf der internationalen Bühne ein absolutes Fliegengewicht. Es unterhält diplomatische Vertretungen in Taiwan, Großbritannien, Italien, Belgien, den USA, Mexiko, Guatemala, Honduras, El Salvador, Kuba und der Dominikanischen Republik. Neben von den genannten Ländern befinden sich diplomatische Vertretungen von Japan, Brasilien, Venezuela und Panama in Belize. Die anderen Länder, mit denen Belize diplomatische Beziehungen unterhält, betreiben zumeist ein Belize-Büro ihrer Botschaft in Mexiko, El Salvador oder Guatemala. Seit 2014 nimmt die Zahl der diplomatischen Beziehungen pro Jahr um je zwei bis vier Länder zu, zuletzt mit Nepal, Kenia und Moldawien im laufenden Jahr 2022.

6 Quellen

USA / Belize / Großbritannien

Meldung

Ein Blick nach Belize 2022 🇧🇿 Über das zentralamerikanische Land Belize findet in der deutschen Medienlandschaft, und auch hier im Kanal, sehr wenig Berichterstattung statt. Wenn überhaupt, wird Belize häufig in einer Aneinanderreihung zentralamerikanischer oder karibischer Länder genannt. In diesem Kanal beschränkte sich die Berichterstattung auf die Erwähnung der Parlamentswahlen, sowie auf die Erwähnung der internationalen Beziehungen zu den USA, Großbritannien und Taiwan. Das Land ist in etwa so große wie Mecklenburg-Vorpommern, hat aber mit 420.000 Einwohnern eine deutlich geringere Bevölkerungsdichte, vergleichbar mit der Finnlands.

1 Belize – ein englischsprachiges Land in Lateinamerika? Das Land Belize gilt als einziges Land, das trotz seiner englischsprachigen Prägung zu Lateinamerika gezählt wird. Lateinamerika umfasst insbesondere spanischsprachig und portugiesischsprachig geprägte Länder, sowie – je nach Auslegung – französischsprachig geprägte Länder Nord- und Südamerikas. Aber der Begriff steht auch für ein grobes Bild von der kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Verfassung eines Landes. Belize weist einige „lateinamerikanische Faktoren“ auf, die es eher in das grobe Bild Lateinamerikas, als in das Angloamerikas (USA und Kanada) einordnen lassen.

Der offensichtlichste Faktor ist die geographische Lage von Belize an der Karibikküste Zentralamerikas zwischen Mexiko und Guatemala, die beide eindeutig zu Lateinamerika zählen. Kulturell ist in Belize eine Mehrheit von 50% katholisch, wobei Pfingst- und Freikirchen seit vielen Jahren einen Aufschwung erleben. Ein ähnlicher Trend ist in anderen lateinamerikanischen Ländern zu beobachten. Die Belizier sind Nachkommen von afrikanischen Sklaven, indigenen Maya, von Europäern, sowie von Südasiaten, die während der britischen Kolonialzeit in die Karibik auswanderten. In der Bevölkerung wächst der spanischsprachige Anteil wegen der Zuwanderung zentralamerikanischer Flüchtlinge und Migranten, sodass inzwischen ½ der Bevölkerung spanischsprachig ist. Das und die hohe Geburtenrate führte zu einem Bevölkerungswachstum von 41% seit 2000 auf jetzt 420.000.

Die Wirtschaft des Landes basiert auf Rohstoffexport und Tourismus und ist durch eine hohe Staatsverschuldung von 85% in ihrer politischen Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. 1/3 der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Edelhölzer werden manchmal noch als der wichtigste Exportrohstoff genannt, aber tatsächlich ist es inzwischen Zucker - ein Wandel der sich auch in der belizischen Landschaft wiederspiegelt. Der Tourismus spezialisierte sich seit den 1990ern auf Öko-Tourismus, für die – alles andere als „öko“ - Korallenriffe zerstört wurden. Die umfassende Ausbreitung der Tourismusindustrie geschah zu einer Zeit, als Belize als wichtige Steueroase galt, die Investitionen für die Hotels von heute also nicht ausreichend versteuert wurden. Das ändert sich seit 2015 ein wenig, als Belize ein Steuerinformationsabkommen mit der Schweiz unterzeichnete. Aber seit 2019 befindet sich Belize wieder auf der EU-Liste der Steueroasen. Laut dem Tax Justice Network kam es so 2021 zu 82 Millionen US-Dollar an Steuerverlusten, was 18% der belizischen Steuereinnahmen entspricht.