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USA / Nigeria / Sokoto

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Nicht vergessen! Um die Gewalt im Norden Nigerias zu verstehen, bietet sich ein Rückblick in die Geschichte an. Nach der Kolonialzeit durch die Briten, sowie den Biafra-Krieg, die in dieser Gruppe bereits behandelt wurde, begann 1979 in die Nigeria die sogenannte Zweite Republik. Damals wurde Shahu Shagari mit Hilfe seines Verbündeten Umaru Dikko zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten Nigerias. Er gehörte zu den Fulani und hatte nach korangetreuer Ausbildung seit 1951 hohe Ministerialämter im nördlichen Sultanat Sokoto inne. Während seiner politischen Karriere in Sokoto bekam er drei monarchischen Titel verliehen. Nach dem nigerianischem Bürgerkrieg (Biafra-Krieg) wurde Shagari vom General-Präsidenten Gowon zum Beauftragten für wirtschaftliche Entwicklung ernannt, ein Ministerium, wie gemacht für Korruption. Daraufhin wurde er Finanzminister, Abgeordneter für die Weltbank und Mitglied des Internationalen Währungsfonds. 1979 gewann er die Wahl mit Stimmen aus dem Norden und Minderheiten des Südens, wobei seine Partei auch tatsächlich eine der multi-ethnischsten war. Das ist der Beginn der sogenannten "Zweiten Nigerianischen Republik", die wie die USA oder Frankreich stark auf das Amt des Präsidenten ausgerichtet ist. In seiner Amtszeit ließ er einen Chaos-Kapitalismus walten, während etwa die bereits angesprochene Ajaokuta Steel Company einen ersten Höhe-/Tiefpunkt erreichte. Shagari blieb der einzige Präsident der Zweiten Republik und wurde an Silvester 1983 aus dem Amt geputscht.

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Nigeria

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Nicht vergessen! Ob eine Aufarbeitung des Biafra-Krieges stattgefunden hat, hängt davon ab, welche der Konfliktparteien man fragt. Für einige, auch internationale Beobachter waren die Igbo, Yoruba und Fulani bereits kurz nach dem Krieg wieder miteinander versöhnt, für andere spielt das keine Rolle, da sie den Biafra-Krieg für keinen ethnischen Ursprungs halten. Die ehemalige Hauptstadt Biafras ist heute ein blühendes Handelszentrum und Zuhause für etwa eine Millionen Einwohner. Hier ist die Sezessionsbewegung noch immer aktiv und sehr weit verbreitet, da es für viele Händler rentabel wäre. Heute liegt der Nährboden für diese Bewegung in der nigerianischen Hauptstadt Abuja im "Middle Belt" und der Politik des Präsidenten Muhammadu Buhari, der lieber asiatischen, europäischen und nordamerikanischen Konzernen Konzessionen zum Bau von Fabriken vergibt, als einheimischen. Dadurch wird der einheimische Unternehmer benachteiligt gegen einen Konzern, der selber aus seinen Investitionen am meisten Kapital schlägt und nur wenig in Nigeria lässt. Zudem gibt es regelmäßig um Weihnachten herum Polizeiaktionen, bei denen von Igbo geführte Geschäfte außerhalb des Südostens durchsucht werden, um illegale Waren zu finden. Diese beiden direkten Benachteiligungen führen zu einem Gefühl der Ungerechtigkeit, obwohl sich beide nicht nachweisen lassen. Eine strategische oder chronische Benachteiligung der Region des ehemaligen Biafras lassen sich nicht belegen. Im Nationalen Entwicklungsindex von 2015 stehen südöstliche Provinzen in den ersten Rängen, während der Norden abgeschlagen ist. Es ist die Hoffnung junger Igbo nach Chancengleichheit, das Ungerechtigkeitsgefühl und tatsächlich wirtschaftliche Stärke, die zu den immer wieder aufkeimenden Konflikten mit den Fulani führen. 60% der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt, trotz guter Ausbildung finden nur wenige einen bezahlten Job, trotz ihrer Masse haben sie kaum politische Repräsentation. Dadurch, dass sie keine andere Möglichkeit haben, ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, fordern sie "Biafra" und führen Kampagnen gegen den Norden.

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Nigeria

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Nicht vergessen! Der Staat Nigeria setzte nach dem Biafra-Krieg nicht viel an Nationale Versöhnung. Insbesondere die Soldaten, die vertriebene Flüchtlingsfamilien zurück in ihre Städte bringen sollten, nutzten die Hilflosigkeit der Menschen aus, und brandschatzten und vergewaltigten. Nicht nur hatten viele Bewohner der Ost-Region Angehörige, ihr Zuhause, ihren Besitz und ihre Arbeit verloren, sondern auch ihr gesamtes Vermögen. Während des Krieges hatte Nigeria nämlich eine neue Währung eingeführt, und alles alte Bargeld war wertlos. Als Entschädigung wurde jedem Ost-Nigerianer 20N$ (Nigerianischer Dollar) gegeben, egal wie viel ihr ursprüngliches Vermögen eigentlich wert war. Somit wurde der Mittelstand und die Oberschicht gebrochen, die mit nur 20N$ ihre Geschäfte und Firmen nicht wieder aufbauen konnten und ihrer Igbo-Tradition nach scheiterten. Der wirtschaftliche Neuaufbau war dementsprechend mager. Gleichzeitig verabschiedete die Gowon-Regierung das umstrittene Gesetz "Nigerian Enterprises Promotion Decree", das ausländische Konzerne im Land zwang, Anteile an nigerianische Bürger zu verkaufen. Mit nur 20N$ zur Verfügung konnten die Igbo nicht investieren, wodurch nur die Fulani- und Yoruba-Eliten Nutznießer der neuen Regelung wurden. Der Reichtum einiger der noch heute einflussreichsten Industriefamilien Nigerias geht zurück auf dieses Gesetz.

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Nigeria

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Nicht vergessen! Da eine Vorherrschaft der Igbo unter General-Major Aguiyi-Ironsi für die Fulani nicht tragbar war, starteten sie am 29. Juli 1966 wiederum einen Gegenputsch, womit sich die Spirale der Gewalt etablierte. Anders als die beiden vorgehenden, war dieser erfolgreich, doch den neuen Premier der Südöstlichen Region Offizier Chukwuemeka Odumegwu Ojukwu konnte nicht abgesetzt werden. Aguiyi-Ironsi wurde getötet und Yakubu Gowon zum Militärchef des Landes erklärt. Hier zeigt sich die Mehrdeutigkeit des nigerianischen Konfliktes. Denn einerseits war Gowon aus der Nördlichen Provinz, andererseits war er ein Christ - der nigerianische Konflikt war also zunächst von keiner religiösen Natur. Außerdem hatte sich zwischen den Kerngebieten der Fulani, Igbo und Yoruba ein großes Gebiet, der "Middle Belt" entwickelt, wo die Bevölkerung gemischt war, und auch noch viele andere Ethnien lebten - der nigerianische Konflikt war also nicht mehr ethnischer Natur. Es war ein moderner Konflikt, der ausschließlich auf politischen und wirtschaftlichen Interessen beruhte. Jede ethnische und religiöse Verwerfung war nur ein Vorwand, um Kapital zu schlagen. In den drei Monaten nach dem Putsch wurden bis 30.000 Igbo aus dem Norden und dem Westen angegriffen und getötet, wodurch eine Millionen Igbo zurück in den Südosten flohen. Das Projekt des Vielvölkerstaats Nigeria wurde ab diesem Pogrom auf seine härteste Probe gestellt. Der Norden hasste die Igbo wegen ihrer Habgier und die Igbo hassten den Norden wegen der Traumata, die sie erfahren hatten.

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Benin / Nigeria / Kano

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Nicht vergessen! Mit ihrem unternehmerischen Geist trieb es viele Igbo in die großen Städte der neuen Republik, auch außerhalb des Südostens. In Lagos und Benin (Stadt in Nigeria) im Westen und in Kano und Kaduna im Norden gab es bald eine beachtliche Igbo-Minderheit, die wirtschaftlich erfolgreich war. Insbesondere im Norden fühlte sich die Bevölkerung und die Elite bald mehr als unangenehm mit dem Erfolg, den die zugewanderten Igbo hatten. 1964 formulierte der Premierminister der nördlichen Region Sir Ahmadu Bello seine Abneigung gegen Igbo so: "Die Igbos sind a-moralische Menschen, deren Ziel es ist, über alle andere zu herrschen. Sie wollen alles monopolisieren." Diesen Vorwurf kennen wir aus der europäischen Geschichte gegen die Juden. Es war die feindliche Gesinnung des Nordens, die dazu führte, dass ein Bürgerkrieg sich zu entwickeln begann. 1966 waren die Nigerianer der politischen Elite wegen ihres ausschweifenden Lebensstils und mangelndem Verständnis für die Erwartungen der Bevölkerung verdrüssig. Gerüchte über Wahlbetrug, Korruption und schmutzige Deals mit ausländischen Konzernen bewahrheiteten sich mit der Zeit. Mit dem Rückhalt der südlichen Bevölkerung versuchte der Igbo-Major Chukwuma Kaduna Nzeogwu den "Putsch gegen die fünf Höchsten", den Präsidenten, den Premierminister und die drei Premiers der drei Landesteile (darunter jener Sir Bello). Doch tatsächlich tötete er nur Angehörige der Fulani und der Yoruba, während der Premier des Südostens, sowie der Präsident Nnamdi Azikwe überlebten, die beide Igbo waren. Der Putsch wurde durch einen vierten Igbo niedergeschlagen, dem General-Major Johnson Aguiyi-Ironsi, der kurzzeitig zum Interims-Präsidenten Nigerias erklärt wurde. Obwohl sowohl Putschist, alsauch Gegenputschist Igbo waren, verbreitete sich im Norden sehr schnell die nicht ganz unhaltbare Verschwörungstheorie, dass das alles der Plan von Aguiyi-Ironsi gewesen sei, um die Fulani von der Vorherrschaft in Nigeria zu verdrängen.

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Nigeria

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Nicht vergessen! Als in Nigeria die Unabhängigkeitsbewegung Ende der 1950er Form annahm, waren es Intellektuelle der Igbo und Yoruba, wie Fela Kutis Mutter die Feministin Funmi Ransome-Kuti oder der Jurist Jaja Wachuku, die die treibenden Kräfte waren. Große Teile der nördlichen Elite hingegen waren an einer Unabhängigkeit gar nicht interessiert, da sie fürchteten ihre Privilegien zu verlieren, die sie durch die kolonialen Strukturen verliehen bekommen hatten. Die Fulani handelten mit den Yoruba und Igbo aus, dass die kolonialen Strukturen beibehalten werden müssten, damit sie die Unabhängigkeitsbewegung unterstützen. Die Forderungen des Nordens wurden gehört und akzeptiert. Zu diesem Zeitpunkt waren im Fulani-dominierten Norden nur 2 % der Bevölkerung englischsprachig, im Süden waren es 19,2 %. Am 01. Oktober wurde der Staat Nigeria unabhängig. Die föderale Struktur der Kolonie wurde weitestgehend beibehalten und der Norden bekam einen unproportional großen Anteil des Landes, während die beiden anderen Regionen zwar gleich groß waren, aber kleiner als der Norden. Die Zentralregierung in Lagos war eher schwach und unter Leitung des Premierministers Alhaji Abubakar Tafawa Balewa, ein Mitbegründer des "Northern People's Congress" (NPC) in Koalition mit der Igbo-Partei "National Council of Nigeria and the Cameroon" (NCNC) unter Leitung des panafrikanischen Gouverneurs Dr. Nnamdi Azikwe. Die Yoruba-Partei "Action Group" (AG) unter Obafemi Awolowo war in der Opposition. Nigeria legte einen schlechten Start in ein demokratisches Parteiensystem hin, was auch ein harter Anspruch an ein Land ist, das seit 500 Jahren autokratisch von einer und mehr Fremdherrschaften ausgebeutet wurde. Jedenfalls hatten die drei Parteien NPC, NCNC und AG keine ideologische Grundlage sondern fußten auf ethnischem Nationalismus. In den drei Regionen gewannen dementsprechend jeweils die passende der drei Parteien die Wahlen. Da der Norden so gewaltig war und viele Wähler hatte, war die Vorherrschaft der Fulani-Elite garantiert.

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Afrika / Nigeria / Niger

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Nicht vergessen! Bei der berüchtigten Berliner Afrika-Konferenz von 1884 wurden die Grenzen des heutigen Nigeria gezogen. Doch noch war Nigeria nicht unter der Kontrolle der Briten, weshalb die private "Royal Niger Company" mit dem Auftrag gegründet wurde, alle Fulani, Igbo und Yoruba zu unterwerfen. Nach 10 Jahren hatte der RNC mithilfe von Milizen aus ehemaligen Sklaven-Jägern über 400 Fürstentümer und Städte unter die Kolonialherrschaft gezwungen. Zum Jahresbeginn 1900 verkaufte die RNC das eroberte Land mit seinen 250 ethnischen Gruppen und über 400 Sprachen der britischen Regierung für 865.000£. Noch heute existiert die RNC als Teil des Marktgiganten Unilever, der viele der Produkte herstellt, die wir hierzulande im Supermarkt kaufen können. Die RNC musste die Territorien verkaufen, weil sie nicht gegen die benachbarten Protektorate standhalten konnten, die von dem französischen Staat, sowie dem deutschen Staat unterstützt wurden. Die Briten teilten ihre Kolonie in das große Nördliche Protektorat, das unter der Vorherrschaft der Fulani überwiegend muslimisch war und dem christlichen Südliche Protektorat mit den Igbo und Yoruba. Der Süden war kommerziell für die Briten deutlich profitabler als der Norden, da es hier mehr Rohstoffe gab und insbesondere die Igbo-Elite enger mit britischen Konzernen zusammenarbeitete.

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Nigeria / Sokoto / Europa

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Nicht vergessen! Die Beziehung der drei Volksgruppen in Nigeria waren vor der Kolonisation durch die Briten so gut wie nie von Kriegen geprägt. Die Yoruba und die Igbo hatten untereinander ein gutes Verhältnis. Rivalität bestand einzig zwischen ihrem Süden und dem Norden der Fulani. Das Königreich Oyo etwa hatte viele Jahrzehnte unter dschihadistischen Angriffen des Sokoto-Kalifats unter Sultan Uthman Dan Fodio zu leiden. Als Reaktion darauf versklavten die Yoruba Bewohner des Kalifats. Doch dieser Zwischenfall hatte geopolitische Gründe und blieb einzigartig, bis die Briten kamen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte der britische Kolonialbeamte Frederick Lugard die Theorie der Indirect Rule und wendete sie ab 1914 als Generalgouverneur von Nordnigeria an. Die Indirect Rule sieht die Ausnutzung traditioneller Herrschaftsstrukturen vor, also auch deren Erhaltung. Kolonien wurden nicht mehr als Kolonien bezeichnet, sondern als Protektorate. Aus dieser höchst wirksamen Fremdherrschaftsform des britischen, aber auch des deutschen Kolonialreiches entwickelte sich mit der Zeit die Theorie der Softpower, die in heute mehr denn je die Weltpolitik bestimmt. Die britische Kolonialverwaltung in Nigeria erschuf den Nährboden für Koflikte zwischen Fulani, Igbo und Yoruba, um selbst als Strippenzieher Kapital aus ihren Kriegen zu schlagen. Taten sie es bis 1807 noch, um an Sklaven zu kommen, war ihr Ziel danach viel ausgeprägterer Art, auch beeinflusst durch die Machtverhältnisse in Europa - ein sehr langes Kapitel für sich. 1914 schloss besagter Lugard den Norden und den Süden Nigerias zusammen. Der Grund dafür ist einfach: Die Briten hatten im Norden bei den Fulani ein autoritäres System vorgefunden, das sie 1:1 für ihre Interessen ausnutzen konnten, im Süden jedoch waren die Menschen viel zu frei und gebildet, um (noch immer brutale) Softpower über sich ergehen zu lassen. Mit dem Zusammenschluss der beiden Landesteile konnten die Briten das Staatssystem des Nordens auf den Süden übertragen. Sie stifteten die Elite der Fulani zur Fremdherrschaft über die Igbo und Yoruba an. Ab 1914 wurden Fulani-Eliten in Schlüsselrollen der Kolonialverwaltung platziert. Die Briten mussten ihre Politik der Indirect Rule verdeckt halten, da sonst einige Fulani erbost gewesen wären, da ihr Stolz und ihre Herkunft beschädigt wären. Schon im 19. Jahrhundert hatten die Briten die idealen Strukturen im Norden Nigerias erkannt und ausgenutzt. Damals erfanden Rassenkundler eine sehr spezifischen Rassentrennung zwischen diesen Schwarzafrikanern und anderen Schwarzafrikanern, die in ganz Afrika verbreitet war. Die sowieso fingierte Rassentheorie wurde auf die Spitze getrieben, indem behauptet wurde, die Fulani seien "weißer" als die Igbo und Yoruba und daher berechtigter, Herrschaft auszuüben. Zwar sind vielleicht die Fulani insgesamt durch ihre wohl teils indische Abstammung etwas heller als etwa die Yoruba, doch man kann kein Yoruba-Individuum von einem Fulani-Individuum unterscheiden, ähnlich wie man keinen Bayern von einem Tiroler unterscheiden kann.

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Nigeria

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Nicht vergessen! Die Yoruba sind die dritte große Volksgruppe Nigerias und gelten als fruchtbare Mische der Fulani und der Igbo. Sie leben im Südwesten des Landes, wo heute ein großer Teil der Bevölkerung in Millionenstädten wohnt. Sie sind zu 75% christlich, wie die Igbo, haben aber einen signifikanten muslimischen Anteil. Nach der Schöpfungsgeschichte der Yoruba sollen die Menschen in der heiligen Stadt Ile-Ife entstanden sein, die ihre Blütezeit im 13. Jahrhundert hatte. Da in ihrer Legende von keiner Wanderungsbewegung die Rede ist, kann man auch davon ausgehen, dass die Yoruba seit sehr langer Zeit dort in Nigeria heimisch sind. Nach Ife wurde das Königreich Oyo gegen Ende des 16. Jahrhunderts durch seine Kavallerie, welche es sich durch ausgedehnten Handel leisten konnte, zur bestimmenden Macht der Region. Die politische Strukturierung des großen Oyo-Reiches war weniger autokratisch, als die der Fulani-Kalifate, aber nicht so egalitär, wie bei den Igbo. Der König, oder Oba wurde von einem großen Versammlung beraten und beeinflusst, die aus Männern und Frauen bestand, die sich ihre Stellung in der Gesellschaft erst erarbeitet hatten. Die Yoruba verfolgten das Self-Made-Prinzip der Igbo, schätzten aber allgemein kulturelle und akademische Errungenschaften höher als wirtschaftliche. So sind auch die bedeutensten nigerianischen Lichtgestalten der Kultur, die Afro-Beat-Legende Fela Kuti und der Nobelpreisträger Wole Soyinka, von Yoruba-Abstammung sind. Auch die Yoruba beteiligten sich zunächst am Sklavenhandel mit den Briten und wurden schließlich selbst ihr Opfer.

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Afrika / Nigeria

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Nicht vergessen! Das Volk der Igbo (gesprochen als "Ibo") lebt im Südosten Nigerias und ist überwiegend christlich. Der Genetik, sowie ihrer Sprache nach stammen sie aus dem östlichen Subsahara-Afrika. Ihr Werdegang ist nicht so gut dokumentiert, wie der der Fulani, denn sie standen wenig im Kontakt zu einer benachbarten Hochkultur. Die Igbo-Gesellschaft steht im klaren Kontrast zu der der Fulani. Erste staatenähnliche Gebilde lassen sich ab dem 10. Jahrhundert erahnen, da es damals zum ersten Mal zu Begräbnissen im größeren Stil kam, die auf eine Führungspersönlichkeit hinweisen. Mit Eze Nri Ìfikuánim ist uns der traditionell erste legendäre König eines Königreiches Nri bekannt, den Historiker in die Mitte des 13. Jahrhunderts verorten. Mit ihm kam auch die Igbo-Religion mit ihren sieben Tabus auf, die Menschen, Tiere, Objekte, Zeit, Verhalten, Sprache und Orte betrafen. Zwar lebte nicht jeder Igbo unter dem Einfluss des Königreichs von Nri, doch sie alle mussten die sieben Tabus befolgen. Die traditionelle politische Ordnung war republikanisch und quasi-demokratisch, in jedem Fall dezentralisiert. Der Rat der Ältesten, in den Igbo-Männer nur durch eigene Verdienste kamen war egalitär zu den Königen und Priestern. Der eigene Verdienst definierte sich nur dadurch, wie sehr man befähigt war, gesellschaftliche Probleme zu lösen; Respekt bekamen diejenigen, die sich ihren Wohlstand selbst erarbeitet hatten, statt ihn zu erben. Das war der innere Antrieb für Höchstleistungen, wie die Erfindung eines eigenen Kalendersystems, eines bis heute verbreiteten Banksystems Isusu und auch eines populären Spiels Okwe, das auf Mathematik beruht und uns Europäern als Warri bekannt ist. Rechtliche Streitereien wurden von anwaltsähnlichen Vertretern ausgefochten, Bronze wurde ab dem 9. Jahrhundert verwendet. Durch diesen kulturellen Hintergrund sind auch heute noch viele Industrieriesen in Nigeria aus Igbo-Abstammung. Die Igbo hatten eine stabile Gesellschaft und konnten mit gut Neuerungen umgehen. Doch als 1434 die Portugiesen an ihren Küsten landeten, hatten sie den Kolonialmächten keine militärische Kraft entgegenzusetzen.

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Westafrika / Senegal / Guinea

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Nicht vergessen! Der traditionelle Dschihad der Fulani fand im 18. und 19. Jahrhundert gegen ihre Nachbarn in Westafrika statt. Um 1830 gab es vier Fulani-Staaten: Futa Toro im Senegal, Futa Jallon in Guinea, Masina mit der Weltstadt Timbuktu in Mali, sowie das gewaltige Kalifat von Sokoto in Nigeria. Der Dschihad war als politische Erneuerung im 12. Jahrhundert in Bagdad aufgetreten. Damals gründete der populär-populistische persische Mystiker ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī den sufistischen Qādirīya-Orden, der sich in der gesamten - ich wiederhole und führe gleich aus - in der gesamten islamischen Welt verbreitete. Gerade an ihren Grenzen (haltet euch fest) in der Türkei, auf dem Balkan, im Nordkaukasus, in China, Indien, Pakistan, Indonesien, Ostafrika und eben bei den Fulani war die neue Qādirīya-Ideologie der perfekte Anlass, den eigenen Lebens- und Wirtschaftsraum zu vergrößern. Über Jahrhunderte bestimmte die globale Bewegung des Dschihad die Weltgeschichte. Anhänger der Qādirīya-Ideologie hielten Stellung in Iberien, kämpften gegen Dracula (naja, gegen Vlad III. Drăculea) stießen in Sibirien ans Nordpolarmeer vor, handelten sich die Seidenstraße bis nach China entlang und eroberten den Indischen Ozean, meistens zeitversetzt und ohne voneinander zu wissen. So entstand 1806 auch das Emirat von Kano im Norden Nigerias, das bis heute existiert und regelmäßig in den Nachrichten vorkommt. Kano war im Sokoto-Kalifat die aktivste Stadt mit 60.000 Einwohnern, fast die Hälfte davon Sklaven. In der Zeit entstanden hier der prächtige Emirspalast und die Große Moschee. Doch in der Peripherie der Macht- und Bildungszentren der islamischen Welt in Irak und Syrien galten die Herrscher der Fulani mit der Zeit als ungebildete Kriegsherren. Die theokratisch legitimierte Macht war zentralisiert und die Befehlsketten der beiden Sultanate Gwandu und Sokoto vertikal vom Sultan, über die Emirs und die Hakimis der Distrikte bis zu den Dorfvorstehern. Der mehrheitlich muslimische Norden Nigerias war dementsprechend auch feudal. So entstand, ganz anders als im Süden des Landes ein Establishment, eine Elite, die an politischen, religiösen und wirtschaftlichen Schlüsselpositionen saß und das auf Verwandtschaft beruhte. Diese religiöse, konservative Weltanschauung, hat laut einiger islamophoben Kräfte Süd-Nigerias dazu geführt, dass das Individuum im Norden willenlos und faul sei. Dieses Vorurteil entstammt aus dem Missverständnis, dass armen Handwerker und Bauern im Norden gar keine Auftsiegsmöglichkeiten hatten, dafür ihre gesellschaftliche Stellung auch nicht geächtet wurde. Als europäische Abenteurer und Händler die Region bereisten war es für sie nicht schwierig, sich mit ihrer Gesellschaft vertraut zu machen, weil sie der europäischen in vielen Aspekten ähnelte. Doch hatte der Islam über Jahrhunderte hinweg zur Entwicklung der Region beigetragen war er ab dem 19. Jahrhundert ein Bremsklotz. Fulani widersetzten sich den fremden Erneuerungen und wollten sich nicht anpassen. Allerdings keimte aus diesem Anpassungsunwillen keineswegs eine wahre Opposition zum britischen Kolonialherren.

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Ghana / Mali / Mauretanien

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Nicht vergessen! Seit dem 5. Jahrhundert war der Transsaharahandel essenziell für die Entwicklung Westafrikas. Als erstes profitierte das Reich von Ghana im heutigen Mali und Mauretanien vom Handel. Dabei ging es zunächst um den Goldhandel aus den tropischen Gebieten in Küstennähe, der durch die Größe islamischer Reiche im Mittelmeerraum und Nahen Osten im höchsten Maß profitabel für Zwischenhändler wurde. Ab 1000 n.Chr. bekamen auch die Fulani in Nigeria die Vorzüge der Islamischen Expansion zu spüren. Zunächst hielten sie sich noch westlicher auf, im Senegaltal, wo sich florierende Städte gründeten. Mit dem neuen Reichtum und der Sesshaftwerdung kam es auch zu eindeutig abgrenzbaren Staaten und zu Rivalität. Zwischen 1300 und 1350 wanderten einige Fulanistämme wieder nach Osten in die Hausastaaten, einem Verbund von Stadtstaaten in Bornu um den Tschad-See. Auf der seit Römers Zeiten bestehenden Bornustraße handelten sie neben Gold auch Sklaven und Salz gegen Pferde, Stoffe und Waffen aus Nordafrika. Mit der Einwanderung der Fulani wurde die Region als eine der letzten der Sahel-Zone islamisiert. Wichtig ist, dass es sich hierbei nicht um Völkerwanderungen im archaischen Sinne handelt, sondern um wirtschaftlich motivierte Bevölkerungsverschiebungen, die von politischen Aktionsträgern unter dem Vorwand des Islam durchgeführt wurden. Diese geopolitische Taktik entwickelte sich später zum Dschihad, ein Begriff, der spätestens seit 2001 n.Chr. eine neue moderne Interpretation erfahren hat.

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Mali / Burkina Faso / Nigeria

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Nicht vergessen! Seit 2019 gibt es einen bemerkenswerten Anstieg der Angriffe auf das Volk der Fulani in der Sahelzone Afrikas, wie in Mali, Burkina Faso, Nigeria und Kamerun. Bei Angriffen, die auf Fulani-Dörfer ausgeübt werden sterben regelmäßig duzende Zivilisten in Massakern, die nur als Racheakt für vergangene Zeiten gewertet werden können. Warum diese Angriffe stattfinden, zeigt ein Blick in die Geschichte Nigerias. Nigeria besteht aus drei Kulturräumen. Die Fulani, oder Hausa-Fulani waren ursprünglich ein nomadisches Volk in Westafrika, das inzwischen sesshaft geworden ist. Ihren legendären Ursprung sehen sie in der Gegend um Mekka im heutigen Saudi Arabien, womit sie ihre Religionszugehörigkeit zum Islam erklären. Im siebten Jahrhundert sollen ihre Vorfahren den Propheten Mohammed zunächst begleitet und dann sein Wort in die Welt hinaus getragen haben. Das steht jedoch im Widerspruch zum alten polytheistischen Glauben und den Ähnlichkeiten zu benachbarten Kulturräumen in Westafrika. Nichtsdestotrotz ist nicht auszuschließen, dass die Fulbe tatsächlich noch durch Zeitgenossen Mohammeds zum ersten mal in Kontakt mit dem Islam kamen. Doch ein mythisches Ursprungsland gibt es wohl doch: Ägypten! Auch Teile der linguistische Altertumskunde erkennen eine Herkunft des Volks der Fulbe im vorchristlichen Nordost-Afrika. Dort war es zu mehreren Zeiten zu Aufeinandertreffen nomadischer Kriegerclans aus Äthiopien und wandernder tamilischen Hirten aus West-Indien gekommen. Gemeinsam seien sie um 200 v.Chr. in die damals noch grünere Sahara gezogen. Sowohl die islamische, alsauch die traditionelle Ursprungsmythe sprechen Wahrheiten. Während sich die Genese der Fulani-Kultur in den polytheistischen Sagen findet, war der Islam unabdinglich für deren kulturellen Aufstieg um 1000 n.Chr.